Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Vater Kind am Rad

Die Corona-Krise dauert nun schon mehr als ein Jahr. Eine der erstaunlichsten Folgen ist der Zuwachs von Radverkehr und Radverkauf. Egal ob für Alltagsfahrten oder sportliche Aktivitäten – das Fahrrad hat seit dem vergangenen Jahr deutlich an Popularität und Bedeutung gewonnen. Die Radkompetenz-Mitglieder Bike Citizens, Fahrrad Wien und KTM Fahrrad bestätigen diesen Trend, der in vielen europäischen Ländern ähnlich verläuft.

Befragungen zeigen: Vorsatz wird Wirklichkeit

Die für die Eindämmung der Covid-Pandemie verordneten Beschränkungen der alltäglichen Mobilität haben sich massiv ausgewirkt. Bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres stand für viele ÖsterreicherInnen fest, dass zu Fuß gehen und Rad fahren in Zukunft – auch nach Abklingen der Covid-19-Pandemie – viel mehr an Bedeutung gewinnen wird. In einer Umfrage, die der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) unter 2.500 Personen Anfang April 2020 online durchgeführt hat, gaben 26 Prozent an, dass sie mehr mit dem Fahrrad fahren möchten. Dieser Vorsatz bestätigte sich einerseits im Modal Split von Wien, andererseits in einer weiteren Befragung des VCÖ: Im November bestätigte diese, dass tatsächlich 26 Prozent häufiger mit dem Rad unterwegs waren.  Nur bei Gehen und Fahrrad war dabei der Anteil jener, die das Verkehrsmittel häufiger nutzen höher, als der Anteil jener, die es weniger nutzen. 26 Prozent gaben an häufiger Rad zu fahren, 18 Prozent, dass sie seltener Radfahren.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

„Noch nie in der zweiten Republik hat sich das Mobilitätsverhalten innerhalb eines Jahres so stark verändert wie durch die Covid-19-Pandemie im heurigen Jahr“, bestätigte VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Aus den Antworten der VCÖ-Umfrage wird deutlich, dass nach Abklingen der Covid-19-Pandemie die erforderlichen Verkehrsinvestitionen in nachhaltige Mobilität fließen sollen:

VCÖ Grafik

Modal Split in Wien wie ausgewechselt

Radfahren und Zu-Fuß-Gehen erwiesen sich in Wien als krisenfest im Pandemiejahr 2020. Das zeigt die Erhebung der Verkehrsmittelwahl im Modal Split 2020, der von den Wiener Linien veröffentlicht wurde: 46 Prozent der Wege wurden mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt. Der Öffentliche Verkehr nahm stark ab, der Radverkehr legte um rund 30% zu. Radkompetenz-Mitglied Fahrrad Wien führt dies darauf zurück, dass Home Office, Fernunterricht und Lockdowns das Mobilitätsverhalten der WienerInnen stark beeinflussten, auch der Aktionsradius verkürzte sich.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Wie sehr sich die Gesamtzahl der Wege verringert hat und ob daher die Prozentzuwächse auch reale Zuwäsche an Fahrradbewegung in absoluten Zahlen bedeuten, das geht aus dem Bericht der Wiener Linien nicht hervor. Reale Zuwächse sind jedoch ganz klar an den Wiener Zählstellen erkennbar. Im Jahr 2020 wurden um 12 Prozent mehr Radfahrende gezählt als im Jahr davor. Den stärksten Zuwachs gab es im Mai (+45%) und September (+23%) im Vergleich von 2020 zum Jahr 2019. Der Tag mit dem meisten gezählten Radverkehr aller Zeiten in Wien war der Dienstag 30. Juni 2020 mit 10.389 Radfahrenden am Opernring.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Alle Details zu den Zahlen finden Sie hier bei Fahrrad Wien.

Auch in Budapest nahm der Radverkehr massiv zu, die Budapester Verkehrsverwaltung BKK (Budapesti Közlekedési Központ) spricht von 15% Zunahme im Jahr 2020. Die fünf öffentlichen Radzählstellen meldeten 2.771.710 RadfahrerInnen, die höchste Zahl seit der Installation der Anlagen im Jahr 2017. Die Winterradzahlen stiegen sogar um 61% im Vergleich von Dezember 2020 und 2019.

