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Studie Arbeitsweg: Wie wirkt Motivation zum Radfahren?

Foto: Peter Provaznik

Eine Vielzahl an Initiativen rund um den Globus versucht Radfahren als Alltagsmobilität zu bewerben. In Österreich fand im Mai des letzten Jahres zum fünften Mal die Aktion Radelt zur Arbeit statt. Eine im Zuge dessen durchgeführte Studie evaluiert die Wirkung der Kampagne und gibt Hinweise, wie die Schaffung eines motivierenden Umfelds Mobilitätsgewohnheiten durchbrechen kann. Wir haben diese Studie HIER ZUM DOWNLOAD.

Österreich radelt zur Arbeit“ ist eine seit 2011 stattfindende österreichweite Kampagne, welche von Radkompetenz-Mitglied Radlobby Österreich in Kooperation mit Bund und Ländern durchgeführt wird. MitarbeiterInnen von Unternehmen bilden dabei Teams, welche aus aus zwei bis vier Personen bestehen. Gemeinsam wird das Ziel verfolgt, im Mai mindestens die Hälfte der Arbeitstage in die Arbeit zu radeln. Wird dieses Ziel von allen KollegInnen im Team erreicht, nimmt das Team an Teampreisverlosungen teil. Außerdem werden unter allen Teilnehmenden an jedem Arbeitstag im Mai Radellotto-Preise verlost. Die Preise reichen dabei von Fahrradzubehör wie Fahrradschlösser, Trinkflaschen oder Radhelmen bis zu Reise- und Erlebnisgutscheinen. Die Kampagne startet übrigens soeben ihren Radel-Lotto-Monat: INFO

Knapp 15.000 Teilnehmende zählte Radelt zur Arbeit im Jahr 2015. Für die vorliegende Evaluierung wurden 498 davon in einem Onlinefragebogen befragt. Zusätzlich wurden mit neun Personen weiterreichende telefonische Interviews durchgeführt.

Positive Studienergebnisse: Neue RadlerInnen

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Es zeigte sich, dass 21% der Teilnehmenden ihren Arbeitsweg üblicherweise nie bis höchstens einmal wöchentlich per Fahrrad zurücklegen. Drei von Vier in dieser Gruppe der gelegentlichen Radfahrer gab an, während „Radelt zur Arbeit“ mehr als sonst mit dem Rad zu fahren. Hierbei wurden vor allem zwei Muster deutlich: Erstens wurde die Fahrradfahrt in die Arbeit als Möglichkeit betrachtet, sportliche Aktivitäten in den Alltag zu integrieren. Dies war besonders bei Teilnehmenden in ländlicheren Regionen mit weiten Arbeitswegen zu erkennen. Im Lichte dessen überrascht es auch nicht, dass gesundheitliche Vorteile von den gelegentlichen Radfahrerinnen und Radfahrern besonders häufig als Motivation genannt wurden. Das zweite sich abzeichnende Muster lag darin, dass die Teilnahme an Radelt zur Arbeit ein Auslöser war, das Fahrradfahren für Alltagswege zu entdecken. Teilnehmende berichten diesbezüglich oftmals begeistert von den Vorteilen des Radfahrens in die Arbeit und dass sie dies auch nach dem Ende der Aktion fortsetzen wollen.

Weitere 24% der TeilnehmerInnen fahren mehrfach pro Woche per Rad zur Arbeit, 55% legen auch ohne  „Radelt zur Arbeit“ täglich ihren Arbeitsweg am Fahrrad zurück. Für diese beiden letzten Gruppen änderte die Teilnahme vor allem Mobilitätsentscheidungen bei schlechtem oder unvorhersehbaren Wetter. So gaben jene RadfahrerInnen, welche während des Aktionsmonats Mai öfter Rad gefahren sind an, dies vor allem an regnerischen Tagen getan zu haben, an denen sie normalerweise andere Transportmittel gewählt hätten. „Das bestätigt für uns zwei Kernfunktionsweisen der Kampagne: einserseits haben wir gesamt 45% an TeilnehmerInnen, deren Radfahrverhalten wir durch die Kampagne positiv beeinflussen. Und andererseits braucht es die andere Hälfte der Dauerradler, die als Vorbild und MotivatorInnen ihre KollegInnen mitziehen“, so Kampagnenleiter Alec Hager (Radlobby).

Teamgeist, Umwelt und Gesundheit als Motivation

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Viele der teilnehmenden Teams setzten sich auch regelmäßig und gelegentlich Radfahrenden zusammen. Dies wurde insbesondere von letzter Gruppe als motivierend empfunden, da einem bewusst gemacht wurde wie Alltagsmobilität von KollegInnen täglich per Fahrrad erledigt wird. Dies spiegelt sich auch in den Umfragedaten wieder. So war Teamgeist als Motivation für mehr gelegentliche RadfahrerInnen (58%) als für regelmäßige RadfahrerInnen (42%) von Bedeutung, während letztere umgekehrt durch die Möglichkeit angespornt wurden ihre Kolleginnen und Kollegen fürs Radfahren zu begeistern (relevant für 43% der regelmäßigen im Vergleich zu 15% bei den gelegentlichen RadfahrerInnen).

Unter alle Teilnehmenden wurde Umweltschutz von 55% als Motivation gesehen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Bewerbung der Kampagne stark auf den verlosten Preisen beruht überrascht es dann schon fast, dass diese nur von 36% als Motivation während der Teilnahme gesehen werden. Dies ist vergleichbar mit der Motivation durch die Informationen zur geradelten Distanz (36%) und anderen individuellen Statistiken (33%).

Von allen Befragten hatten 381 bereits in Vorjahren an Radelt zur Arbeit teilgenommen. Basierend auf deren Angaben kann geschätzt werden, dass über alle Teilnehmenden hinweg – also auch jene die bereits sehr regelmäßig mit dem Rad fahren – 26% auf Grund von Radelt zur Arbeit auch langfristig häufiger mit dem Fahrrad ihren Arbeitsweg zurücklegen. Dieser Wert ist vergleichbar zu den Erkenntnissen aus vergleichbaren Evaluationsstudien, dennoch werden zukünftige Forschungsarbeiten solche langfristigen Effekte noch näher betrachten müssen.

Insgesamt ergibt sich ein Bild, dass die Wirksamkeit von Initiativen zur Fahrradförderung zeigt. Besonders förderlich scheint dabei die Gestaltung der Kampagne in einer Form zu sein, die das Thema Alltagsradfahren an den Arbeitsplatz als bestehendes soziales Gefüge integriert. Somit können letztlich die selbstgesteckten Ziele der Initiative, nämlich langfristig den Anteil der Radfahrenden Bevölkerung zu heben, effektiv erreicht werden.

Die Studie finden Sie  HIER ZUM DOWNLOAD (englisch)

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Text: Matthias Wunsch, AIT. Diese Studie wurde vom Radkompetenz-Mitglied AIT Austrian Institute of Technology durchgeführt. Sie ist Teil der internationalen Forschungsprojekts Persuasive Urban Mobility. Detailfragen bitte an: matthias.wunsch.fl@ait.ac.at

Veröffentlicht am 28. April 2016