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Potenzialanalyse: Bike-Sharing Salzburg

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Fahrradverleihsysteme als städtische Verkehrsmittel erleben aktuell Rückenwind. Die Vorteile dieser Systeme sind vielfältig: Fahrradmobilität als gesunde, nachhaltige Fortbewegung wird vor allem in verkehrsgeplagten Städten forciert, Einzugsgebiete von Stationen des öffentlichen Verkehrs können signifikant erweitert werden und der Trend vom Besitzen hin zum Teilen („sharing economy“) hat längst auch im Mobilitätsbereich Einzug gehalten.

Viele Großstädte rund um den Globus setzen bereits auf Bike-Sharing. Folglich ist bereits ein gewisser Daten- und Erfahrungsschatz zu operativen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen vorhanden. Momentan machen sich immer mehr kleine und mittlere Städte daran, Fahrradverleihsysteme zu implementieren. Angesichts budgetärer und politischer Rahmenbedingungen ist es hier von großer Wichtigkeit den involvierten EntscheidungsträgerInnen relevante Informationen und in weiterer Folge ein gewisses Maß an Planungssicherheit zur Verfügung zu stellen. Die Herausforderung liegt dabei in der Übertragung vorhandener Kennzahlen auf die spezifischen Gegebenheiten einzelner Städte.

Potenzialanalyse für ein Leihradsystem in der Stadt Salzburg

Das Radkompetenz-Mitglied GI Mobility Lab am Fachbereich Geoinformatik – Z_GIS der Universität Salzburg hat während des letzten Jahres die Stadt Salzburg und die Salzburg AG als zukünftige Betreiber eines Fahrradverleihsystems in Salzburg in dieser Hinsicht begleitet. Dabei standen alle räumlichen Facetten des geplanten Systems im Vordergrund.

In einem ersten Schritt wurde die räumliche Struktur der Stadt in mehreren demographischen und wirtschaftlichen Dimensionen erhoben. Auf Basis von Kennzahlen anderer Städte, konnte damit ein räumlich differenziertes Potenzial errechnet werden. Über das Stadtgebiet verteilt wurden auf diese Weise ein konservativ geschätztes Nutzungspotenzial von 2.000-3.000 Fahrten pro Tag errechnet.

Neben dem, auf Basis der Raumstruktur, errechneten Potenzials, wurde eine offene Online-Umfrage durchgeführt. Die insgesamt über 1.800 TeilnehmerInnen der Umfrage, die allerdings nur bedingt die Gesamtbevölkerung repräsentieren, übertrafen in ihren Annahmen zum Teil das theoretisch errechnete Potenzial für ein Fahrradverleihsystem in der Stadt Salzburg. 73% der UmfrageteilnehmerInnen gaben an, das Verleihsystem nutzen zu wollen. Erfreulich dabei war, dass die Nutzungsbereitschaft vor allem auch bei Personen, die aktuell nicht primär mit dem Fahrrad fahren, eindeutig vorhanden ist. Im Zuge der Umfrage wurden TeilnehmerInnen auch eingeladen, ihre Wunschstandorte für das Fahrradverleihsystem auf einer Online-Karte zu markieren. Auf diesem Weg konnten über 7.500 Standortvorschläge gesammelt und für die spätere Standortplanung der Verleihstationen einbezogen werden.

Wunschstandorte

Wunschstandorte für das Fahrradverleihsystem (Ergebnis einer offenen Online-Umfrage)

Ausgehend von der Potenzialanalyse wurde das Stationsnetz in mehreren Phasen geplant. Dabei gelang es, Expertenmeinungen mit räumlichen Analysen derart zu kombinieren, dass für jede einzelne Station das modellierte Nutzungspotenzial und die Qualität des Umfelds in einer interaktiven Webkarte dargestellt werden konnte. Auf diese Weise konnte eine intuitiv bedienbare, entscheidungsunterstützende Sicht auf eine Fülle an Daten und Informationen bereitgestellt werden.

Die Realisierung des Salzburger Fahrradverleihsystems ist in mehreren Stufen vorgesehen. Im Laufe des nächsten Jahres werden die ersten 40-50 Stationen mit insgesamt rund 500 Fahrrädern in Betrieb genommen. Erweiterungen in das Stadtumland sind zudem in den darauffolgenden Jahren durchaus möglich.

Rückfragen betreffend der der Studie können an gimobility@sbg.ac.at gestellt werden. Auskünfte zum Fahrradverleihsystem erteilen die Auftraggeber der Studie, Magistrat Salzburg und Salzburg AG, auf Anfrage.

Eine technische Option für modulares Bike-Sharing bietet Safetydock®. Die von Innovametall entwickelte Verleih-, Park- und Ladestation für Fahrräder und Elektroautos, wird mit Chipkarte bedient. Safetydock® Standorte können mittels Smartphone gesucht und gebucht werden. www.safetydock.at

Veröffentlicht am 12. April 2017