Aktuelles

Kamingespräch: Radtourismus in Österreich quo vadis?

Tourismus als Wirtschaftsfaktor soll in Österreich weiter ausgebaut werden, dabei darf auch das Fahrrad als eines der wichtigsten Urlaubssportgeräte nicht fehlen. Das hat das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) nun im so genannten „Plan T – Masterplan für Tourismus“ festgehalten. Darin werden 800.000 Euro zusätzlich für “Digitalisierung und Rad-Kampagne” budgetiert. Diese genannte Rad-Kampagne der Österreich-Werbung startete im März gemeinsam mit den Landestourismusverbänden unter dem Titel „Radland Österreich“. Das lange geplante Radkompetenz-Kamingespräch 2019 zum Thema „Radtourismus: Quo vadis?“ widmete sich Ende März passend zu dieser Kommunikations-Offensive den Hintergründen und Perspektiven zeitgemäßer Rad-Urlaubserlebnisse.

Der Plan T des BMNT

Im „Plan T“ wird erstmals auch Nachhaltigkeit als Grundprinzip für den Tourismus in Österreich verankert. „Es geht nicht in erster Linie um Tourismusdestinationen, die die Ansprüche unserer Gäste erfüllen, sondern um qualitätsvolle Lebensräume, in denen sich Gäste und Bevölkerung gleichermaßen wohlfühlen – sei es in der Stadt oder am Land“, hält die für Umweltschutz und Tourismus zuständige Bundesministerin Elisabeth Köstinger (BMNT) fest.

Die Kampagne „Radland Österreich“ solle als „Prototyp für kommende Kooperationsprojekte“ dienen, so das Ministerium, und in weiteren Stakeholder-Treffen über die nächsten Monate diskutiert werden. Die Kampagne ist auf eine dreijährige Laufzeit angelegt und fokussiert im ersten Jahr auf Mountainbike und „Genussrad“. Eine besondere Rolle nehmen dabei Pedelecs und E-MTBs ein. Diese gehören bereits zur Standardausstattung moderner Hotelerie, die ihre Fuhrparks durch Anbieter wie Radkompetenz-Mitglied Kaloveo mit den neuesten Radmodellen auf aktuellem Stand halten. Auf dem Mountainbike-Kongress 2018 wurde die Vision von 20 Prozent Marktanteil für den Sektor (E-)Mountainbike am österreichischen Sommertourismus angepeilt, das Salzburger Land hat bereits einen Marktanteil von zehn Prozent am Mountainbike Tourismus erreicht und einzelne Regionen wie Saalbach-Hinterglemm liegen bereits darüber.

Radtourismus als Wirtschaftsfaktor

Insgesamt werden durch den Radverkehr in Österreich Wertschöpfungseffekte in der Höhe von 882,5 Mio. Euro erwirtschaftet, errechnete die Kurzstudie „Wirtschaftsfaktor Radfahren“ des BMNT bereits vor einem Jahrzehnt. Er schaffte damit 18.328 Arbeitsplätze in Vollzeit-Äquivalenten. Den größten Anteil daran nahm der Radtourismus mit 317 Mio. Euro bzw. ca. 53 Prozent der gesamten direkten Wertschöpfung ein. Österreich befindet sich laut Radreiseanalyse Deutschland 2016 zum Beispiel auf Platz zwei der Lieblingsdestinationen deutscher RadurlauberInnen:

Radurlaube und Radausflüge sind schon seit vielen Jahren stark nachgefragt, ihre Bedeutung steigt immer weiter, sowohl im Zusammenhang mit einer sanft-mobilen Tourismusstrategie als auch mit dem Fokus auf ganzjährig verfügbare Erlebnissportart. Im klassischen Radreise-Bereich bietet Österreich als Aushängeschilder den europäischen Vorreiter Donauradweg und zwei Fünf-Sterne-Radwege laut ADFC-Klassifizierung. Der 228 Kilometer lange Kärntner Drauradweg und der Neusiedler See, der in Österreichs einziger ADFC-RadReiseRegion mit 40 Radwegen auf über 1.000 Kilometern liegt. Radkompetenz-Mitglied Verracon koordiniert ein internationales Netzwerk von Destinationen entlang der Donau, das sich dem Thema der nachhaltigen Mobilität verschrieben hat. Im Rahmen des Projekts Transdanube Pearls wurden u.a. Leitfäden für die Themen Fahrrad und öffentlicher Verkehr sowie Fahrradverleihsysteme erstellt.

Das gesamte Angebot an Radrouten in Österreich umfasst laut BMNT rund 14.000 Kilometer, darunter vier EuroVelo Routen durch Österreich, deren Koordination bei Radkompetenz-Mitglied Radlobby Österreich liegt.

Kamingespräch: Quo vadis Radtourismus?

Integrierte Radtourismus-Lösungen mit zeitgemäßen Service-Anbietern, Transportunternehmen und Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie hochwertigen Informationsangeboten bilden die Basis für die Zufriedenheit anspruchsvoller UrlauberInnen in ihrer Diversität. Um das Potential im Radtourismus zukünftig besser ausschöpfen zu können, wurde 2018 vom BMNT  eine Studie zur Systemlandschaft des touristischen Radverleihs in Österreich in Auftrag gegeben. In dieser von Radkompetenz-Mitglied Austrian Institute of Technology AIT gemeinsam mit der MODUL University Vienna durchgeführten Studie wurden als wichtigste Erfolgsfaktoren für den touristischen Radverleih die persönliche Betreuung vor Ort, die hohe Ausstattungsqualität, die flexible Anpassung an individuelle Bedürfnisse sowie eine attraktive Fahrradinfrastruktur und ausgeschilderte Radrouten identifiziert.

