Aktuelles

Leitfaden Fahrradoffensive: 40 Millionen Euro Förderung

Bundesministerin Leonore Gewessler (Grüne) hat zum Welttag des Fahrrads am 3. Juni aufhorchen lassen und eine neue Fahrradoffensive mit bis zu 40 Millionen Euro Bundesförderung gestartet. Wir sehen uns deren inhaltliche Ausgestaltung an und erklären den Weg zur Förderung für Gemeinden, die  Investitionen in den Radverkehr als krisensichere, nachhaltige Verkehrsform tätigen wollen. Besonderes Highlight ist die Zusatzförderung für Radschnellwege! Einreichungen sind ab Juli möglich.

Durch die Freigabe von bis zu 40 Mio. Euro für den Ausbau und die Verbesserung des Radverkehrs sowie klimafreundliches Mobilitätsmanagement im Jahr 2020 wurde das Förderbudget im Vergleich zum Vorjahr fast verzehnfacht. „Jeder Euro, der in einen Radweg investiert wird, fließt in die lokale Wirtschaft. Mit der Fahrradförderung schaffen wir in Österreich 18.000 sichere Arbeitsplätze“, sieht Klimaschutzministerin Leonore Gewessler auch einen wirtschaftlichen Benefit in ihrer begrüßenswerten Maßnahme.

Das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) ist mit seiner Initiative klimaaktiv mobil auch Mitglied von Radkompetenz Österreich ist, Der Fördertopf von klimaaktiv mobil wird nun von 4,4 auf 21,4 Millionen Euro aufgestockt, dazu kommen Gelder aus dem Budget des jetzt mit dem Umweltministerium zusammengelegten Verkehrsministerium. Roland Romano, Sprecher von Radkompetenz-Mitglied Radlobby Österreich, bestätigt den Aufwärtstrend: „Bisher wurde ein Euro pro Kopf und Jahr für den Radverkehr ausgegeben, mancherorts sogar nur ein halber Euro“, rechnet Romano: „Jetzt wachsen die Ausgaben immerhin auf viereinhalb bis fünf Euro.“ Diese Zahlen betreffen den Bundesbeitrag zur Radförderung. Gemeinsam mit Landes- und Gemeindemitteln wären 30 Euro pro Kopf empfohlen, wodurch in einem Jahrzehnt gesamt drei Milliarden Euro jährliches Radbudget möglich würden, wie wir hier mit Detailkalkulationen hinterlegt haben.

Hochwertige Radinfrastruktur wie hier der Radschnellweg Nijmegen – Arnhem in den Niederlanden macht sich auch volkswirtschaftlich bezahlt: aktive Mobilität spart Gesundheitskosten.

Welche Investitionen werden gefördert?

Das Förderangebot richtet sich an Länder, Städte, Gemeinden, Betriebe und Vereinen sowie auch touristische Einrichtungen. Zusätzlich zum ländlichen Raum werden damit auch wieder große Städte über 30.000 EinwohnerInnen beim Ausbau des Radverkehrs unterstützt, die im Vorjahr nicht auf die Fördermittel zugreifen konnten. Förderfähig sind im Bereich des Förderschwerpunkts Radverkehr & Mobilitätsmanagement beispielsweise die Errichtung von Radwegen und Radabstellanlagen, Radverleihsystemen, aber auch bewusstseinsbildende Maßnahmen wie Wegweisung und begleitende Informationskampagnen. Einen besonderen Anreiz für Betriebe bietet die finanzielle Unterstützung von sogenannten JobRädern (siehe dazu unser Artikel), die einen gesunden Arbeitsweg per Fahrrad ermöglichen.

Der Fördersatz beträgt abhängig vom Maßnahmenmix und der Projektqualität bis zu 30% der förderfähigen Kosten – nur Radschnellwege werden sogar mit 50% der Errichtungskosten gefördert – dazu mehr unten. Die Förderdetails zur Einreichung von Radverkehrsprojekten im klimaaktiv mobil Förderprogramm werden bis Anfang Juli final ausgearbeitet, dann können Fördereinreichungen beginnen.

