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Forschungsprojekt: Migrantinnen erobern das Rad

Das Sondierungsprojekt „Migrantinnen erobern das Rad“ hat unter Mitwirkung des Radkompetenz-Mitglieds Radlobby das Thema Fahrradmobilität von Migrantinnen genauer unter die Lupe genommen. Migrantinnen aus Nicht-EU-Ländern fahren seltener mit dem Fahrrad als ÖsterreicherInnen oder andere EU-BürgerInnen. Warum das so ist, welche Barrieren zum Radfahren es gibt und ob in dieser Zielgruppe überhaupt Interesse am Radfahren besteht, waren Fragestellungen des Forschungsprojektes. Wie die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Migrad“ zeigen, haben rund zwei Drittel der 45 interviewten Migrantinnen aus Nicht-EU-Ländern Radfahren „gar nicht“ oder „nie richtig“ erlernt.

statistik_migrad Unter der Leitung der Soziologin Astrid Segert vom Institut für Höhere Studien (IHS) hat sich mit der Radlobby, der Caritas Wien und dem Gesundheitszentrum „Fem Süd“ ein vielseitiges Projektteam gefunden. Die Analyse von Fokusgruppengesprächen, zahlreichen Interviews und teilnehmender Beobachtung bei den Frauenradkursen machte deutlich, dass Migrantinnen aus Nicht-EU-Ländern öfter mit Barrieren konfrontiert sind, die es ihnen erschweren, Radfahren zu lernen oder als Erwachsene weiter zu betreiben. Dabei sind sozio-ökonomische und kulturelle Faktoren eng verwoben – zum Beispiel wenn sich eine Familie nur ein Rad leisten kann und dieses nur für die männlichen Familienmitglieder vorgesehen ist. Mit dem neuen Lebensumfeld ergeben sich für die Frauen in Bezug auf das Radfahren einerseits neue Chancen, andererseits wirken weiterhin Barrieren innerhalb von Familien und ethnischen Communities.

Zur Förderung des Radfahrens von Migrantinnen aus Drittstaaten sind Radkurse zentral, aber nicht ausreichend. Für nachhaltige Erfolge ist eine mehrstufige Förderung notwendig, die bei den im Projekt Migrad analysierten Chancen und Barrieren ansetzt und sowohl bewusstseinsbildende Maßnahmen als auch die Vermittlung praktischer Radkompetenz beinhaltet. Zudem müsse eine größere Gruppe an Migrantinnen adressiert werden, um statistisch nachweisbare Effekte bei der Radmobilität von Migrantinnen zu erreichen.

Das Projekt wurde von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG gefördert. Alle Details finden Sie im kompletten Forschungsbericht HIER zum download.

Veröffentlicht am 29. Juni 2015