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Richtungsweisend: Dänemark und Niederlande legen vor

Die Mobilitätswende lebt von der Weiterentwicklung des Angebots für Radfahrende und von zukunftsfähigen Vorbildern, die zur weltweiten Nachahmung aufrufen. In diesem Sinne lohnt sich immer wieder der Blick nach Norden. Die Webplattform „Cycling Solutions“ zeigt vorbildliche dänische Infrastruktur-Beispiele, und Utrecht hat ein beindruckendes Beispiel gebaut: die größte Radgarage der Welt! Auckland im Süden nimmt diese Beispiele begeistert auf.

Radverkehr wie bei Dänen

In Dänemark hat die „Cycling Embassy of Denmark“, ebenso wie Radkompetenz Österreich eine der vier Radbotschaften in Europa, ein neues umfassendes Online-Informationsportal zum Thema Radverkehr entwickelt:  „Cycling Solutions“ . Auf cyclingsolutions.info werden vielfältige Themenbereiche rund um den Radverkehr in Dänemark behandelt. Sowohl die Plattform als auch einige der dort präsentierten Lösungen können als Modell für ähnliche Informationskampagnen und Verkehrsmaßnahmen herangezogen werden. Die auf der Website aufbereiteten Informationen von Infrastrukturdesign bis zu Kostenanalyse stellen wertvolles Wissen zur Verfügung.

Die Plattform vereint praktische Tipps zur Umsetzung von Multimodalität, intelligenten Verkehrssystemen und zur Städteplanung für gute Radfahr-Infrastruktur. Wer schon immer wissen wollte, wie Rad-Highways, Rechtsabbiegen bei Rot oder aber auch Warnungen vor abbiegenden LkWs in der Praxis umgesetzt werden können, kann sich auf der Webseite gut informieren.

Neben städtischem Radverkehr beleuchtet die Webseite auch Radtourismus und Fahrradfahren als Sport. Österreich wird übrigens vor allem in der Kategorie Radfahrtourismus erwähnt (inklusive einem Bild von Radfahrenden in Tirol). Wien nennt die Plattform als Beispiel gemeinsam mit anderen Städten, die ein City Bike-Leihmodell aufweisen.

Stolz sind die Dänen auf ihre fahrradfreundliche Straßenausstattung, wie z.B. spezielle Mistkübel entlang der Radfahrstrecken, Fußabstellmöglichkeiten bei Ampeln, Rad-Servicestationen oder die Schneeräumung von Radwegen im Winter. Es werden Beispiele aus Dänemark vorgestellt, aber auch konkrete Anleitungen zur effizienten Sammlung von Verkehrsdaten, die in der Folge als Grundlage für politische Entscheidungen herangezogen werden können.

Utrechts Riesengarage: Drei Stockwerke mit Leitsystem

Die vor kurzem in Utrecht eröffnete unterirdische Fahrradgarage bietet Platz für 12.500 Fahrräder. Sie soll die bereits bestehenden 33.000 Stellplätze beim Hauptbahnhof der Stadt ergänzen. Utrecht hat mit dieser modernen Radparkanlage die weltgrößte Radgarage eröffnet und die japanische Stadt Tokyo vom 1. Platz verdrängt. Dort finden in der größten Garage „nur“ 9.400 Fahrräder Platz.

Weltweit einzigartig ist in Utrecht, dass man mit dem Fahrrad direkt zum und vom Stellplatz in jedem der drei Stockwerke fahren kann, wie dieses Video zeigt:

Die überwachte Abstellanlage in Utrecht ist rund um die Uhr, sieben Tage die Woche geöffnet, Parken ist für die ersten 24 Stunden kostenlos. Es sind auch 1.000 Park & Ride-Räder verfügbar, die in Verbindung mit dem öffentlichen Verkehr ausgeliehen werden können. Darüber hinaus gibt es spezielle Parkplätze für größere Fahrräder wie Tandems. Das Leitsystem hilft dabei, freie Abstellplätze zu finden. Außerdem befindet sich in der Anlage einen Service-Point für Reparaturen.

Ist die Größte gerade noch groß genug?

Die Neueröffnung der „weltweit größten Fahrradgarage“ in Utrecht hat es in vielen Ländern in die Medien geschafft. Doch in den Niederlanden selbst geben sowohl die Radfahrvereinigung Fietserbond als auch die Stadtverwaltung zu bedenken, dass die Abstellanlage gerade einmal die derzeitige Nachfrage abdeckt.  Der Radverkehr in der Stadt hat seit 2005 um 40% zugenommen und lag im Jahr 2017 bei 47% des Modalsplit. Rund 45% der Wege in der Stadt, die unter 7,5km betragen, werden laut Fietserbond mit dem Rad zurückgelegt.

Insgesamt gibt es in den Niederlanden übrigens 22,5 Millionen Fahrräder – und 17 Millionen Einwohner. Aus diesem Grund ist im neuen Klimaabkommen (download hier), das die niederländische Regierung im Sommer beschlossen hat, Radfahrinfrastruktur ein wichtiger Faktor. Neben anderen Maßnahmen sollen konkret 75 Mio. Euro in Fahrradabstellplätze an großen Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs gesteckt werden. Ein wichtiger Faktor zur Emissionsreduktion soll auch der verstärkte Einsatz von Lastenrädern für die City-Logistik sein.

Vorbildwirkung am anderen Ende der Welt

Die neuseeländische Stadt Auckland hat in ihrem neuen Verkehrskonzept einige Anleihen an Holland, Schweden und Belgien genommen. Der „Design Guide“ für das neue Straßenlayout in Auckland, der immer wieder auf europäische Vorbilder verweist, ist ein schönes Beispiel für internationale Inspiration und kann hier als PDF eingesehen werden.

Der Design Guide orientiert sich nicht nur hervorragend an Beispielen wie dieser Fahrradstraße nach niederländischem Vorbild, sondern widmet sich auf 110 Seiten allen Aspekten zeitgemäßer Verkehrsplanung, von Straßentypen über sicherem Kreuzungsdesign zu Geschwindigkeitsbegrenzung, und kann so wiederum als international verständliche englischsprachige Sammlung des State-of-the-Art in Sachen Radverkehr dienen.

Bilder: cyclingsolutions.info, Stadt Utrecht, VCÖ, Reuters, Auckland Design Guide

 

Veröffentlicht am 3. Oktober 2019