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Priorität für Fahrradstraßen in Hall und Lauterach

Die Regionen Hall in Tirol und Lauterach in Vorarlberg zeigen mit Radkompetenz-Unterstützung das Potential, das Alltagsradfahren als Mittel zur Verkehrsreduktion für den ländlichen Raum bietet: Fahrradstrassen, Radverkehrsnetze und Lückenschlüsse werden in regionalen Gesamtkonzepten priorisiert. Aus diesem Anlass lädt in Berlin ein Parlamentarischer Abend zum Themenabend „Radfahren im ländlichen Raum“ ein.

Im Rahmen der Fahrradakademie des Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), gefördert vom deutschen Bundesministerium für Verkehr  (BMVI) und inhaltlich unterstützt von der Radkompetenz Österreich, werden am 4. Juni 2019, 18:30 bis 20:15 Uhr, Strategien für aktive Mobilität im Alltag mit Vorträgen der Radkompetenz-Mitglieder Andrea Weninger, (Rosinak & Partner), Robert Thaler (BMNT) und Vorarlbergs Landesrat Johannes Rauch in der Österreichischen Botschaft in Berlin diskutiert.

Um bundesweit den Anteil des Radverkehrs im Modal Split zu erhöhen, reicht es laut Einladung der Difu nicht aus, „lediglich den städtischen Verkehr im Blick zu haben. Auch auf dem Lande besitzt das Fahrrad Potentiale zur Verkehrsverlagerung, die bisher bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind. Dazu bedarf es einer ganzheitlichen Radverkehrsstrategie mit Maßnahmenpaketen in den unterschiedlichsten Bereichen, wie anhand österreichischer Praxisbeispiele und paneuropäischer Initiativen verdeutlicht wird.“

Gemeinsam Radverkehr in Hall stärken

Seit Jänner 2018 arbeiten in Tirol die Radkompetenz-Mitglieder Planoptimo und Rosinak & Partner zusammen mit Vertretern von sechs Gemeinden des Planungsverbands Hall und Umgebung an einem gemeinsamen Radwegnetz durch die Region Hall. Nun liegt das Ergebnis vor. Die „Attraktivierung des Radverkehrs“ wird als eine der Stellschrauben zur Einschränkung der „massiven Verkehrsbelastung“ in der Region gesehen. Derzeit werden nur 9% der täglichen Wege im Planungsgebiet per Rad zurückgelegt. Zum Vergleich: Im nur 10 km entfernten Innsbruck liegt der Anteil bei 22%.

Herzstück des neuen Netzwerks ist der „Radhighway PV16“ nach Innsbruck vom Milser Ortszentrum ausgehend über Hall, Absam, Thaur und Rum. Zur Umsetzung sollen einige Lückenschlüsse im bestehenden Radwegenetz erfolgen. Auf Wunsch der beteiligten Gemeinden sollen dabei Wohnviertel, Schulen Gewerbegebiete und Sportplätze in die Routenplanung mit einbezogen werden.

Neben dem Highway wird es noch eine weitere West-Ost-Strecke geben, die weiter nördlich als „Dörferroute“ geplant ist. Sie soll als „Freizeitradroute“ Absam und Gnadenwald verbinden. Das Ziel ist es, das Hauptnetz binnen fünf Jahren aufzubauen. Zügiger sollen fünf Pilotprojekte umgesetzt werden, die die Planungsbüros mit den Gemeinden fest gelegt haben. Darunter ist eine verkehrsberuhigte Radverbindung von Thaur zum Haller Schwimmbad. In Hall selbst soll es einen Geh- und Radweg geben, der eine Verbindung zum Inntalradweg darstellt. Dieser wiederum soll auf der nördlichen Innseite weitergeführt werden. Laut Helmut Köll von Planoptimo, ist das nämlich die „schönere“ Flussseite. In Hall selbst wird es eine Fahrradstraße geben (Kaiser-Max-Straße, Rudolfstraße, Samerweg).

Gemeinsam suchen BürgerInnen, Verwaltung und PlanerInnen nach der besten Lösung für den Radverkehr in Hall und Umgebung.

Die größte Herausforderung liegt laut Köll in Thaur. Dort sei noch zu hoffen, dass die Gemeinde im Zuge des Grundzusammenlegungsprozesses eine Lösung findet, damit der Radhighway Richtung Innsbruck vervollständigt werden kann“ , sagte der Raumplaner gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“. Absam, Hall und Mils haben laut dem Blatt „den Grundsatzbeschluss für das Radkonzept schon getroffen. In Thaur, Rum und Gnadenwald fehlt dieser noch. Das Land Tirol gewährt Gemeinden Förderungen für überregionale Radwege.

Lauterach: sichere Nord-Süd-Verbindung

Das Stichwort „Lückenschluss“ spielt auch in den neuen Plänen für Lauterach im Bezirk Bregenz eine wichtige Rolle. Hier sind, laut einer Lokalausgabe der Vorarlberger Nachrichten, über die letzten Jahren – „immer wieder mit kostpieligen Initiativen“ – unzusammenhängende „Komfortradwege“ gebaut worden. In diversen Ortsteilgesprächen und Informationsveranstaltungen wurde klar, wie wichtig der Bevölkerung sicheres Radfahren in der Region ist.

Die Verwaltung in Lauterach hat sich deshalb für die Definition von Fahrradstraßen entschieden, um eine durchgehende Nord-Süd-Verbindung zu schaffen. Zunächst werden dies drei Straßen sein, die von der nördlichen Ortsgrenze an der Bregenzerach bis zur Lerchenauerstraße reichen. Danach werden weitere Verkehrswege folgen, um bis an den südlichen Siedlungsrand eine sichere Verbindung zu schaffen, informierte das Lokalblatt. Das Gesamtvorhaben ist mit 400.000 bis 450.000 Euro budgetiert, weil im Zuge der Umwidmung zu Fahrradstraßen auch Generalsanierungen durchgeführt werden sollen.

Über Lauterach hatten wir bereits im Frühjahr 2018 berichtet: Radroute durch-das Naturschutzgebiet

Frühe Pioniere der Fahrradstraße

Das Land Vorarlberg, das Radkompetenz-Mitglied ist, fördert die Initiative. In diesem Bundesland gibt es übrigens eiune der „ältesten“ Fahrradstraßen Österreichs: Hard hat bereits vor fünf Jahren diese Form der Verkehrsfläche eingeführt auf der RadfahrerInnen dem motorisierten Verkehr gleichgestellt sind und wo Tempobeschränkungen auf 30 km/h gelten. Für die erfolgreiche Einrichtung von Fahrradstraßen in Gemeinden hat die Radkompetenz einen Leitfaden erstellt.

Fotos: Land Vorarlberg, Planoptimo, Rosinak & Partner

 

Veröffentlicht am 15. April 2019