Aktuelles

Evaluation zeigt Radverkehrsfortschritt in Österreich

Radfreundliche Gesetzesänderungen bringen frischen Wind für den Radverkehr: Das hat Radkompetenz-Mitglied FGM (Forschungsgesellschaft Mobilität) mit der brandneuen Evaluation des „Fahrradpakets“ belegt. Die 2013 in einer StVO-Novelle vom Nationalrat beschlossenen Neuerungen für den Radverkehr – Fahrradstraßen, Begegnungszonen und Radwege ohne Benützungspflicht – werden von Österreichs Gemeinden sehr gut angenommen.

Insgesamt wurden in Österreich bisher 138 Maßnahmen aus dem Bereich Begegnungszonen, Fahrradstraßen und Radwege ohne Benützungspflicht umgesetzt. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Radkompetenz-Mitglieds Forschungsgesellschaft Mobilität (FGM), die im Auftrag des Ministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) durchgeführt wurde. (Stand: 31. Juli 2015) Ziel der Studie war es, die Verbreitung der drei innovativen Instrumente zur Förderung des Radverkehrs zu untersuchen.

62 nicht-benützungspflichtige Radwege, 53 Begegnungszonen und 23 Fahrradstraßen wurden dabei eruiert. Spitzenreiter sind die Gemeinden Tulln, Wolfurt und Linz. Sie haben die meisten Umsetzungen durchgeführt. Auch in Wien kamen die neuen Instrumente gleich mehrfach zur Anwendung. Die auf Basis einer Online-Umfrage und ergänzenden Recherchen erstellte Karte, zeigt deren Verbreitung in Österreich. Hier finden Sie die Kurzfassung der Studie: PDF Download
verbreitung_c_fgm
Verbreitung der neuen Instrumente in Österreich. Auszug aus der Broschüre

Unter allen Maßnahmen sind die Begegnungszonen am weitesten verbreitet. Die erfolgreiche Umgestaltung der Mariahilfer Straße in Wien, Österreichs bekanntester Begegnungszone, dürfte dazu beigetragen haben. Begegnungszonen sind eine effektive Maßnahme zur Verkehrsberuhigung und Erhöhung der gegenseitigen Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Durch die Neugestaltung des Straßenraums, die meist mit der Einführung einer Begegnungszone einhergeht, wird auch die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum erhöht. Viele Gemeinden nutzten diesen Vorteil und führten Begegnungszonen in (Alt-)Stadtzentren und Geschäftsstraßen ein.

Einen so hohen Bekanntheitsgrad haben Fahrradstraßen (noch) nicht erreicht. Erst neun Gemeinden machten von dieser neuen Möglichkeit Gebrauch. Ein positives Beispiel stellt die Vorarlberger Gemeinde Wolfurt dar. Im Zuge des „Wolfurter Weges“ (für den die Gemeinde heuer mit dem VCÖ-Mobilitätspreis ausgezeichnet wurde) wurden sieben Fahrradstraßen errichtet. Fahrradstraßen sind eigens für den Radverkehr vorgesehene Straßen, auf denen Autos nur das Zu-, Abfahren und Queren erlaubt ist. RadfahrerInnen dürfen nebeneinander fahren. Gemeinden profitieren von einer schnellen und vor allem sehr kostengünstigen Erweiterung des Radverkehrsnetzes, denn bauliche Maßnahmen sind nicht zwingend erforderlich.

Auch die Benützungspflicht von Radwegen wurde mit der Gesetzesnovelle 2013 gelockert. Mindestens 28 Gemeinden haben diese Neuerung genutzt und nicht-benützungspflichtige Radwege eingeführt. Radwege ohne Benützungspflicht dürfen, müssen aber nicht benützt werden – auch das Fahren auf der Fahrbahn ist also gestattet. Eckige statt runde Schilder weisen VerkehrsteilnehmerInnen auf die Wahlfreiheit hin. Insbesondere entlang von Straßen mit vielen Seitenwechseln (z.B. linksgeführter Zweirichtungsradweg) oder zur Reduzierung von Konflikten zwischen FußgängerInnen und RadfahrerInnen auf Geh- und Radwegen macht diese Maßnahme Sinn.

Zur Nachlese: BMVIT (2015): Neue Wege zur Förderung des Radverkehrs in Gemeinden. Wien.

Veröffentlicht am 30. September 2015