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Das Ergebnis der Radkompetenz-Gemeinden-Befragung

Die Plattform Radkompetenz Österreich hat im Rahmen einer im Herbst 2019 erstmals durchgeführten Gemeinde-Umfrage einen Fragenkatalog zusammengestellt, bei dessen Beantwortung die adressierten Gemeindeverwaltungen anhand eines Ampelsystems selbst überprüfen können, wie es um die Rahmenbedingungen für den Radverkehr in ihrer Gemeinde steht und wo es noch Handlungsbedarf gibt. Hier präsentieren wir erstmals das Gesamtergebnis!

Beteiligung von 114 Gemeinden

Wie oft stehen die Ampeln in diesem Fragebogen auf Grün? Wie viele rote Ampeln signalisieren Handlungsbedarf? Das zeigen die je 26 Antworten aus 114 Gemeinden. 500 Gemeinden mit mehr als 2.500 EinwohnerInnen wurden von uns per Postzusendung adressiert, darüber hinaus erfolgte ein Aufruf via Facebook und Radkompetenz-Newsletter.

Die Umfrage rief die Selbsteinschätzung bezüglich der jeweiligen Gemeinde ab. Die Antworten auf die 26 Fragen geben daher nur die Einschätzung der jeweiligen beantwortenden Person wieder und wurden nicht auf ihre Datengrundlage geprüft. Somit ergibt die Umfrage ein Stimmungsbild von ca. 20% der Gemeinden mit über 2.500 EinwohnerInnen in Österreich, jedoch kein repräsentatives Gesamtbild der österreichischen Gemeinden. Zu jeder Einzelfrage wurden zusätzlich die Rolle der Beantwortenden in der Gemeinde und die Gemeindegröße als weitere Detaildiagramme ausgewertet. So kann eine grobe Abschätzung getroffen werden, welchen Einfluss diese zwei Parameter auf das Gesamtergebnis haben. Wir geben hier einen Überblick über die Antworten, die komplette Auswertung finden Sie hier: PDF Gemeinde-Check

Aufteilung der 164 Antworten aus 114 Gemeinden nach Bundesländern.

Thema „Verwaltung“

Der erste Themenkreis widmete sich in sechs Fragen den Grundlagen für erfolgreiche Radverkehrsgestaltung – der Verwaltung. Von zentraler Bedeutung sind Fahrradbeauftragte. 52% der Antwortenden bejahten die Frage, ob es in ihrer Gemeinde eineN RadbeauftragteN gibt.

Bei der Frage zu finanziellen Förderungen für den Ankauf von z.B. Rad-Anhängern, Lastenrädern, Falträdern oder E-Bikes waren 73% der Antworten negativ – dabei zeigt sich gerade an den erfolgreichen Transportradförderungen z.b. in Wien, Graz, Linz und Salzburg, dass damit gute Impulse gesetzt werden können. Die Kinderanhänger-Förderung in Vorarlberg, die seit vielen Jahren existiert, kann als bestes Erfolgsbeispiel angeführt werden.

Die jährlichen Radverkehrsinvestitionen pro EinwohnerIn werden von 55% der Befragten auf unter 5€ geschätzt, 23% geben über 10€ an. Die Empfehlung der Radlobby Österreich liegt bei 30 € pro Kopf und Jahr, will man spürbare Fortschritte im Radverkehrsbereich erzielen. Ob den MitarbeiterInnen ihrer Gemeinde Dienstfahrräder zur Verfügung stehen, konnten nur 48% bejahen. Rad-Evaluierungen oder Fahrradberatungen wurden von 53% durchgeführt: 40% eine aktuelle, 13% vor mehr als 5 Jahren, 44% gar keine.

Thema „Radverkehrsnetz“

Auf die Frage, ob ihre Gemeinde ein Radverkehrs- bzw. Radroutenkonzept erstellt hat, waren 63% der Antworten positiv, wobei 14% der Konzepte jedoch älter als 10 Jahre sind und daher ein Update dringend benötigen würden.

Die Durchgängigkeit des Radverkehrsnetz in ihrer Gemeinde wurde sehr divergierend eingeschätzt: 24% sahen keine Lücken, 44% zahlreiche Lücken und 31% einige Lücken. Die Diskrepanz der Antwortenden nach ihrer Funktion als GemeindemitarbeiterIn oder BürgerIn war hier sehr groß: nur 5 Prozentpunkte der positiven Einschätzung kamen aus dem Bürgersegment, hingegen 35 Prozentpunkte der negativen. Diese Tendenz, dass GemeindemitarbeiterInnen und BürgermeisterInnen die Situation deutlich rosiger sehen als die EinwohnerInnen ihrer Gemeinden, zieht sich durch alle Fragen zum Radverkehrsnetz. 