Datenlage aus Bike Citizens App bestätigt den Aufschwung

Laut Radkompetenz-Mitglied Bike Citizens spiegelt sich diese Entwicklung auch im Nutzungsverhalten der KundInnnen ihrer Navigations-App wieder. „Während der erste Lockdown noch europaweit zu einem allgemein Mobilitätsrückgang geführt hat, verzeichnet die Bike Citizens App einen großen Useranstieg in den darauffolgenden Monaten“, erzählt Geschäftsführerin Elisabeth Felberbauer. Außerdem wurden die Ausfahrten mit dem Rad länger. Allerdings stellte sie fest, dass die regelmäßigen Fahrten ins Büro im Rahmen der Bike2Work Kampagnen, die mit der Bike Citizesn App aufgezeichnet wurden, im April und Mai zurückgingen.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Entwicklung der Nutzungen in den Lockdowns 2020

Die Bike Citizens Zahlen beruhen auf einer europaweiten Auswertung, darunter fallen die Länder Deutschland, Österreich, Ungarn, Frankreich, Belgien, GB, Niederlande, Spanien und Italien. Speziell für Wien bestätigen die Daten, dass das Radfahren insbesondere im 2. und 3. Lockdown an Bedeutung gewonnen hat: „Die Zahlen zeigen, dass das Fahrrad auch über den dritten Lockdown hinaus das Freiheitssymbol in der Krise bleibt“, ist das Bike Citizens-Team überzeugt.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Fahrradhandel sieht hohe Nachfrage und Liefer-Engpässe

„Wir haben noch nie so viel investiert“, sagt Stefan Limbrunner, Geschäftsführer von Radkompetenz-Mitglied KTM Fahrrad. Das Unternehmen beschäftigt in Mattighofen seit dem vergangenen Jahr um 15 Prozent mehr MitarbeiterInnen. Es werden 1.000 Räder pro Tag montiert – vor der Pandemie waren es 800. Um die enorm gestiegene Nachfrage nach KTM-Rädern  zu decken, müssten allerdings 1.200 Räder pro Tag montiert werden. Doch oft mangele es laut Limbrunner an den fehlenden Komponenten, die in der durch Corona strapazierten Lieferkette hängen bleiben – ein Schickal, das alle Radproduzenten und den Handel mit Ersatzteilen betrifft.

„Noch nie sind im Februar so viele Fahrräder verkauft worden wie heuer. 450.000 werden es wohl heuer werden“, so schätzt Holger Schwarting, Chef von Sport 2000 im Interview mit dem Standard. Bereits 2019 wurden in Österreich knapp 420.000 Fahrräder verkauft, 170.000 davon wurden in Österreich produziert, wobei bereits 2019 das produktionsstärkste Jahr seit Beginn der Aufzeichnung war. Einen Großteil der genannten heimischen Räder produzierte KTM Fahrrad. KTM stellt weitere MitarbeiterInnen ein, neue Hallen wurden in Betrieb genommen. Neu ist auch ein Zwei-Schicht-Betrieb in der Lackieranlage, der erstmals nötig wurde um die Nachfrage zu decken.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Neue Produktionhalle von KTM Fahrrad in Mattighofen (OÖ)

Detaillierte Fahrradverkaufszahlen des Verbandes der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ) für 2020 zeigen den Boom deutlich: rund 490.000 neue Fahrräder wurden verkauft, das ist ein Zuwachs von fast zwölf Prozent gegenüber 2019 und eine Rekordzahl seit der Jahrtausendwende (siehe Grafik, interaktiv beim Online-Standard).

Statistik

Eine Fortsetzung des bereits im vergangenen Jahr verzeichneten Anstiegs gilt allerdings als sicher. Bereits Ende Mai 2020 stellte der Verband fest: „Die jüngsten Entwicklungen in der COVID-19 Krise bestätigen die tragende Rolle des Fahrrades zusätzlich zum Sportgerät als systemrelevantes und gesundes Verkehrsmittel.“ Darüber hinaus wurde ein Trend zum regionalen Einkauf im Fachhandel verzeichnet. „Entscheidend dafür: Qualität, Beratung und Service,“ so der VSSÖ.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Die im Lockdown menschenleeren Fahrradgeschäfte wurden im Jahr 2020 rasch leergekauft.

