Aktuelles

Steuerreform macht Dienstradmodell möglich

In Sachen Diensträder hat das Parlament eine wichtige Entscheidung gefällt: Als Teil der Ende September beschlossenen Steuerreform wird der Dienstgeber beim Erwerb von Dienstfahrrädern mit oder ohne Elektroantrieb ab Jänner 2020 vorsteuerabzugsberechtigt sein. ArbeitnehmerInnen könnten bald sachbezugsbefreit sein, wenn sie vom Arbeitgeber ein Dienstrad auch für private Fahrten bekommen. Damit ist Österreich bereit für ein rundum vorteilhaftes Dienstrad-Modell ab Jahreswechsel!

Vorgeschichte: Ungleichstellung und Grauzone

Unter einem Dienstrad-Modell wird verstanden, dass ArbeitnehmerInnen vom Arbeitgeber ein Fahrrad zur Verfügung gestellt bekommen, das sie auch privat nutzen können, entweder mit oder ohne Kostenbeitrag der NutzerInnen. In Österreich sind jedoch derzeit Fahrräder und E-Bikes (steuerrechtlich „Krafträder“) noch nicht voll vorsteuerabzugsberechtigt bzw. lohnsteuerbefreit – im Gegensatz zu Elektroautos. Die Sachbezugsbefreiung von Fahrrädern ist im Moment noch eine rechtliche Grauzone, die nur auf Gutachten und Fachmeinungen gestützt ist. Wir hatten über die unerfreuliche Situation hier im Juli berichtet. Das ändert sich nun mit dieser Reform.

Bei der finanzsteuerrechtlichen Frage des Vorsteuerabzuges, die betriebswirtschaftlich sehr relevant ist und den stärksten Dienstrad-Kaufanreiz für Arbeitgeber darstellt, ist die Ungleichbehandlung zum Elektroauto aufgehoben worden. Derzeit gilt nur ein „normales“ Fahrrad als Betriebsmittel, für das der Käufer, also der Betrieb, vorsteuerabzugsberechtigt ist. Das E-Bike wiederum gilt laut Steuerrecht zur Zeit noch als Kraftrad, und Krafträder sind nicht vorsteuerabzugsberechtigt, was die Anschaffung eines E-Job-Rades um 20% verteuert. E-Autos jedoch sind seit 2016 im Unterschied zu Kfz mit Verbrennungsmotor vorsteuerabzugsberechtigt

Parlamentsbeschluss beendet Benachteiligung von E-Bikes

Beim Steuerreform-Beschluss haben die Abgeordneten zugestimmt, dass für E-Bikes im Umsatzsteuergesetz der Vorsteuerabzug ermöglicht wird, und in der Sachbezugswerteverordnung „die Privatnutzung von Firmenkraftfahrzeugen, Krafträdern und Fahrrädern“ als lohnsteuerbefreit geregelt werden kann. Eine entsprechende Neuformulierung der Verordnung durch das Finanzministerium (BMF) steht allerdings noch aus, der Finanzminister wurde vom Parlament durch diesen Beschluss aber bemächtigt, den Sachbezug für Diensträder dementsprechend zu definieren.

Bis dahin gilt in Österreich noch: Wenn Fahrräder, die von einem Betrieb angeschafft wurden, auch privat genutzt werden, kann theoretisch eine Lohnsteuerpflicht anfallen. Dienstradmodelle können also erst zuverlässig ausgearbeitet werden, wenn die Sachbezugswerteverordnung durch das BMF fixiert ist und in Kraft tritt. Der Ankauf von betrieblichen E-Diensträdern mit Vorsteuerabzug ist für Dienstgeber ab 1.1.2020 aber jedenfalls möglich!

Wir werden berichten, sobald die Sachbezugsverordnung geändert ist. Informationen zu Dienstrad-Modellen und der Gesetzeslage gibt es auch auf der Webseite jobrad.at. Diese wird vom Radkompetenz-Mitglied klimaaktiv.mobil, einer Inititive des Umweltministeriums BMNT, laufend aktualisiert. Die neue Umsatzsteuerregelung ist Teil der „Ökologisierung“ des Steuermodells. In Zukunft soll die Steuerlast auf Fahrzeuge nämlich nicht nur über den Hubraum bzw. die Leistung ermessen werden, sondern auch basierend auf der CO2-Emission.

Gesetzesänderungen im Detail

Die Änderung des Einkommensteuergesetzes 1988 §13 Abs. 2 Z2. wird laut siehe Seite 7 in diesem Parlaments-Dokument so umgesetzt: Der Finanzminister kann in der Sachbezugswerteverordnung die Privatnutzung von Firmenkraftfahrzeugen, Krafträdern und Fahrrädern regeln. Damit kann in der Sachbezugswerteverordnung des BMF die lohnsteuerfreie Sachbezug geregelt werden. Das Gesetz tritt mit 1.1.2020 in Kraft, davor muss noch die Sachbezugswerteverordnung angepasst werden – was eher eine Formsache des BMF sein sollte. Danach ist die Privatnutzung von Dienstfahrrädern mit oder ohne E-Antrieb klar als lohnsteuerfrei geregelt.

Die Änderung des Umsatzsteuergesetzes 1994 § 12 Abs. 2 Z 2a (siehe Seite 67 in besagtem Parlaments-Dokument) lautet so, dass für Krafträder mit einem CO2-Emissionswert von 0 Gramm pro Kilometer unter den allgemeinen Voraussetzungen des § 12 UStG 1994 der Vorsteuerabzug ermöglicht wird. Die Anschaffung von Dienst-Elektro-Fahrräder ist damit ab 1.1.2020 ebenso vorsteuerabzugsfähig wie der Kauf von normalen Fahrrädern.

Kommen Dienstrad-Modelle wie in Deutschland?

In Deutschland können Unternehmen schon jetzt entweder direkt oder über Job-Rad-Anbieter Fahrräder steuerbegünstigt ankaufen. Entweder subventioniert der Arbeitgeber einen Teil des Rades oder der volle Kaufpreis wird über mehrere Jahre dem Arbeitnehmer vom Bruttolohn in Raten abgezogen. Dem erfolgreichen Business-Modell liegt eine klare gesetzliche Regelung zu Grunde, die den Sachbezug mit 0,5 % des Kaufpreises festlegt und Vorsteuer abzieht. In Österreich wird der Vorteil noch höher, sobald die komplette Sachbezugsbefreiung ausdrücklich fixiert wird. Damit ist erwartbar, dass auch ni Österreich ähnliche Modelle wie in Deutschland angeboten werden.

Ein Beispiel für ein Informationsblatt zum aktuell möglichen Dientrad-Modell bietet Radkompetnez-Mitglied Land Vorarlberg hier.

Fotos: Parlamentsdirektion, Peter Provaznik

Veröffentlicht am 7. Oktober 2019