Transformation mit Radkompetenz: Pilotprojekt Deutschkreutz rund um Bahnhof

Deutschkreuz

Das große Forschungsprojekt „Trans|formator:in“ will mittels sieben Pilotprojekten in ganz Österreich die Umgestaltung von Straßen und Plätzen hin zu mehr Platz für Fuß- und Radverkehr, Begrünung und Aufenthaltsqualität beschleunigen. Dadurch sollen auch weitere Kommunen in ganz Österreich motiviert und ermutigt werden, die notwendigen Schritte hin zur Mobilitätswende im eigenen Umfeld anzugehen. Das Pilotprojekt in der burgenländischen Gemeinde Deutschkreutz wird vom neuen Radkompetenz-Mitglied Mobilitätszentrale Burgenland sowie dem Verkehrsverbund Ostregion VOR begleitet. Zudem bringen die Radkompetenz-Mitglieder Verracon aus Wien und Verkehrsingenieure Besch und Partner aus Vorarlberg ihre Expertise ein. Das umfassendes Mobilitätskonzept wird partizipativ vor Ort erarbeitet.

Entwicklung vom Bahnhof zur modernen Mobilitätsstation

Die Gemeinde Deutschkreutz an der ungarischen Grenze ist eine klassische mittelburgenländische Pendlergemeinde, die eine wichtige Knotenfunktion für die gesamte Region aufweist. Die direkte Bahnanbindung nach Wien und das neu ausgebaute Busnetz  der Verkehrsbetriebe Burgenland stellen eine große Chance verbesserter Mobilität dar. Die direkte Lage des Bahnhofs im Siedlungsgebiet der Gemeinde bedeutet zudem ein hohes Potential für Fuß- und Radverkehr. Der Bahnhof sowie das direkte Umfeld sind derzeit jedoch wenig attraktiv, die Querung über die Landesstraße ist insbesondere für Kinder und ältere Personen unsicher und unkomfortabel.

Radparken

Der große Park-Ride-Parkplatz direkt vor dem Bahnhofseingang stellt ein Labyrinth für Zufußgehende und Radfahrende dar. Auch die Gebäude, Bahnsteige und Serviceeinrichtungen sind in die Jahre gekommen. Daher planen die ÖBB einen Umbau des Bahnhofes. Für die Gemeinde ergibt sich dadurch ein einmaliges Zeitfenster, welches im Projekt Trans|formator:in bestmöglichst genutzt werden soll.

Zitat

Am Beispiel Deutschkreutz geht das Trans|formator:in -Projekt der Frage nach, wie aktive Mobilität und Ortskernbelebung im Rahmen eines integrativen Planungsansatzes gefördert werden kann. Ausgehend von der Neugestaltung des Bahnhofsvorfeldes sollen die Themen Fuß- und Radverkehr, öffentlicher Verkehr und Aufenthaltsqualität im Hinblick auf das gesamte Ortsgebiet bearbeitet werden. Dies geschieht im Rahmen eines partizipativen Prozesses, der alle relevanten Akteursgruppen inklusive der Bewohner:innen einbindet.

Karte

Der Kartenausschnitt zeigt die stark frequentierte Straße, die den Bahnhof vom Ortszentrum trennt.

Dazu wird ein umfassendes Mobilitätskonzept für die gesamte Gemeinde erstellt, in welchem die Leitlinien für die zukünftige Entwicklung der Gemeinde hinsichtlich Mobilität, Aufenthaltsqualität, Freiräume und Verkehr entwickelt werden. Für den Bahnhof, das direkte angrenzende Umfeld sowie die anschließende Landesstraße wird in einem Detailkonzept ein Planentwurf erarbeitet, der den Fuß- und Radverkehr sowie Bus und Bahn in den Vordergrund stellt. Ein moderner Bahnhof, der als multimodale Mobilitätsstation eine funktionierende und hochwertige Verknüpfung aller Angebote darstellt, hinsichtlich Qualitäten und Vorgaben dem aktuellen Stand der Technik entspricht und den Nutzer:innen den „roten Teppich“ ausrollt, stellt die Zielsetzungen der Planungen dar und soll zum Umsteigen vom KFZ-Verkehr motivieren.

Intensivtage vor Ort: Die Mobilitätswende gemeinsam gestalten

Das Einbeziehen aller beteiligten Stakeholder und Nutzer:innen ist dabei essentiell – so kann die Akzeptanz für die Mobilitätswende in der Gemeinde gewährleistet werden. Ein breit angelegter Beteiligungsprozess, in welchem mit verschiedenen Methoden und Partizipationsformaten gearbeitet wird, stellt die Grundlage für die fachplanerische Bearbeitung dar.

Im Vorfeld wurde im Frühjahr 2024 eine Mobilitätserhebung in der Gemeinde durchgeführt. Sie richtete sich an Bewohner:innen und Bahnhofsnutzer:innen gleichermaßen. Damit konnte ein Eindruck vom Mobilitätsverhalten in der Gemeinde gewonnen sowie Einstellungen und Wünsche erhoben werden.