Der Zukunft des Themas Radtourismus widmet sich das „Radkompetenz-Kamingespräch 2019“ am 27. März in Wien, bei dem nach einer Key Note von Patrick Kofler, Geschäftsführer der Agentur Helios in Bozen zu „Neue Möglichkeiten für Radtourismus in den Alpen“ Tourismus-Sektionschefin Mag. Ulrike Rauch-Keschmann (BMNT) zu „Radtourismus in Österreich“ sprechen wird und Teresa Karan, Österreich Werbung, die neue Kampagne „Radland Österreich“ vorstellt. Günther Steininger hätte zum Thema „Radtouren in Österreich – eine Runde Glücksgefühle“ den Blick der touristischen Praxis eingebracht, war aber leider verhindert. Auf der Basis der vielfältigen Inputs entwickelte sich unter Moderation von Bundesradkoordinator Martin Eder (BMNT) ein spannendes Hintergrundgespräch im Kreis der geladenen Radkompetenz-Mitglieder und externer Fachleute wie Hari Maier vom Mountainbike-Kongress.

Radland Österreich: Die Kampagne

2019 startet die Österreich Werbung gemeinsam mit sieben Landestourismus-Organisationen die mehrjährig angelegte Kampagne zum Thema Rad. Der Slogan lautet „You like it Bike it“, das Ziel: Österreich als Radurlaubsland noch bekannter zu machen. Die neue Höchstmarke von 150 Millionen Nächtigungen im Kalenderjahr 2018 unterstreicht die Bedeutung des Tourismus in Österreich, das mit Bergen, Seen und guter Luft punktet: Was die Gäste am Urlaubsland Österreich besonders schätzen, hat die ÖW im Rahmen der Gästebefragung T-MONA aktuell erhoben. Die fünf meistgenannten Entscheidungsgründe für einen Sommerurlaub in Österreich waren demnach: die Berge, Landschaft, das Angebot an Wanderwegen, Seen und Flüssen sowie die gute Luft.

Das gemeinsame Marketing mit einem Budgetvolumen von 2 Millionen Euro für 2019 ist die bislang größte Themenkooperation zwischen Bundesländern und Österreich Werbung (ÖW). „Zusammenarbeit wird im Tourismus angesichts steigender internationaler Konkurrenz immer mehr zum Erfolgsfaktor. Gerade für ein vergleichsweise kleines Land wie Österreich, in dem der Tourismus sehr kleinteilig organisiert ist. Indem wir unsere Kräfte bündeln, können wir Österreich international nachhaltig und effizient als attraktive Raddestination positionieren“, so ÖW-Geschäftsführerin Petra Stolba.

Die Top 3 ausländischen Herkunftsmärkte für Radurlaub in Österreich sind Deutschland, Niederlande und Tschechien. Auf diese drei Märkte fokussiert demnach 2019 auch die Radkampagne, unterschiedlich je nach Vorlieben. Tschechische Gäste sind laut ÖW abenteueraffin, suchen ein aktives Urlaubserlebnis und ein spielerisches Austesten der eigenen Potenziale. Mountainbike ist daher maßgeschneidert für diesen Herkunftsmarkt. Niederländer reisen gerne im weiteren Familienverband. Ihnen ist das Eintauchen in die lokale Kultur wichtig. Sie suchen im Österreich-Urlaub Entspannung und gemeinsame Zeit mit der Familie. Deshalb fokussiert die Radkampagne in den Niederlanden auf das Thema „Genussrad“ – zum Beispiel entspanntes Radeln entlang der Donau mit kulinarischen Zwischenstopps. In Deutschland, Österreichs wichtigstem Herkunftsmarkt, werden beide Kampagnenthemen beworben.

Ausgespielt wird die Rad-Kampagne überwiegend digital. „Über digitale Kanäle erreichen wir die Zielgruppe am effizientesten und vermeiden Streuverluste“, so Stolba. Die Kampagne stößt allerdings auch auf Kritik aus den Reihen der heimischen Mountainbiker, die sich wiederum hauptsächlich digital via Facebook äußert. Zuvorderst steht die Mountainbike-Initiative Upmove, die sich auch hier im Artikel des Standard für eine Freigabe von Wegen für RadlerInnen einsetzt. „Diese Kampagne zeigt einmal mehr, wie weit weg vom Thema die Verantwortlichen hier sind“, beklagt Andreas Pfaffenbichler, einer der Sprecher von Upmove. Vor allem eine generelle Freigabe der Forstwege für RadfahrerInnen steht auf den Forderunglisten vieler Organsiationen, wie den Naturfreunden, der Radlobby Österreich, des Österreichische Alpenvereins, des Österreichische Radsportverbands und des ASKÖ. Denn auf zu vielen attraktiven Wegen heißt es auch für RadfahrerInnen:  Forststraße, Einfahrt verboten

Die VertreterInnen der Tourismuswirtschaft zeichnen hingegen ein rosigeres Bild: „Radurlaub in Österreich ist besonders attraktiv. Und umgekehrt gilt auch: Radurlauber sind für Österreich besonders attraktiv“, so WKÖ-Tourismus-Spartenobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher. Dass Aktivurlaub boomt, merke man verstärkt auch auf betrieblicher Ebene: „Unsere Gäste suchen zunehmend Bewegung – Radfahren bietet hier eine optimale Kombination aus körperlicher Betätigung und mobilem Sightseeing und liegt bereits auf Platz 3 der beliebtesten sportlichen Aktivitäten unserer Sommer-Urlauber, nach Wandern und Schwimmen.“

 

Veröffentlicht am 26. März 2019