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Von Dunav bis Salzach: Radtourismus, Wegweisung, Forschungsergebnisse

Dunav, Dunarea, Donau: der mächtige Strom bietet auch hervorragendes Potential für Radtourismus und klimafreundlichen Nahverkehr per Fahrrad. Österreich ist federführend in einem Projektkonsortium, das dieses Potential zu heben versucht. Auch an der Salzach ist Radkompetenz mehrfach am Werk: con.sens mobilitätsdesign hat neue Rad-Wegweiser im Testbetrieb und das Bicycle Obervatory bringt neue Erkenntnisse. Radkompetenz-Mitglied Innovametall wiederum zählt zu den Preisträgern des VCÖ-Preises. Unsere Mitglieder-News:

Europa-Projekt: Danube Cycle Plans

Im internationalen Projekt Danube Cycle Plans, das am 28. September 2020 mit einer Online-Konferenz eröffnet wurde, dreht sich alles um den Radverkehr entlang der Donau. Der soll nicht nur für Urlaubsgäste möglichst attraktiv gestaltet, sondern ein wichtiger Baustein für nachhaltige Mobilität in der Donauregion werden. Die Radkompetenz-Mitglieder Bundesministerium für Klimaschutz (BMK) und Verracon entwickeln dafür gemeinsam mit RadexpertInnen aus acht weiteren Donauländern bis zum Jahr 2022 eine gemeinsame Strategie („Danube Cycling Strategy“), um das Fahrrad als gleichwertiges, umweltfreundliches, und gesundheitsförderndes Verkehrsmittel im Donauraum zu stärken. Auf nationaler Ebene werden Radwegenetze festgelegt und an den Grenzen zu einem donauweiten Netz („Danube Cycle Route Network“) verbunden. Gemeinsame Mindestqualitätsstandards für den Ausbau der Radinfrastruktur ergeben im Abgleich mit dem derzeitigen Bestand ein Bild des notwendigen Investitionsbedarfs in der Donauregion. Radbotschafter („Danube Cycling Ambassadors“) sollen mit ihren Geschichten im eigenen Land bzw. in den anderen Ländern des Donauraums Hemmnisse in der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen abbauen helfen und Bewusstsein für den Mehrwert des Radfahrens schaffen.

Innovative Salzburger Rad-Wegweisung im Testbetrieb

Die Stadt Salzburg hat sich zum Ziel gesetzt, den Fahrradanteil bis zum Jahr 2025 von derzeit 20% auf mindestens 24% zu steigern. Radkompetenz-Mitglied con.sens mobilitätsdesign  hat federführend ein Radhauptnetz entwickelt, welches im Salzburger Gemeinderat einstimmig beschlossen wurde. An der Umsetzung des Maßnahmenprogrammes wird seither kontinuierlich gearbeitet.

Als zusätzliche Verbesserung für die Radfahrenden hat con.sens mobilitätsdesign nun in Kooperation mit dem Ingenieurbüro kleeplan ein innovatives Rad-Wegweisungskonzept entwickelt. Das Konzept setzt schwerpunktmäßig auf Bodenmarkierungen auf der Fahrbahn bzw. dem Radweg, die für bessere Orientierung sorgen. Insbesondere an Kreuzungen und Weggabelungen wird den Radfahrenden damit intuitiv die Fahrtrichtung verdeutlicht. Die Bodenmarkierungen der Routen entsprechen farblich dem Schemaplan des Radhauptnetzes und entfalten aufgrund des Wiedererkennungswertes und der Präsenz im öffentlichen Raum eine Werbewirksamkeit für das Radfahren in Salzburg.

Seit Anfang Oktober ist die Testroute von der Salzach in Richtung Liefering / Freilassing in Betrieb. Radfahrende sind herzlich eingeladen unter radverkehr@stadt-salzburg.at Feedback zu geben und Verbesserungen vorzuschlagen. Auf Basis der Rückmeldungen der Radfahrenden und eigenen Befahrungen wird die Testroute evaluiert. Im kommenden Jahr ist dann die Umsetzung der Wegweisung für das gesamte Salzburger Radhauptnetz geplant.

Am Beginn und Ende der Route sowie an Kreuzungspunkten mit anderen Radhauptrouten werden Informations-Stelen angebracht. Diese informieren über die wesentlichen Ziele entlang der Route und die Fahrzeiten dorthin. An wichtigen Kreuzungspunkten gibt es außerdem zusätzlich eine herkömmliche Wegweisungs-Beschilderung mit Angabe von Zielorten und Entfernungen.