BuergerInnenverstaltung-

Im Anschluss fanden Anfang Mai die ersten Intensivtage des Projektes in Deutschkreutz statt. Während der drei Tage wurde mit Verantwortungsträger:innen, Bevölkerung und Fachexpert:innen über die Neugestaltung des Bahnhofsvorfeldes sowie Mobilität in der Gemeinde diskutiert. Dabei kamen Beteiligungsformate wie Fachworkshops, eine Bürger:innenveranstaltung sowie Wahrnehmungsspaziergänge zum Einsatz.

Spaziergang

In letzteren wurde mit Gemeindevertreter:innen, interessierten Bürger:innen und Schüler:innen der Mittelschule die Mobilitätssituation im Ort bewusst erlebt und Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert. Das Mobilitätsverhalten und die Wünsche von Schüler:innen und Lehrer:innen wurde zusätzlich auch mittels Umfragen in der Schule erhoben.

Die Workshops mit Stakeholder:innen zum Mobilitätskonzept und zum Bahnhofsvorplatz beschäftigten sich mit Fragen zu Zielsetzungen, Anforderungen oder auch gewünschten Qualitäten von Mobilität in Deutschkreutz. Die intensiven Diskussionen zu Fragen wie Geschwindigkeitsregime im Ort oder Aufenthaltsqualitäten im Zentrum zeigen das hohe Interesse aber auch die Komplexität der Themen für die Gemeindeentwicklung. Über den Sommer werden die Ergebnisse der Intensivtage durch die Verkehrsplaner:innen in Richtung Maßnahmenvorschläge weiterentwickelt. Diese werden im Herbst in der Gemeinde vorgestellt und gemeinsam mit allen Interessierten weiter ausgearbeitet.

Die Toolbox der Trans|formator:in steht allen Gemeinden offen

Das Projektteam hat zahlreiche Beispiele aus Österreich und Europa gesammelt und fachlich aufbereitet, aus denen Gemeinden viel für ihre eigenen Transormationsprojekte lernen können. Zehn Kategorien von Finanzierung und Recht über Beteiligungsformate und Raumanalysen bis zu digitalen Tools strukturieren die Fülle der Informationen. Hier können Sie sich einlesen!

Toolbox

Im Projektkonsortium sind auch die Radkompetenz-Mitglieder con.sens mobilitätsdesign und PRISMA solutions vertreten. Praktische Tipps können Sie in der Toolbox aus Videos von Expert:innen erfahren, den Stimmen der Transformation:

Stimmen

Weiterführende Links:

Fotos: Johannes Kellner, katapult

Veröffentlicht am: 27. Juni 2024Kategorien: Planung & ConsultingSchlagwörter: ,

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Das große Forschungsprojekt „Trans|formator:in“ will mittels sieben Pilotprojekten in ganz Österreich die Umgestaltung von Straßen und Plätzen hin zu mehr Platz für Fuß- und Radverkehr, Begrünung und Aufenthaltsqualität beschleunigen. Dadurch sollen auch weitere Kommunen in ganz Österreich motiviert und ermutigt werden, die notwendigen Schritte hin zur Mobilitätswende im eigenen Umfeld anzugehen. Das Pilotprojekt in der burgenländischen Gemeinde Deutschkreutz wird vom neuen Radkompetenz-Mitglied Mobilitätszentrale Burgenland sowie dem Verkehrsverbund Ostregion VOR begleitet. Zudem bringen die Radkompetenz-Mitglieder Verracon aus Wien und Verkehrsingenieure Besch und Partner aus Vorarlberg ihre Expertise ein. Das umfassendes Mobilitätskonzept wird partizipativ vor Ort erarbeitet.

Entwicklung vom Bahnhof zur modernen Mobilitätsstation

Die Gemeinde Deutschkreutz an der ungarischen Grenze ist eine klassische mittelburgenländische Pendlergemeinde, die eine wichtige Knotenfunktion für die gesamte Region aufweist. Die direkte Bahnanbindung nach Wien und das neu ausgebaute Busnetz  der Verkehrsbetriebe Burgenland stellen eine große Chance verbesserter Mobilität dar. Die direkte Lage des Bahnhofs im Siedlungsgebiet der Gemeinde bedeutet zudem ein hohes Potential für Fuß- und Radverkehr. Der Bahnhof sowie das direkte Umfeld sind derzeit jedoch wenig attraktiv, die Querung über die Landesstraße ist insbesondere für Kinder und ältere Personen unsicher und unkomfortabel.

Radparken

Der große Park-Ride-Parkplatz direkt vor dem Bahnhofseingang stellt ein Labyrinth für Zufußgehende und Radfahrende dar. Auch die Gebäude, Bahnsteige und Serviceeinrichtungen sind in die Jahre gekommen. Daher planen die ÖBB einen Umbau des Bahnhofes. Für die Gemeinde ergibt sich dadurch ein einmaliges Zeitfenster, welches im Projekt Trans|formator:in bestmöglichst genutzt werden soll.