Der Trend zeigt sich auch auf der Gebrauchtplattform Willhaben im Jahr 2020: Rund 30 Millionen Stichwortsuchen in Verbindung mit „Fahrrad“ wurden getätigt. Im Februar 2021 schienen 25% mehr Fahrrad-Anzeigen als im Februar des Vorjahres auf. Die Nachfrage nach Kinderfahrrädern hat sich bei Frühjahrsbeginn 2021 gegenüber 2020 sogar verdreifacht.

E-Mobilität als Zukunftsweg

Auch die NiederländerInnen haben haben im vergangenen Jahr 1,1 Millionen Räder gekauft. Diese Zahl hat auch insofern Neuheitswert, als die Hälfte davon E-Bikes waren. Generell stellten die Branchenverbände RAI Vereniging und Bovag einen Anstieg der Fahrradverkaufszahlen von 9% im Vergleich zu 2019 fest, für E-Bikes macht dieser jedoch 30% aus.

Aus Deutschland meldet der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) für das Jahr 2020 einen Anstieg von 17 Prozent in der Zahl der verkauften Fahrräder. Teilweise waren die Lager ausverkauft, nachgefragt wurden alle Fahrradkategorien von der Freizeitvariante zum Kinderrad und vom Cargo-Bike bis zum E-Bike. In Deutschland wurden laut ZIV 2020 nochmals 43,4 Prozent mehr E Bikes verkauft als im Jahr 2019. BranchenvertreterInnen rechnen damit, dass in rund zwei Jahren jedes zweite Fahrrad ein E-Bike sein wird.

Für Österreich kann ebenfalls eine deutliche Zunahme an elektrisch unterstützten Fahrrädern, von Mountain- bis  Cargobike, erwartet werden. Der Großhändler Sport 2000 bestätigte, dass ein Viertel aller 2020 verkauften Fahrräder mit E-Motor ausgestattet waren. Diesen Trend hat auch das Klimaschutzministerium (BMK) erkannt: Auch 2021 gibt es Förderungen für E-Fahrrädern und E-Transporträdern und Transporträdern in der Höhe von bis zu 1.000 Euro. Darüber hinaus wurde der Mehrwertsteuersatz für Fahrrad-Reparaturleistungen zu Jahresbeginn von 20 auf 10 Prozent gesenkt. Dazu Bundesministerin Leonore Gewessler: „Mit der klimaaktiv mobil Fahrradoffensive werden auch 2021 seitens des Bundes bis zu 40 Millionen Euro investiert. Eine Win-Win-Situation: Wir setzen wichtige Impulse für eine klimafreundliche Mobilität der Zukunft, Bewegung und beleben mit Klimaschutzinvestitionen unsere regionale Wirtschaft“.

BMK KTM Bosch

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler mit Heidemarie Paul von Bosch eBike Systems Österreich und Stefan Limbrunner, Geschäftsführer von KTM Fahrrad

Fotos: www.vaude.com | pd-f, Luka Gorjup, Gadermeier, BMK, Starbike Wien

Radkompetenz-Mitglieder in diesem Artikel:

Mehr von diesen Mitgliedern:

Diesen Artikel teilen:

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Diesen Artikel teilen:

Vater Kind am Rad

Die Corona-Krise dauert nun schon mehr als ein Jahr. Eine der erstaunlichsten Folgen ist der Zuwachs von Radverkehr und Radverkauf. Egal ob für Alltagsfahrten oder sportliche Aktivitäten – das Fahrrad hat seit dem vergangenen Jahr deutlich an Popularität und Bedeutung gewonnen. Die Radkompetenz-Mitglieder Bike Citizens, Fahrrad Wien und KTM Fahrrad bestätigen diesen Trend, der in vielen europäischen Ländern ähnlich verläuft.