Ob gute Radverbindungen in die Nachbargemeinden bestehen? 62% sahen gute Verbindungen in einige Gemeinden, nur 13% in keine, wobei letztere Einschätzung fast ausschließlich von BürgerInnen getroffen wurde. In 64% der befragten Gemeinden gab es keine Fahrradstraßen, in 22% sogar mehrere. 29% haben fast alle Einbahnen und Fußgängerzonen für das Radfahren geöffnet. Die Winterräumung von Radwegen wurde recht ausgeglichen beurteilt, jeweils ca. ein Drittel erlebt die örtlichen Radwege als immer, meistens und selten geräumt.

Thema „Datenbasis“

Der Radverkehrsanteil an allen zurückgelegten Wegen wird bei 37% der Gemeinden mit über 5% angegeben, bei 8% sogar über 15% und damit mehr als doppelt so hoch wie der bundesweite Durchschnitt von 7%. Die hohe Zahl von 72% der Befragten gaben an, dass in ihren Gemeinden keine Radverkehrs-Zählstellen existieren bzw. keine händischen Zählungen durchgeführt werden, nur in 17% der Gemeinden gibt es  aktuelle Daten. GPS-Daten von Radfahrenden werden nur in 9% der Gemeinden für die Planung der Radrouten herangezogen, obwohl diese moderne Möglichkeit gut dazu dienen kann, die Nutzungsbedürfnisse der „Radkundschaft“ anonymisiert herauszufinden.

Thema „Fahrradparken und Verleih“

Für viele RadfahrerInnen ist dies das Thema Nr. 1: wo fehlen Radbügel? Viele Gemeinden bemühen sich redlich, diesem Bedürfnis nach sicherem Radparken nachzukommen – gerade bei Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs ist dies von großer Bedeutung Dort ist oftmals aber auch der Betreiber zuständig, wie u.a. die ÖBB. Die Frage nach dem Vorhandensein von überdachten hochwertigen Radabstellanlagen an Bahnhöfen und wichtigen ÖV-Haltestellen beantworten 24% mit Nein, 43% als nicht ausreichend und 31% mit Ja.

Die Frage nach Radabstellanlagen an wichtigen Zielen in der Gemeinde (Gemeindeamt, Geschäfte, Sportstätten, Schule) erhält ausgewogene Antworten mit je ungefähr einem Drittel. Bei den 34%, die einen Mangel feststellen, besteht ein klarer Überhang von BürgerInnen-Antworten mit 26 Prozentpunkten. In 37% der Gemeinden werden keine öffentlich nutzbaren E-Bike-Ladestationen vorgefunden. Sehr erfreulich ist das Angebot von Transportradverleih in 22% der Gemeinden.

Thema „Kommunikation“

In 52% der gemeinden wird zur Zeit Öffentlichkeitsarbeit zur Bewerbung des Alltagsradelns gemacht, damit sind beispielsweise Artikel in der Gemeindezeitung oder auf der gemeindeeigenen Website, Infobroschüren oder lokale Radkarten gemeint. Sogar 62% haben eine oder mehrere Radwerbeaktionen im Jahr 2019 durchgeführt, wie zum Beispiel Fahrradfest, Radkurse, Gewinnspiele oder Teilnahme bei „Österreich radelt“.

Sehr erfreulich sind die regelmäßigen Radverkehrsaktivitäten an Schulen in 91% der Gemeinden: 61% führen die freiwillige Radprüfung durch,  30% auch zusätzliches wie Radfahrtrainings oder Radausflüge. In 34% der Gemeinden wird Beschilderung auf allen Radrouten vorgefunden.

Individuelle Einschätzung der Antwortenden

In den drei Abschlussfragen wurde die persönliche Sichtweise im qualitativen Bereich abgefragt: Zur Frage, wie fahrradfreundlich die Gemeinde insgesamt eingeschätzt würde, kamen 22% zu einer sehr positiven Einschätzung, 34% eher wenig – hier war wiederum der BürgerInnen-Anteil mit 29 Prozentpunkten vergleichsweise hoch.

Die Radverkehrssituation für radelnde Kinder und SeniorInnen wurde von 11% sehr sicher beurteilt, 49% mittel und 40% eher unsicher. Mit 55% der Antwortenden fühlt sich eine Mehrheit beim Radeln in ihrer Gemeinde sehr wohl!

Download der Ergebnisse: PDF Gemeinde-Check

Text: Redaktion AH

Veröffentlicht am 8. April 2020