Zitat

Am Beispiel Deutschkreutz geht das Trans|formator:in -Projekt der Frage nach, wie aktive Mobilität und Ortskernbelebung im Rahmen eines integrativen Planungsansatzes gefördert werden kann. Ausgehend von der Neugestaltung des Bahnhofsvorfeldes sollen die Themen Fuß- und Radverkehr, öffentlicher Verkehr und Aufenthaltsqualität im Hinblick auf das gesamte Ortsgebiet bearbeitet werden. Dies geschieht im Rahmen eines partizipativen Prozesses, der alle relevanten Akteursgruppen inklusive der Bewohner:innen einbindet.

Karte

Der Kartenausschnitt zeigt die stark frequentierte Straße, die den Bahnhof vom Ortszentrum trennt.

Dazu wird ein umfassendes Mobilitätskonzept für die gesamte Gemeinde erstellt, in welchem die Leitlinien für die zukünftige Entwicklung der Gemeinde hinsichtlich Mobilität, Aufenthaltsqualität, Freiräume und Verkehr entwickelt werden. Für den Bahnhof, das direkte angrenzende Umfeld sowie die anschließende Landesstraße wird in einem Detailkonzept ein Planentwurf erarbeitet, der den Fuß- und Radverkehr sowie Bus und Bahn in den Vordergrund stellt. Ein moderner Bahnhof, der als multimodale Mobilitätsstation eine funktionierende und hochwertige Verknüpfung aller Angebote darstellt, hinsichtlich Qualitäten und Vorgaben dem aktuellen Stand der Technik entspricht und den Nutzer:innen den „roten Teppich“ ausrollt, stellt die Zielsetzungen der Planungen dar und soll zum Umsteigen vom KFZ-Verkehr motivieren.

Intensivtage vor Ort: Die Mobilitätswende gemeinsam gestalten

Das Einbeziehen aller beteiligten Stakeholder und Nutzer:innen ist dabei essentiell – so kann die Akzeptanz für die Mobilitätswende in der Gemeinde gewährleistet werden. Ein breit angelegter Beteiligungsprozess, in welchem mit verschiedenen Methoden und Partizipationsformaten gearbeitet wird, stellt die Grundlage für die fachplanerische Bearbeitung dar.

Im Vorfeld wurde im Frühjahr 2024 eine Mobilitätserhebung in der Gemeinde durchgeführt. Sie richtete sich an Bewohner:innen und Bahnhofsnutzer:innen gleichermaßen. Damit konnte ein Eindruck vom Mobilitätsverhalten in der Gemeinde gewonnen sowie Einstellungen und Wünsche erhoben werden.

BuergerInnenverstaltung-

Im Anschluss fanden Anfang Mai die ersten Intensivtage des Projektes in Deutschkreutz statt. Während der drei Tage wurde mit Verantwortungsträger:innen, Bevölkerung und Fachexpert:innen über die Neugestaltung des Bahnhofsvorfeldes sowie Mobilität in der Gemeinde diskutiert. Dabei kamen Beteiligungsformate wie Fachworkshops, eine Bürger:innenveranstaltung sowie Wahrnehmungsspaziergänge zum Einsatz.

Spaziergang

In letzteren wurde mit Gemeindevertreter:innen, interessierten Bürger:innen und Schüler:innen der Mittelschule die Mobilitätssituation im Ort bewusst erlebt und Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert. Das Mobilitätsverhalten und die Wünsche von Schüler:innen und Lehrer:innen wurde zusätzlich auch mittels Umfragen in der Schule erhoben.

Die Workshops mit Stakeholder:innen zum Mobilitätskonzept und zum Bahnhofsvorplatz beschäftigten sich mit Fragen zu Zielsetzungen, Anforderungen oder auch gewünschten Qualitäten von Mobilität in Deutschkreutz. Die intensiven Diskussionen zu Fragen wie Geschwindigkeitsregime im Ort oder Aufenthaltsqualitäten im Zentrum zeigen das hohe Interesse aber auch die Komplexität der Themen für die Gemeindeentwicklung. Über den Sommer werden die Ergebnisse der Intensivtage durch die Verkehrsplaner:innen in Richtung Maßnahmenvorschläge weiterentwickelt. Diese werden im Herbst in der Gemeinde vorgestellt und gemeinsam mit allen Interessierten weiter ausgearbeitet.

Die Toolbox der Trans|formator:in steht allen Gemeinden offen

Das Projektteam hat zahlreiche Beispiele aus Österreich und Europa gesammelt und fachlich aufbereitet, aus denen Gemeinden viel für ihre eigenen Transormationsprojekte lernen können. Zehn Kategorien von Finanzierung und Recht über Beteiligungsformate und Raumanalysen bis zu digitalen Tools strukturieren die Fülle der Informationen. Hier können Sie sich einlesen!

Toolbox

Im Projektkonsortium sind auch die Radkompetenz-Mitglieder con.sens mobilitätsdesign und PRISMA solutions vertreten. Praktische Tipps können Sie in der Toolbox aus Videos von Expert:innen erfahren, den Stimmen der Transformation:

Stimmen

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Fotos: Johannes Kellner, katapult

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