Befragungen zeigen: Vorsatz wird Wirklichkeit

Die für die Eindämmung der Covid-Pandemie verordneten Beschränkungen der alltäglichen Mobilität haben sich massiv ausgewirkt. Bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres stand für viele ÖsterreicherInnen fest, dass zu Fuß gehen und Rad fahren in Zukunft – auch nach Abklingen der Covid-19-Pandemie – viel mehr an Bedeutung gewinnen wird. In einer Umfrage, die der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) unter 2.500 Personen Anfang April 2020 online durchgeführt hat, gaben 26 Prozent an, dass sie mehr mit dem Fahrrad fahren möchten. Dieser Vorsatz bestätigte sich einerseits im Modal Split von Wien, andererseits in einer weiteren Befragung des VCÖ: Im November bestätigte diese, dass tatsächlich 26 Prozent häufiger mit dem Rad unterwegs waren.  Nur bei Gehen und Fahrrad war dabei der Anteil jener, die das Verkehrsmittel häufiger nutzen höher, als der Anteil jener, die es weniger nutzen. 26 Prozent gaben an häufiger Rad zu fahren, 18 Prozent, dass sie seltener Radfahren.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

„Noch nie in der zweiten Republik hat sich das Mobilitätsverhalten innerhalb eines Jahres so stark verändert wie durch die Covid-19-Pandemie im heurigen Jahr“, bestätigte VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Aus den Antworten der VCÖ-Umfrage wird deutlich, dass nach Abklingen der Covid-19-Pandemie die erforderlichen Verkehrsinvestitionen in nachhaltige Mobilität fließen sollen:

VCÖ Grafik

Modal Split in Wien wie ausgewechselt

Radfahren und Zu-Fuß-Gehen erwiesen sich in Wien als krisenfest im Pandemiejahr 2020. Das zeigt die Erhebung der Verkehrsmittelwahl im Modal Split 2020, der von den Wiener Linien veröffentlicht wurde: 46 Prozent der Wege wurden mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt. Der Öffentliche Verkehr nahm stark ab, der Radverkehr legte um rund 30% zu. Radkompetenz-Mitglied Fahrrad Wien führt dies darauf zurück, dass Home Office, Fernunterricht und Lockdowns das Mobilitätsverhalten der WienerInnen stark beeinflussten, auch der Aktionsradius verkürzte sich.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Wie sehr sich die Gesamtzahl der Wege verringert hat und ob daher die Prozentzuwächse auch reale Zuwäsche an Fahrradbewegung in absoluten Zahlen bedeuten, das geht aus dem Bericht der Wiener Linien nicht hervor. Reale Zuwächse sind jedoch ganz klar an den Wiener Zählstellen erkennbar. Im Jahr 2020 wurden um 12 Prozent mehr Radfahrende gezählt als im Jahr davor. Den stärksten Zuwachs gab es im Mai (+45%) und September (+23%) im Vergleich von 2020 zum Jahr 2019. Der Tag mit dem meisten gezählten Radverkehr aller Zeiten in Wien war der Dienstag 30. Juni 2020 mit 10.389 Radfahrenden am Opernring.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Alle Details zu den Zahlen finden Sie hier bei Fahrrad Wien.

Auch in Budapest nahm der Radverkehr massiv zu, die Budapester Verkehrsverwaltung BKK (Budapesti Közlekedési Központ) spricht von 15% Zunahme im Jahr 2020. Die fünf öffentlichen Radzählstellen meldeten 2.771.710 RadfahrerInnen, die höchste Zahl seit der Installation der Anlagen im Jahr 2017. Die Winterradzahlen stiegen sogar um 61% im Vergleich von Dezember 2020 und 2019.

Datenlage aus Bike Citizens App bestätigt den Aufschwung

Laut Radkompetenz-Mitglied Bike Citizens spiegelt sich diese Entwicklung auch im Nutzungsverhalten der KundInnnen ihrer Navigations-App wieder. „Während der erste Lockdown noch europaweit zu einem allgemein Mobilitätsrückgang geführt hat, verzeichnet die Bike Citizens App einen großen Useranstieg in den darauffolgenden Monaten“, erzählt Geschäftsführerin Elisabeth Felberbauer. Außerdem wurden die Ausfahrten mit dem Rad länger. Allerdings stellte sie fest, dass die regelmäßigen Fahrten ins Büro im Rahmen der Bike2Work Kampagnen, die mit der Bike Citizesn App aufgezeichnet wurden, im April und Mai zurückgingen.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Entwicklung der Nutzungen in den Lockdowns 2020