Auch Radabstellanlagen auf Gemeindegrund können gefördert werden.

Wie hoch ist die Förderung?

Die Förderung beträgt insgesamt maximal 30% der förderfähigen Kosten, ausgenommen Radschnellverbindungen (50%). Radverkehrsprojekte werden mit einem Standardfördersatz von 20% der förderfähigen Kosten gefördert. Es gibt dazu folgende Zuschlagsmöglichkeiten bis zum 30%-Maximum:

+5% Förderbonus bei der Kombination von zwei Maßnahmen
+5% Förderbonus für bewusstseinsbildende Maßnahmen
+5% Förderbonus bei Einbeziehung weiterer Gemeinden bzw. Betriebe

Projekte im ländliche Raum werden, wenn sie den Förderkriterien des Förderfonds für ländliche Entwicklung ELER entsprechen, nach dessen Förderkriterien mit bis zu 50% der förderfähigen Kosten für Gebietskörperschaften gefördert. (ELER-Auswahlkriterien hier)

Neuer Förderschwerpunkt Radschnellverbindungen

Das Förderpaket soll auch den Ausbau von qualitativ hochwertiger Radinfrastruktur ankurbeln, die ein sicheres und attraktives Befahren über größere Entfernungen hinweg ermöglichen. Aufgrund der höheren Investitionskosten wird die Errichtung von Radschnellverbindungen durch Gebietskörperschaften mit einem höheren Fördersatz von bis zu 50% der förderfähigen Kosten unterstützt.

Radschnellweg in Norwegen als Vorbild für Österreichs Gemeinden? Bei Einhaltung der Kriterien mit 50% gefördert.

Die Kriterien für Radschnellverbindungen richten sich an internationale Standards und werden noch im Detail veröffentlicht. Die wichtigsten sind:

  • Verkehrsraumbreite von mindestens 4m (Zweirichtungsradweg) bzw. 2m (Einrichtungsradwege)
  • niveaufreie Kreuzungen mit dem Kfz-Verkehr oder Bevorrangung des Radverkehrs an niveaugleichen Kreuzungen
  • Kurvenradien von 20m (Projektierungsgeschwindigkeit 30 km/h) bzw. im Kreuzungsbereich auch 8m (Projektierungsgeschwindigkeit 20 km/h)

Wichtig werden auch die Festlegung als Radschnellverbindung in einem Planungsdokument auf Bundeslandebene bzw. Ebene der Stadtregion sowie eine Potentialabschätzung über die Änderungen in der Fahrraderreichbarkeit durch diese Baumaßnahmen sein.

Wo können Gemeinden einreichen?

Einreichungen im klimaaktiv mobil Förderprogramm werden ab Juli 2020 über umweltfoerderung.at möglich sein. Zur Projektentwicklung bietet das BMK eine kostenlose Förderberatung im Rahmen des klimaaktiv mobil Programms unter klimaaktivmobil.at an. Bei Fragen zur Fördereinreichung bzw. für die Erstellung des erforderlichen Mobilitätskonzepts steht das klimaaktiv mobil Programm „Innovative klimafreundliche Mobilität für Regionen, Städte und Gemeinden“ gerne zur Verfügung, das von Radkompetenz-Mitglied komobile Gmunden betreut wird. (Telefon: 07612 70 911, E-Mail: mobilitaetsmanagement@komobile.at)

Förderung für Transporträder und E-Bikes erhöht!

Gute Neuigkeiten auch für Menschen, die sich einen emissionsfreie Alternative für ihren Alltag zu legen wollen – es gibt nun eine erhöhte 850 Euro Förderung für E-Transporträder, Details hier.

Fotos: BMK/Cajetan Perwein, Arne Dedert, Dutch Cycling Embassy

Veröffentlicht am 22. Juni 2020