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Die Transportrevolution: Lastenrad auf dem Vormarsch

Der Einsatz von Fahrrädern für Transportzwecke ist in vielen europäischen Städten auf der verkehrspolitischen Agenda angekommen, wie auch die CycleLogistics Konferenz und die Transportradförderung in Wien im März gezeigt hat. Projekte wie CycleLogistics und EMILIA zeigen auf wie groß das Transportpotenzial von Fahrrädern ist und wie Transportabläufe smart optimiert werden können. Das einstiges Nischenthema ist nun Mainstream, das Umstiegspotential Kfz – Transportrad ist enorm. Der „Cargo Bike Boom“ hat voll eingeschlagen!

Logistikbranche braucht CycleLogistics

Mit den Projekten CycleLogistics und CycleLogistics Ahead  ist Radkompetenz-Mitglied FGM-AMOR als Koordinator zweier EU Projekte nun schon seit 7 Jahren eine Triebfeder hinter dem verstärkten Einsatz von Transporträdern in europäischen Städten. Die Logistikbranche ist gefordert, die bestehenden Potenziale im Bereich kommerzieller Lieferverkehre auszuschöpfen (23% laut DLR Studie, an der auch die FGM beteiligt war, 25% laut CycleLogistics Baseline Study und 33% laut neuester Studie der TU Nürnberg im Auftrag der deutschen Logistikindustrie). Also kann jede 3te oder 4te Lieferwagenfahrt auf Pedalantrieb umgestellt werden.

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Noch ein höheres Potenzial zum Umstieg vom Kfz auf das Cargo Bike besteht im Bereich der Dienstleister und Handwerker, hier ermittelte die CycleLogistics Baseline Study, dass jede zweite Kfz-Fahrt auf‘s Rad verlagerbar wäre. Am höchsten ist der Anteil jedoch in der privaten Logistik 77% aller Kfz Wege mit Warentransport (z.B. Einkauf) könnten per Rad, Radanhänger oder Transportfahrrad erledigt werden.

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Das Umstiegspotenzial von Kfz auf Cargobikes laut Cycle Logistics Baseline Study
Werden zu den schon hohen Potenzialen im Gütertransport noch jene im Kindertransport addiert, so landen wir bei Zahlen wie in Kopenhagen wo jede vierte Familie über ein Transportfahrrad verfügt. Um einen Anstoß in diese Richtung zu geben, haben einige Städte Förderprogramme beschlossen, so auch Wien, wo die FGM an der Erarbeitung der Förderrichtlinien beteiligt war. Insgesamt 300.000 Euro werden durch die öffentliche Hand in Österreichs Hauptstadt 2017 in die Ankaufsförderung für Private und Unternehmen investiert: die erste Förderungs-Charge von 200.000 Euro war so schnell ausgeschöpft, dass rasch eine 50%-Erhöhung beschlossen wurde. Somit wurden binnen kurzer Zeit ca. 300 Lastenräder für Wien anschubfinanziert.

Transportradkonferenz in Wien

In Wien hat im März auch die vierte CycleLogistics Konferenz ECLF 2017 stattgefunden. Susanne Wrighton (FGM), Mitglied des Organisationsteams, freute sich über mehr als 400 BesucherInnen. Die steigenden TeilnehmerInnennzahlen der Konferenzen Cambridge (80), Nijmegen  (180) und San Sebastian (250) bilden ebenfalls die zunehmende Wichtigkeit des Themas ab. Die FGM bastelt bereits am nächsten Schritt der Cargo Bike Nutzung. Einerseits nimmt Susanne Wrighton an der Entwicklung Europäischer Beschaffungsrichtlinien teil und integriert hier das Thema Lieferung per Lastenrad, andererseits wurde im Rahmen einer Horizon 2020 Einreichung das Cargo Bike als „Parkraumumwandler“ in den Mittelpunkt gestellt. Der Name der Projekteinreichung „City Changer Cargo Bike“ ist dabei Programm.

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Ein herausragend praktisches Lastenradmodell für diesen Einsatz als City Changer stellt das Wiener Modell „Truck“ von Radkompetenz-Mitglied MCS Maderna Cycle Systems dar. Der einspurige Tieflader ist ein Alleskönner, konzipiert für den professionellen Einsatz im Zustellservice und für Handwerksfirmen. Der extrem torsionssteife Rahmen und die tief gelegene große Ladefläche hinter dem Fahrer machen den MCS Truck auch in schwer beladenem Zustand stabil, wendig und sicher, wie man auch in diesem VIDEO bei 170kg Gesamtbeladung sehen kann.

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Smarte Optimierungsmethoden für den Einsatz in der Güterlogistik

ForscherInnen des Radkompetenz-Mitglieds AIT Austrian Institute of Technology entwickeln im Projekt EMILIA Logistik-Konzepte, um Effizienz, Nachhaltigkeit und Kundenservice in der Güterlogistik zu verbessern. Die im Projekt entwickelten Methoden zur Planung und Organisation von Transportabläufen mit Elektro-Fahrzeugen und Cargo Bikes erlauben sowohl Vorausplanung als auch Echtzeit-Berechnung von Lieferungen in der Güterlogistik.

Expressbestellungen von Lebensmitteln sind beispielsweise mit einer Lieferzeit von max. 60 Minuten zu erfüllen. Zu diesem Zweck werden einerseits Online-Bestellungen vorab in Cargo Bike-Touren eingeteilt, wobei KundInnen innerhalb eines gewünschten Lieferzeitfensters von der nächstgelegenen Filiale aus beliefert werden. Andererseits werden Cargo Bikes-Touren so flexibel geplant, dass auf  spontane Expressbestellungen reagiert werden kann. Für jede Expressbestellung wird dynamisch entschieden, welches Cargo Bike welche Filiale anfährt, um KundInnen schnellstmöglich und mit minimalem Kostenaufwand zu beliefern. Das am AIT entwickelte Planungstool basiert auf Optimierungsalgorithmen aus dem Bereich des Operations Research, welche es ermöglichen, die eingesetzten Cargo Bikes bestmöglich auszulasten, Wegzeiten zu minimieren und KundInnen umweltfreundlich und effizient zu beliefern.

Für die Paketzustellung wird ein 2-stufiges System eingesetzt, bei dem Pakete zuerst mit Elektro-Fahrzeugen in einen City Hub transportiert werden, wobei besonders schwere oder sperrige Bestellungen gleich direkt zum Kunden geliefert werden.  Vom City Hub ausgehend erledigen Cargo Bikes mit Elektroantrieb die sogenannte „Last Mile“ Zustellung. Eine Smartphone-App unterstützt die FahrerIn bei der optimierten Tourenplanung und visualisiert die Kundenreihenfolge und besten Fahrtrouten. Je städtischer die Umgebung, umso deutlicher werden die Vorteile der leistungsstarken, wendigen und mit beachtlichem Laderaum ausgestatteten Cargo Bikes: Nutzung aller Radwege, direkte Zufahrt zu Haus- und Geschäftseingängen, sehr kurze Fußwege und damit schnelle, effiziente Paketzustellung – und das auch noch emissionsfrei.

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Tipp: Die Präsentationen der Transportradkonferenz ECLF 2017 stehen hier auf der Website der Konferenz zum Download bereit.

Veröffentlicht am 14. April 2017