RadfahrerIn ist nicht gleich RadfahrerIn!

Häufig ist von „den“ RadfahrerInnen die Rede. Gemeint sind dabei Menschen, die ein Fahrrad benutzen. Dabei wird viel zu häufig übersehen, dass kein Radfahrer dem anderen gleicht. Neben dem Alter oder den körperlichen Voraussetzungen, entscheidet der (Mobilitäts-) Lebensstil und eine gewisse Wertehaltung über das tatsächliche Mobilitätsverhalten. Und gerade darin unterscheiden sich RadfahrerInnen mitunter sehr stark.

Im Rahmen des Forschungsprojekts Bicycle Observatory – gefördert vom BMK im Programm „Mobilität der Zukunft“ – arbeiteten SoziologInnen, KommunikationsexpertInnen und GeoinformatikerInnen an der Identifikation und Beschreibung verschiedener Typen von RadfahrerInnen. In einem so genannten Designsoziologischen Ansatz, der um Methoden aus dem Bereich der räumlichen Data Science ergänzt wurde, konnten schlussendlich vier Typen identifiziert werden. Diese unterscheiden sich in ihrem Bezug zum Radfahren und in ihrem tatsächlichen Mobilitätsverhalten.

Wie aus den erhobenen Daten hervorgeht, sind die Übergänge zwischen den, durch statistische Clusteranalysen abgegrenzten, Typen fließend. Mitunter sind RadfahrerInnen auch mehreren Typen zuzuordnen – abhängig beispielsweise vom konkreten Wegzweck.

Um den entwickelten Mixed-Method Ansatz, vor allem aber auch die Komplexität der Ergebnisse bestmöglich darstellen zu können, ging das Projektkonsortium neue Wege in der Wissenschaftsdokumentation und -kommunikation. Unter Federführung von Helios wurde ein Video produziert, in welchem abstrakte Studienergebnisse als Animation umgesetzt und mit Beispielen aus der Realität verbunden wurden. Das Video samt einem begleitenden wissenschaftlichen Artikel steht auf der Projektwebseite hier zur Verfügung. Mehr Informationen stehen unter bicycle-observatory.zgis.at bereit.

Das Forschungsprojekt Bicycle Observatory wird vom Radkompetenzmitglied Universität Salzburg, Z_GIS geleitet, im Konsortium befindet sich auch unser Mitglied PRISMA Solutions. Assoziierte Partner sind u.a. die Bike Citizens und Stadt Salzburg, beide ebenfalls Radkompetenz-Mitglieder. Im Rahmen der virtuellen #AGIT2020 wurden Forschungsaktivitäten und -ergebnisse präsentiert und mit ExpertInnen diskutiert.  Hier gibt es das ganze Webinar zum Nachsehen

VCÖ-Mobilitätspreis Niederösterreich mit Radkompetenz

Eines der Gewinnerprojekte des diesjährigen VCÖ-Mobilitätspreises Niederösterreich entstand unter Beteiligung von Radkompetenz-Mitglied Innovametall:

In Wieselburg ist in jüngster Vergangenheit das Angebot für klimaverträgliche Mobilität stark ausgebaut und erweitert worden. Am Bahnhof wurde im vergangenen Herbst ein neues Mobilitätszentrum eröffnet mit Busbahnhof, überdachten Fahrrad-Abstellplätzen, versperrbaren Fahrradboxen des High-End Modells Safetydock von Radkompetenz-Mitglied Innovametall, E-Tankstellen und einer barrierefreien Fußgängerbrücke. Der diesjährige VCÖ-Mobilitätspreis NÖ stand unter dem Motto „Verkehr auf Klimakurs bringen“. LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf betonte den Ausbau des Radverkehrs: „Besonders kurze Strecken können zu Fuß oder mit dem Rad bewältigt werden. Unser Ziel ist es, den Radanteil in Niederösterreich in den nächsten Jahren zu verdoppeln. Denn wir müssen dem Klimawandel aktiv entgegentreten.“ Alle Preisträger des VCÖ Mobilitätspreises finden Sie hier.

Fotos: Marko Mestrovic, Kleeplan, Innovametall

 

Veröffentlicht am 21. Oktober 2020