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Wiens Masterplan Fahrradstraßen veröffentlicht

Fahrradstraßen und Radschnellwege sind Verkehrsgestaltungselemente, die generell als ein wichtiges Mittel zur Steigerung der Attraktivität des Radverkehrs gesehen werden. Seit der rechtlichen Einführung der Fahrradstraße in der StVO im Jahr 2013 wurden in Österreich bereits einige Fahrradstraßen eingeführt, Wien und Vorarlberg waren dabei Vorreiter. Nun hat die Stadt Wien ihren von Radkompetenz-Mitglied komobile erarbeiteten „Masterplan Fahrradstraßen“ vorgestellt.

Fahrradstraßen zählen zu den sichersten und beliebtesten Radverkehrsanlagen. Sie eignen sich zur Förderung des Radverkehrs speziell auf Straßen, die in ihrer Funktion eine Hauptradroute oder stark genutzte Radroute sind, aber für den Kfz-Verkehr eine untergeordnete Funktion haben. Während deutsche Großstädte bereits zahlreiche Fahrradstraßen beschildert haben – München hat beispielsweise über 60 davon – besteht in Wien noch viel offenes Potential. Um dieses gezielt heben zu können, wurde ein umfassender Masterplan erstellt, der am Radgipfel 2019 präsentiert wurde und hier erstmals im Detail vorgestellt wird.

Vorgeschichte mit Petition

Radkompetenz-Mitglied Radlobby Wien hatte 2017 eine Petition „Fahrradstraßen für jeden Wiener Bezirk!“ gestartet, die über 2.000 Unterschriften erhielt und als Startschuss für die Erstellung des Masterplans gilt. Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou bekräftigte im Jahr 2018 in ihrer Stellungnahme zur Petition: „Aus Sicht der Förderung des Radverkehrs sind Fahrradstraßen in allen Wiener Bezirken wünschenswert. Hinzu kommt, dass mit einem schnelleren Ausbau der Straßentyp der Fahrradstraße schrittweise zum Inventar der Stadt gehört und eine gelassenere Haltung dem gegenüber eintritt.“ Auf dieser Basis wurde dem Gemeinderat vom Petitionsausschuss empfohlen, einen Masterplan zu beauftragen, der nun fertiggestellt ist.

Die Stadt Wien hat es sich zum Ziel gesetzt, die nachhaltige Mobilität im Alltagsverkehr zu fördern. 80% Verkehrsanteil des Umweltverbundes, also Rad-, Fuß- und öffentlicher Verkehr, ist das dezidierte Ziel der Stadtregierung. Das Fahrrad als umweltfreundliches Verkehrsmittel kann dabei einen wesentlichen Beitrag leisten. Mit dem vorliegendem umfassendem Konzept soll die Fahrradstraße als vollwertige Lösung für Radverbindungen abseits der Hauptverkehrsstraßen, insbesondere im dicht verbauten Stadtgebiet, etabliert werden.

Optionale Verortung von Fahrradstraßen

Für ganz Wien wurden Optionen für Fahrradstraßen ausgewählt, in Workshops mit den relevanten AkteurInnen besprochen und in einer Bewertungsmatrix nach fachlichen Kriterien und Umsetzungsmöglichkeiten beurteilt. Für eine optimale Umsetzung wurde ein Leitfaden für die begleitende Öffentlichkeitsarbeit erstellt.

Den dabei eruierten möglichen Fahrradstraßen wurden als Teil eines zusammenhängenden, komfortablen Radverkehrsnetzes die Anwendungsempfehlungen der Stadt Wien zugrunde gelegt: Hohes Radfahraufkommen bzw. hohes zukünftiges Radfahrpotenzial, strategische Funktion im Radverkehrsnetz, hohe Nutzungsqualität, Verkehrsorganisation zur Vermeidung von Durchgangsverkehr und Straßenbreiten, bei denen Überholen und Nebeneinanderfahren komfortabel möglich ist. Ausgeschieden wurden dabei u.a. Straßenzüge, in denen die Erreichung der Kriterien nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich ist.

Ergebnis und Vorgangsweise

Die Kartendarstellung der Potentialanalyse stellt sich so dar:

Die blauen Linien markieren das Hauptradnetz im Bestand, die grünen Linien mögliche Fahrradstraßen bzw. fahrradfreundliche Straßen.

Jeder Wiener Bezirk hat nun eine eigene Unterlage mit den in seinem Bezirk erarbeiteten Vorschlägen bekommen. Nun folgt die Übergabe an die Fachdienststellen zur Einleitung von Umsetzungsmaßnahmen. In einer ersten Phase sollen netzwirksame Projekte mit geringen
Umsetzungswiderständen realisiert werden und nach der Umsetzung systematische Evaluierung und Dokumentation folgen. Im Zuge des Ausbaus der Langstrecke Süd werden die ersten Umsetzungsschritte heuer im 10. Bezirk zwischen Neu Laa und Leopoldsdorf erfolgen. Details dazu liefert das Bauprogramm der Stadt Wien, betroffen sind:

  • die Bahnlände von der Favoritenstraße bis Weidelgasse
  • der Franzosenweg von Weidelstraße bis Wilhelm-Pinka-Platz
  • die Radnitzkygasse von Rosiwalgasse bis Himberger Straße
  • die Rosiwalgasse von Radnitzkygasse bis Roubiczekgasse
  • und die Roubiczekgasse im Abschnitt Rosiwalgasse bis Liesingbachstraße

Beim Radgipfel 2019 in Graz haben Thomas Berger von der MA 18 der Stadt Wien und Olivia Kantner von komobile den Masterplan Fahrradstraßen präsentiert. Die gesamte Präsentation findet sich hier.

Foto: MA18

 

Veröffentlicht am 20. Juni 2019