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NYC: Wie Radwege Verkehrssicherheit erhöhen können

Ein besondern eindrucksvolles Beispiel, wie die Implementierung von getrennter Radinfrastruktur die gesamte Verkehrssichereit erhöhen kann, bietet die umkämpfte Geschichte der „Prospect Park West Bike Lane“ in New York City. Soeben feiert dieses bekannte Radwegprojekt ein fünfjähriges Jubiläum und bekommt viel Aufmerksamkeit im aktuellen Buch „Streetfight“ von Janette Sadik-Khan, der damals zuständigen Verkehrsstadträtin von New York City und Ikone der menschenfreundlichen Umgestaltung dieser Megacity.

Ausgangslage: Unfälle und Geschwindigkeitsübertretungen

Der Prospect Park West wies eine unrühmliche Statistik auf: 74% der Autos übertraten die Geschwindigkeitslimits auf der fünfspurigen Fahrbahn (drei Kfz-Spuren für fahrenden, zwei Spuren für den ruhenden Kfz-Verkehr), 10 Unfälle mit Personenschaden pro Jahr und zahlreiche Radfahrende am Gehsteig, die aus Angst die Fahrbahn mieden. Bürgerkommitees hatten bereits mehrere Jahre lang Verbesserungen und Radwege gefordert, nun war die neue Verkehrsstadträtin unter Bürgermeister Michael Bloomberg 2010 bereit zur Umsetzung.

Ihre Lösung: Reduktion auf zwei engere Kfz-Fahrspuren, wodurch die Kfz-Geschwindigkeit reduziert wurde, und Einführung einer Zweirichtungs-Radspur, die durch eine Parkspur geschützt wurde und Verkehrsinseln und Schutzstreifen ermöglichte, die wiederum den Weg für querende FußgängerInnen verkürzten und deren Sicherheit erhöhten.

prospectparkwest_Before-and-After_c_NYCDOT

Vorher und Nachher: die erhöhte Sicherheit und Lebensqualität ist sofort sichtbar.

Resultat der Umgestaltung: Mehr Sicherheit und mehr Radfahrende

Die Ergebnisse waren beeindruckend, denn die Geschwindigkeitsübetretungen nahmen auf 20% ab, die schweren Unfälle gingen auf 4 pro Jahr zurück und natürlich übersiedelten die Gehsteigradler auf die komfortable Radspur. Die Anzahl der Radfahrenden stieg signifikant durch die Erschließungsqualität und die sowohl subjektive als auch objektive Sicherheit der neuen Radverkehrslösung. Es kam noch dazu zu keinen verlängerten Kfz-Fahrzeiten oder Staus, trotz Reduktion auf zwei Kfz-Fahrspuren. 70% der befragten Bevölkerung waren mit dieser Lösung zufrieden.

prospectparkwest_walking_c_NYCDOT

Intermezzo: Gerichtsurteil sichert die Lösung ab

Kurz gesagt: fast alle fühlten sich wohl. Nur eine Allianz aus Bezirkspolitik, ehemaliger Verkehrsstadträtin und gegenerischen Anwälten sowie vereinzelten BürgerInnen versuchte das Projekt per Gerichtsklage wieder rückgängig zu machen. Die klaren Vorteile, die diese Umgestaltung mit sich brachte, überzeugten jedoch den zuständigen Richter, der das Verfahren am 16. August 2011, also vor genau fünf Jahren, positiv für die Prospect Park West Bike Lane abschloss. Dass weiterhin von zwei versprengten AktivistInnen versucht wird, die Radspur wegzuklagen, fällt unter Schrulligkeiten und US-amerikansiche Rechtsbesonderheiten. Diese Radverkehrsmaßnahme gibt ein überzeugendes Beispiel für gelungene gezielte Eingriffe in ein missglücktes Verkehrssystem ab, weit über die Stadtgrenzen New Yorks hinaus und über den Atlantik:

statistik_prospectparkwestNYC_radlobbyDie Grafik der Radlobby Österreich zeigt die verbesserte Verkehrssicherheit am „PPW“.

Weiterführende Literatur und Links

Alle detaillierten Einblicke in die Umgestaltung von New York City bekommen Sie hier im Buch „Streetfight – Handbook for an Urban Revolution“ (Janette Sadik-Khan, Seth Solomonow; USA 2016): LINK

Die Präsentation des Verkehrsressorts von NYC DOT am Beginn der Planungsphase finden Sie hier: LINK.

Resultate der Studie der University of Virginia von Conrad Gosse und Andres Clarens (2013) zu „Quantifying the total cost of infrastructure to enable environmentally preferable decisions: the case of urban roadway design“ finden Sie hier: LINK

(Fotos: DOT)

 

Veröffentlicht am 6. August 2016