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Projekt GISMO: Gesundheitsvorsorge durch aktiven Arbeitsweg

Gesundheitsvorsorge durch Bewegung ist aktuell in aller Munde. „Sitzen ist das neue Rauchen“ hört und liest man immer wieder. Das von der FFG geförderte Projekt GISMO, unter Leitung des Radkompetenzmitglieds Z-GIS (Fachbereich Geoinformatik an der Universität Salzburg), greift die Themen aktive Mobilität und Gesundheitsvorsorge auf, indem es den täglichen Weg in die Arbeit gezielt als Möglichkeit zur Bewegung und damit zur gesundheitlichen Prävention positioniert.

Das Akronym GISMO steht für Geographical Information Support for Healthy Mobility. Die Idee dahinter ist folgende: mittels räumlicher Modelle und Analysen soll die bestmögliche Verbindung zwischen Wohnort und Arbeitsplatz ermittelt werden, wobei ein Mindestmaß an aktiver Mobilität enthalten sein muss. Parallel dazu wird in einer klinischen Studie mit 70 ProbandInnen getestet, welcher gesundheitliche Effekt von verschiedenen Maßnahmen im Rahmen eines betrieblichen Mobilitätsmanagements zu erwarten ist. Am Ende des Projekts steht dann eine Informationsplattform zur Verfügung, die es Betrieben und PendlerInnen erlaubt, verschiedene Varianten individueller Arbeitswege zu berechnen und den jeweiligen gesundheitlichen Nutzen zu erfahren. Neben der Information an sich, steht Betrieben damit eine wichtige Evidenzgrundlage zur Verfügung, um gezielt in die Gesundheit ihrer MitarbeiterInnen zu investieren.
Sportmedizinische Eingangsuntersuchung und verwendete Fitnessuhr von Polar (Bild: SALK, Polar)

ProbandInnen lassen ein Jahr lang das Auto stehen

Die 70 ProbandInnen haben mittlerweile die ersten fünf Monate des insgesamt ein Jahr laufenden Versuchs erfolgreich hinter sich gebracht. Während 20 ProbandInnen ihr Pendelverhalten unverändert lassen und als Kontrollgruppe dienen, lassen die anderen 50 seit dem Frühjahr ihr Auto für den Weg in die Arbeit großteils stehen und legen ihren Arbeitsweg zu Fuß, mit dem öffentlichen Verkehr oder per Fahrrad zurück. Alle teilnehmenden PendlerInnen wurden zu Beginn der Studie sportmedizinisch am Institut für Sportmedizin der Universitätsklinik Salzburg untersucht.

Nach dem Ende der Studienlaufzeit wiederholt sich diese Untersuchung, wodurch Veränderungen während dieses Jahres festgestellt werden können. Dazwischen zeichnen die ProbandInnen ihre Mobilität in einem eigens entwickelten online Mobilitätstagebuch auf. Parallel tragen sie für jeweils 2 Wochen eine GPS-ausgestattete Fitnessuhr. Damit kann der Energieumsatz für die verschiedenen Mobilitätsvarianten festgestellt werden. Aus einer ersten Testserie konnten die Forscher am Fachbereich Geoinformatik Z_GIS der Universität Salzburg bereits erste Auswertungen ableiten. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die Kombination aus GPS Daten und der Herzfrequenz sehr gut zur Verkehrsmittelwahlerkennung geeignet ist.

5 getrackte Arbeitswege – die Herzfrequenz (Schläge/Minute) erleichtert die Verkehrsmittelwahlerkennung erheblich (Bild: Z_GIS)

Bewertung der Gesundheitseffekte für jeweilige Routenwahl

Um die Empfehlungen für gesundheitseffektive Wege zur Arbeit realistisch gestalten zu können, ist es notwendig die Gegebenheiten der Pendelroute zu berücksichtigen. Dazu wurde unter Federführung des Researchstudios iSPACE ein komplexes Verfahren zur Routenerstellung und -bewertung entwickelt. Die Qualität der Infrastruktur für FußgängerInnen und RadfahrerInnen spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Entfernung zur nächsten Haltestelle mit ausreichend guten Verbindungen.


Bewertung der Infrastruktur mit so genannten Walkability- und Bikeability Indices (Bild: Z_GIS)

Eine erste, von TraffiCon entwickelte, Version der Web-basierten Plattform, in der alle entscheidenden Informationen zusammengefasst werden, wird im Rahmen der internationalen TRA Konferenz in Wien (16.-19. April 2018) vorgestellt. Darüber hinaus beschäftigt sich ein wissenschaftliches Symposium im Rahmen des GI-Forums 2018 mit dem Beitrag räumlicher Information zu gesunder Mobilität. Der Call for Papers dazu startet in Kürze; Informationen stehen auf der Webseite des Veranstalters bereit.

Alle Konsortialpartner des Projekts, sowie unterstützende Firmen, die die Umsetzung der klinischen Studie durch Incentives ermöglichen, sind auf der Projektwebseite zu finden.

Veröffentlicht am 26. September 2017