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Erster Fahrrad-Masterplan für Kärnten

Der Masterplan „Kärnten am Rad“ soll den Anteil der Kärtner RadfahrerInnen konsequent steigern und Kärnten zu einem Vorzeigeland für Radmobilität machen. Dafür entwickelte die Kärtner Landesregierung mit dem „Masterplan Radmobilität 2025“ erstmals einen für das ganze Bundesland gültigen Maßnahmenplan, in den neben Gemeinden und Stakeholdern auch die Bevölkerung eingebunden wurde. Enthalten sind mehr als 140 Maßnahmen, die bis 2025 umgesetzt werden sollen. Die Steiermark legte ebenfalls einen neuen Masterplan vor.

Der umfangreiche Masterplan versammelt eine Vielzahl an möglichen Maßnahmen zur Verbesserung des Radfahrens in Alltag und Freizeit. Erstelllt wurde er vom Amt der Kärntner Landesregierung unter Ägide der Landesräte Martin Gruber und Sebastian Schuschnig und deren Abteilungen 9 (Straßen und Brücken) und 7 (Wirtschaft, Tourismus und Mobilität). Die ausgearbeiteten Maßnahmen gliedern sich in die drei Themenbereiche Alltag, Tourismus und Infrastruktur. Ein hehres Ziel schließt die Broschüre ab: „Der vorliegende Masterplan soll nicht wie viele andere, theoretische Papiere in einer Schublade verschwinden, sondern einen konkreten Handlungsplan für die nächsten Jahre darstellen.“ Dazu dient ein jeweils konkretes Jahresprogramm, das für 2020 vorliegt. (Details unten)

Themenbereich Alltag und Beruf

Wichtige Alltagsziele wie der Weg zur Arbeit, zur Schule und zu anderen Ausbildungseinrichtungen sollen in Zukunft besser und sicherer erreichbar sein. Hierbei soll unter anderem an der Anbindung zu öffentlichen Verkehrsmittel intensiv gearbeitet werden. „Die Voraussetzung dafür, dass das Fahrrad als Fortbewegungsmittel im Alltag Akzeptanz findet, ist die Anbindung an den öffentlichen Verkehr“, so Landesrat Sebastian Schuschnig.
Mehr Kooperationen mit der ÖBB sowie die Einführung einer eigenen „Rad-Card“, um Rad und Bahn besser vernetzen zu können, sind im Masterplan vorgesehen. Außerdem soll die Möglichkeit der Fahrradmitnahme auch in Regionalbussen und die Erreichbarkeit von Mobilitätsdrehscheiben mit dem Fahrrad geschaffen werden.

Auch des Thema Verkehrsverhalten und polizeiliche Kontrollen findet sich im Alltagskapitel: „Neben einer intakten und sicheren Radinfrastruktur liegt es aber auch in der Eigenverantwortung jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers. Die einwandfreie technische Ausstattung und das Verhalten im Straßenverkehr brauchen adäquate Kontrollmechanismen.“

Die großen Chancen der Verbesserung der Planung durch Crowdsourcingdaten – hier ist die App von Radkompetenz-Mitglied Bike Citizens angeführt – und von Forschungsprojekten zum Verhalten von Radfahrern auf Basis dieser Daten werden zukunftsweisend erkannt.

Themenbereich Tourimus, Freizeit und Wirtschaft

Ein weiterer Fokus im Maßnahmenplan liegt – erwartungsgemäß für das Tourismusland Kärnten – in der bisher stark wachsenden Sparte Radtourismus. Kärnten soll hier sein Potential weiter erweitern und sein radfreundliches Image verbessern. Konkret sollen alle Kärntner Seen in Zukunft mit dem Rad über eine Route erreichbar sein. Weiters soll an der Intensivierung einzelner Radangebote gearbeitet werden: E-Bike Angebote, Mountainbike-Routen, Familienausflugsziele sind vorgesehen. Weiters sollen Projekte wie eine landesweit einheitliche Beschilderung zu touristischen Zielen umgesetzt werden. Auch die „künstlerische Ausgestaltung an internationalen Radwegen“ findet sich im Masterplan.

Themenbereich Infrastruktur und Innovation

Gut ausgebaute Infrastruktur stellt laut der Landesregierung den Schlüssel zum Erfolg für die Etablierung Kärntens als Radvorzeigeland dar. Kärnten verfügt schon jetzt über überregionale Radwege, im Masterplan sind aber Verbesserung und Erweiterungen der Radinfrastruktur geplant. Konkret soll das Radangebot von derzeit rund 1.100 Kilometer auf 1.380 Kilometer ausgebaut werden. Hier soll der Fokus auf die häufig fehlenden Radverbindungen im ländlichen Gebieten  gelegt werden.

Neben Rad-Highways sollen auch überregionalen Radwege-Netz zu allen Bezirkshauptstädten entstehen. Um bereits bestehende Radwege zu erhalten wird ein Güteklassenkataster eingeführt und RadlerInnen sollen Schäden und Verbesserungsbedarf selbst digital über einen „Rad-Kummerkasten“ melden können.

Große Themen werden mit starken Vorgaben angesichts des Zeitrahmens bis 2025 angeführt: Durchgehend befahrbare und sichere Radwege zu Schulen, Radgaragen im stark frequentierten, vor allem innerstädtischen Bereich, regionale Radschnellwege vor allem in die Ballungszentren bzw. bevorrangte Routen für den Radverkehr, insbesondere durch verkehrsberuhigte Bereiche, Radwege oder Fahrradstraßen.

Weiters soll durch das vermehrte Angebot flächendeckender Verfügbarkeit von Leih-E-Bikes im Land-und Stadtbereich sowie die finanzielle Unterstützung und Koordination der Gemeinden bei der Gestaltung von Sharing-Strukturen Anreiz auf den Verzicht des Autos gemacht werden. Mobile Apps und interaktive Fahrradkarten sollen die Nutzung des Rads attraktiveren.

Jahresprogramm 2020

Zusammenfassend zeigt „Kärnten am Rad“ 140 interessante Ansätze und Best Practice Tools. Damit diese tatsächlich innerhalb der angepeilten fünf Jahre zur Umsetzung gelangen und wie angeführt „nicht in einer Schublade zu verschwinden“, wird eine ambitionierte Steigerung der Jahresprogramme nötig sein. Für die Umsetzung der Maßnahmen ist heuer auch erstmals ein eigenes Radweg-Budget eingeplant. 2,5 Millionen Euro sollen daraus fließen. In Zukunft soll es jährlich ein eigenes Budget und Programm geben.

Zur Budgetfrage meint der Masterplan: „Dem Willen zur Veränderung müssen Investitionen folgen. Synergien finden sich in der Kombination von öffentlichen und privatwirtschaftlichen Ressourcen. Nur so kann sichergestellt werden, dass auch länderübergreifende und grenzüberschreitende Vorhaben nicht im Konzeptions- bzw. Versuchsstadium stecken bleiben.“

So stellt sich das Jahresprogramm 2020 in 40 Maßnahmen dar (download hier). Fahrradboxen sollen an 11 Standorten ausgebaut werden und 14 E-Bike-Kurse angeboten werden.

Download des kompletten Masterplans hier.

Stellungnahme der Radlobby Kärnten zum Masterplan hier.

Alle Bilder: Screenshots aus dem Masterplan „Kärnten am Rad“

Veröffentlicht am 14. Juni 2020