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Mobilitätswende in Metropolen: Studienergebnisse „Mobility Futures“

Der 2019 erschienen Studie „Mobility Futures“ zufolge soll sich bis 2030 das Verkehrsgeschehen in Metropolen weltweit verändern. Nachhaltige Verkehrsmittel nutzen und auf das Auto zu verzichten – das sei der Trend in den nächsten 10 Jahren, geht aus der Studie des global tätigen Trendforschungsinstituts Kantar hervor. Wir haben die Ergebnisse kurz zusammengefasst ins Deutsche übertragen. Mit einem Anstieg von 18% wächst die Fahrradnutzung im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln am schnellsten.

Die Studie „Mobility Futures“ basiert auf mehr als 20.000 Interviews mit Bewohnern in 31 Städten von Amsterdam über Mumbai und Nairobi bis Tokio und Tiefeninterviews mit 53 weltweit führenden Mobilitätsexperten. Sie soll als Informationsgrundlage zur Entwicklung und Planung des Verkehrs im urbanen Raum dienen. Aus dem deutschen Sprachraum waren Berlin und München vertreten, Wien war jedoch nicht an Bord.

Städte sind unterschiedlich – City Mobility Index

Mithilfe des „City Mobility Index“ wurde die vorhandene Mobilitätsinfrastruktur in den 31 untersuchten Metropolen unterschieden. Hierbei wurde verglichen, wie bezahlbar und verfügbar alternative Verkehrsoptionen, wie öffentliche Verkehrsmittel und Mitfahrgelegenheiten sind.
Berlin und Oakland sind demzufolge die weltweit führenden Städte für urbane Mobilität. So biete beispielsweise Berlin einen einfachen Zugang zu einer Vielzahl von öffentlichen Verkehrsmitteln und Mitfahrgelegenheiten. Im Gegensatz dazu stehen Johannesburg und Sao Paulo, welche nur über eine begrenzte öffentliche Verkehrsinfrastruktur verfügen. Diesen Städten fehlt es meist an finanziellen Ressourcen oder mangelnder Erfahrungen, um den Trend hin zu nachhaltigen Verkehrsmitteln schneller zu verfolgen.

Mobilitätswende bis 2030?

Die Mobilitätswende solle in den Metropolen schon in 10 Jahren eintreten. Bereits jetzt seien 25% der Befragten bereit für eine Mobilitätswende. Der Großteil davon sieht die Studie in den Segmenten der Solo-AutofahrerInnen und der NutzerInnen des Öffentlichen Verkehrs.

Der Studie zufolge wird bis 2030 der Autoverkehr sinken und auf nachhaltige Transportmittel gesetzt. So sollen 49% der Wege innerhalb der Stadt mit öffentlichem Verkehrsmittel, mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden. Die Nutzung von Autos würde von aktuell 51% auf 46% sinken. Aufgrund der alternden Weltbevölkerung, durch Car-Sharing und das Aufkommen autonomer Fahrzeuge soll der Bedarf, ein eigenes Auto zu besitzen, ebenfalls abnehmen.

Fahrrad und Fußverkehr profitieren am stärksten

Betrachtet man die nachhaltigen Verkehrsmittel, welche in der Stadt zur Verfügung stehen, scheint vor allem das Fahrrad im städtischen Raum auf dem Vormarsch zu sein. Um mehr Kontakt mit der Natur zu haben und um die Gesundheit zu stärken greifen im Jahr 2030 18% mehr Menschen zum Rad und 15% mehr Menschen gehen zu Fuß. Der Öffentliche Verkehr wird laut der Studie um 6% zunehmen.

Von dieser Entwicklung profitiert nicht nur die Umwelt, sondern auch das kollektive Bewusstsein und die Lebensqualität der BewohnerInnen in einer Stadt. Die Studie erkannte ganz richtig, dass Fahrräder viel weniger Platz benötigen und bekannte Probleme wie Raumknappheit dadurch verringert werden können.

Schon heute seien laut Kantar NutzerInnen des öffentlicher Personennahverkehrs besonders bereit, auf ein anderes Verkehrsmittel umzusteigen. 43% geben in der Studienbefragung an, nach einer Alternative zum Öffentlichen Verkehr zu suchen. Auch 37 Prozent der AutofahrerInnen würden ihr Auto der Studie zufolge schon 2020 gegen ein anderes Verkehrsmittel tauschen.

Zauberwort MaaS – Mobility as a service

Um abzuschätzen, welche Mobilitätslösungen die Bedürfnisse der Menschen am meisten erfüllen, entwickelte Kantar über 20 Mobilitätskonzepte. Demnach wünschen sich die Befragten innovative Ansätze, wie beispielsweise „Mobility-as-a service“ (MaaS). Hierbei werden mehrere Verkehrsmittel wie Bus, Zug, Fahrräder, Car-Sharing und E-Scooter in einer App bzw. einem kundenorientierten Gesamtangebot kombiniert. Die App kann von den NutzerInnen beispielsweise für den Ticketkauf verwendet werden. Ähnliche Anwendungen werden laut der Studie besonders in ostasiatischen Ländern immer mehr genutzt.

Größtes Potential für Mobilitätswende

Besonders bemerkbar wird sich die Mobilitätswende in den Städten wie Manchester, Moskau, Sao Paulo, Paris und Johannesburg machen. Hier soll der Autoverkehr um 20- 36% zurückgehen, während der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs um 27% ansteigen soll. Die Radfahrstadt Amsterdam ist wenig überraschend am besten auf eine nachhaltige Mobilitätwende vorbereitet. Mit Förderungen und Investitionen soll es den Städten gelingen in den nächsten zehn Jahren die Mobilitätswende zu finanzieren.

Herausforderungen

Alle 31 Metropolen stehen jedoch vor Herausforderungen, um die Verkehrswende umzusetzen:
In Städten wie Berlin, Amsterdam und New York fehle das Vertrauen der BürgerInnen in die Stadt, um nachhaltige Mobilitätskonzepte umzusetzen. Im Gegensatz dazu kommt Kantar zum Ergebnis, dass in Moskau, Jakarta und Mumbai das Vertrauen in die Stadtregierung vorhanden sei, hier fehle jedoch die Erfahrung oder die finanziellen Mittel um eine Mobilitätswende schnellst möglichst bis 2030 zu erreichen.

Die Zukunft der Mobilität wird also in den großen Städten der Welt gestaltet. Insgesamt werden bis 2030 37 Millionen Menschen in den Metropolen der Welt ihr Mobilitätsverhalten geändert haben. Dass die Wahl hierbei immer mehr auf das Fahrrad fallen wird, ist laut Kantar sicher. Wichtig ist hierbei aber auch weiter in die Entwicklung von neuen Technologien zu investieren, Verkehrsmittel mehr miteinander zu kombinieren und den Zugang für alle zu sichern.

So stellt auch Studienleiter Guillaume Saint klar, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse und emotionalen Reaktionen der Menschen bei der Wahl des Verkehrsmittels zu verstehen und bei der Planung zu berücksichtigen: „Die Menschen nutzen eher Verkehrsmittel, die Freude in ihren Alltag bringen. Die Auswahl des Verkehrsmittels ist eher eine Entscheidung für den Lebensstil als die bloße Art, sich zu fortzubewegen.“ Das spricht aus Radkompetenz-Sicht wiederum für das Fahrrad – wenn Infrastruktur und Rahmenbedingungen stimmen!

Download der Studie: direkt hier

Grafiken: Kantar

Text: Redaktion, LL

Veröffentlicht am 6. April 2020