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Radroute durch Naturschutzgebiet: Ein kooperativer Planungsprozess

Wer das Lauteracher Ried kennt, weiß um seine Besonderheiten. Es ist einer der letzten Lebensräume Vorarlbergs, in dem charakteristische bodenbrütende Vogelarten noch vorkommen, wie zum Beispiel der große Brachvogel, der Wachtelkönig oder der Kiebitz. Gleichzeitig ist das Lauteracher Ried eine wichtige Erholungslandschaft und Produktionsfläche für die Landwirtschaft, die unter strengen Naturschutz-Auflagen wirtschaftet.

Die Durchquerung des Rieds mit dem Fahrrad ist im Alltagsradverkehr derzeit nur schwer möglich. Entweder müssen große Umwege in Kauf genommen oder stark befahrene, sehr schmale Landesstraßen, wie die L 41, mitgenutzt werden. Viele Radwege sind nicht staubfrei und deshalb bei Regen und bei Schnee schlecht befahrbar. Die Gemeinden Lauterach, Lustenau, Hard, Höchst, Wolfurt, Fußach, Gaißau, Schwarzach und Dornbirn haben daher vor zwei Jahren eine Petition an das Land Vorarlberg gestellt mit dem Anliegen, für den Alltagsradverkehr attraktive und schnelle Verbindungen durch das Ried zu schaffen.

Die Radkompetenzmitglieder Rosinak & Partner und Planoptimo Büro Dr. Köll sowie Revital Integrative Naturraumplanung arbeiten nunmehr im Auftrag der Marktgemeinde Lauterach unter Förderung des Landes Vorarlberg (ebenso Mitglied der Radkompetenz) an einer umfassenden Variantenuntersuchung mit anschließender Strategischer Umweltprüfung. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass in einem Großteil des zu durchquerenden Gebietes ein Wege-Neubauverbot sowie ein Verschlechterungsverbot des naturräumlichen Erhaltungszustandes des Natura 2000 Gebietes gilt. Auch wenn Radfahren an sich eine umweltfreundliche Fortbewegungsart ist, können negative Wirkungen auf die Natur möglich sein.

Der im Frühjahr 2017 gestartete kooperative Planungsprozess bringt nun ein erstes Zwischenergebnis. In einer mehrstufigen Analyse wurden elf mögliche Routen durch das Ried identifiziert und auf ihre Wirkungen untersucht. Als Ergebnis dieser Analyse konnten sieben Routen ausgeschieden werden, weil sie sowohl mit der sensiblen Natursituation als auch mit den Interessen der Landwirtschaft und anderer Nutzungen nicht vereinbar sind. Die verbleibenden Routen und Routenabschnitte werden in den nächsten Monaten vertieft untersucht: Welche Routen erzeugen den höchsten Nutzen für die Radfahrer? Welche Routen beeinträchtigen die Landwirtschaft am wenigsten? Vor allem aber: Welche Routen sind mit den Interessen des Naturschutzes am ehesten vereinbar?

Eine Radroute durchs Lautracher Ried für AlltagsradlerInnen, also auch ArbeitspendlerInnen, ist ein wesentlicher Lückenschluss im Landesradroutennetz in einer wirtschaftlich stark wachsenden Region mit schon heute hohem Radverkehrsanteil. Der Planungsprozess dauert noch etwa ein halbes Jahr – die Ergebnisse werden für Herbst 2018 erwartet.

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Veröffentlicht am 25. April 2018