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Jugendmobilität: neue Fakten & Ratgeber

Kinder brauchen viel Bewegung. Mindestens 60 Minuten Bewegung am Tag lauten für Kinder und Jugendliche die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Insgesamt erfüllen laut der größten europäischen Kinder- und Jugendgesundheitsstudie, der „Health Behaviour in School-aged Children Study“, nur 17,4% der österreichischen Schülerinnen und Schüler zwischen 11 und 17 Jahren die WHO-Bewegungsempfehlungen. Ein aktiver Schulweg würde diesem Trend entgegenwirken. Dazu gibt es nun aktuelle Zahlen.

Mit dem Rad oder Roller zur Schule zu fahren ist nicht nur gesund und macht Spaß, es fördert auch die Aufnahmebereitschaft und Konzentrationsfähigkeit. Doch wie kommen Österreichs SchülerInnen tatsächlich zu ihren Bildungseinrichtungen? Zu dieser spannenden Frage hat klimaaktiv mobil /BMLFUW (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft) eine Auswertung bei Herry Consult beauftragen lassen.

Laut dieser Auswertung gelangen über alle Schultypen hinweg weniger als die Hälfte aller SchülerInnen zu Fuß, mit dem Roller oder mit dem Rad zur Schule. Unter den VolksschülerInnen ist der Anteil aktiv mobiler SchülerInnen mit 44% noch am größten, in der Oberstufe mit 9% am geringsten.

Die Verkehrsmittelwahl variiert zwischen den jeweiligen Bildungseinrichtungen stark. Kindergartenkinder werden am häufigsten mit dem Auto gefahren (40% als einziges Kind, 15% gemeinsam mit anderen Kindern), VolksschülerInnen gehen am häufigsten zu Fuß (40%), für SchülerInnen in der Unterstufe ist der Bus (43%) das wichtigste Verkehrsmittel, ebenso für Oberstufen-SchülerInnen (31%), wobei hier auch andere öffentliche Verkehrsmittel an Bedeutung gewinnen (ÖV-Anteil insgesamt bei 66%).

Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die mit dem Rad in österreichische Bildungseinrichtungen fahren ist auffallend niedrig: 4% fahren mit dem Rad in den Kindergarten, 2% in die Volksschule, immerhin 9% in Bildungseinrichtungen der Unterstufe, jedoch nur 2% in Oberstufen-Schulen. Die Auswertung verdeutlicht den Handlungsbedarf im Sinne der Gesundheitsvorsorge. Aktuell sprechen mehrere Projekte und Initiativen der Radkompetenz-Mitglieder diese Thematik an.

Projekt „AktivE Jugend“: Können Smartphones die Jugend bewegen?

Smartphones bei Kindern und Jugendlichen werden eher mit Bewegungsmangel als mit Bewegungsförderung in Verbindung gebracht. Mit dem Projekt „AktivE Jugend“ (Forschungsprogramm Mobilität der Zukunft) hat sich das Forschungsteam, bestehend aus Radkompetenz-Mitglied komobile, dem Institut für Landschaftsentwicklung der boku und dem Institut für Sportwissenschaften der Universität Wien, jedoch zum Ziel gesetzt einen methodischen Werkzeugkasten zu entwickeln, um aktive Mobilität mittels mobiler Technologien zu fördern.

Das Projektteam hat über zwei Jahre hinweg aktive Mobilität von SchülerInnen aus Wien erfasst, Workshops zum Thema digitale Kompetenz abgehalten, Bewegungsspiele auf Smartphones getestet sowie die Ergebnisse mit den Jugendlichen diskutiert. Gamification wurde als didaktisches Mittel in den Bereichen Mobilität, Bewegungspädagogik sowie Medienkompetenz eingesetzt.

Eines der Projektergebnisse ist das nun veröffentlichte „Jugend Aktiv Mobil-Handbuch“ (JAM-Handbuch), welches mittels eines Werkzeugkastens Projekte und Initiativen an Schulen unterstützen will, neue Wege zur Förderung aktiver Mobilität einzuschlagen. Dem Projektteam wurde am 18.9. der Wiener Gesundheitspreis 2017 verliehen. Das JAM-Handbuch kann aber auch in anderen Settings wie z.B. Freizeitpädagogik und Stadtentwicklung bzw. mit anderen Zielgruppen wie Kinder, Erwachsene oder ältere Personen Anwendung finden.

Das JAM-Handbuch steht hier als pdf zum Download bereit.


Land Vorarlberg: Initiative „Selbstständig zur Schule“

Das Land Vorarlberg, Radkompetenz-Fördermitglied, startete die Initiative „Selbständig zur Schule“, um Bewegungsmangel bei Kindern und dem Gefährdungspotenzial durch Elterntaxis entgegenzuwirken. Ein Ideenwettberwerb wurde ausgerufen, in einer Bregenzer Schule wurde eine temporäre autofreie Zone eingerichtet und zur Sensibilisierung für die Thematik „Mit dem Elterntaxi in die Schule“ wurde der kurze Film „Man will ja nur das Beste für sein Kind“ (40sek.) erstellt.

Radmobilität soll Kindern in Vorarlberg zudem durch eine Gesetzesanpassung erleichtert werden, fordert das Vorarlberger Verkehrsressort: Kindern unter zehn Jahren solle zukünftig das Radfahren am Gehsteig in Begleitung einer Person über 16 Jahren ermöglicht werden.

Neuer Leitfaden: Mobilitätsmanagement für Kinder, Eltern und Schulen

Ein neuer Leitfaden mit Aktionsideen und Umsetzungsbeispielen für und von Schulen und Kindergärten wurde soeben von klimaaktiv mobil/BMLFUW herausgegeben. Die Publikation kann hier bestellt oder  hier heruntergeladen werden.

 

 

 

 

Fotos: woombikes; pd-f.de/winora staiger

Veröffentlicht am 4. Oktober 2017