Die Bike Citizens Zahlen beruhen auf einer europaweiten Auswertung, darunter fallen die Länder Deutschland, Österreich, Ungarn, Frankreich, Belgien, GB, Niederlande, Spanien und Italien. Speziell für Wien bestätigen die Daten, dass das Radfahren insbesondere im 2. und 3. Lockdown an Bedeutung gewonnen hat: „Die Zahlen zeigen, dass das Fahrrad auch über den dritten Lockdown hinaus das Freiheitssymbol in der Krise bleibt“, ist das Bike Citizens-Team überzeugt.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Fahrradhandel sieht hohe Nachfrage und Liefer-Engpässe

„Wir haben noch nie so viel investiert“, sagt Stefan Limbrunner, Geschäftsführer von Radkompetenz-Mitglied KTM Fahrrad. Das Unternehmen beschäftigt in Mattighofen seit dem vergangenen Jahr um 15 Prozent mehr MitarbeiterInnen. Es werden 1.000 Räder pro Tag montiert – vor der Pandemie waren es 800. Um die enorm gestiegene Nachfrage nach KTM-Rädern  zu decken, müssten allerdings 1.200 Räder pro Tag montiert werden. Doch oft mangele es laut Limbrunner an den fehlenden Komponenten, die in der durch Corona strapazierten Lieferkette hängen bleiben – ein Schickal, das alle Radproduzenten und den Handel mit Ersatzteilen betrifft.

„Noch nie sind im Februar so viele Fahrräder verkauft worden wie heuer. 450.000 werden es wohl heuer werden“, so schätzt Holger Schwarting, Chef von Sport 2000 im Interview mit dem Standard. Bereits 2019 wurden in Österreich knapp 420.000 Fahrräder verkauft, 170.000 davon wurden in Österreich produziert, wobei bereits 2019 das produktionsstärkste Jahr seit Beginn der Aufzeichnung war. Einen Großteil der genannten heimischen Räder produzierte KTM Fahrrad. KTM stellt weitere MitarbeiterInnen ein, neue Hallen wurden in Betrieb genommen. Neu ist auch ein Zwei-Schicht-Betrieb in der Lackieranlage, der erstmals nötig wurde um die Nachfrage zu decken.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Neue Produktionhalle von KTM Fahrrad in Mattighofen (OÖ)

Detaillierte Fahrradverkaufszahlen des Verbandes der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ) für 2020 zeigen den Boom deutlich: rund 490.000 neue Fahrräder wurden verkauft, das ist ein Zuwachs von fast zwölf Prozent gegenüber 2019 und eine Rekordzahl seit der Jahrtausendwende (siehe Grafik, interaktiv beim Online-Standard).

Statistik

Eine Fortsetzung des bereits im vergangenen Jahr verzeichneten Anstiegs gilt allerdings als sicher. Bereits Ende Mai 2020 stellte der Verband fest: „Die jüngsten Entwicklungen in der COVID-19 Krise bestätigen die tragende Rolle des Fahrrades zusätzlich zum Sportgerät als systemrelevantes und gesundes Verkehrsmittel.“ Darüber hinaus wurde ein Trend zum regionalen Einkauf im Fachhandel verzeichnet. „Entscheidend dafür: Qualität, Beratung und Service,“ so der VSSÖ.

Covid und Mobilität: Radfahren bringt Freiheit in der Krise

Die im Lockdown menschenleeren Fahrradgeschäfte wurden im Jahr 2020 rasch leergekauft.

Der Trend zeigt sich auch auf der Gebrauchtplattform Willhaben im Jahr 2020: Rund 30 Millionen Stichwortsuchen in Verbindung mit „Fahrrad“ wurden getätigt. Im Februar 2021 schienen 25% mehr Fahrrad-Anzeigen als im Februar des Vorjahres auf. Die Nachfrage nach Kinderfahrrädern hat sich bei Frühjahrsbeginn 2021 gegenüber 2020 sogar verdreifacht.

E-Mobilität als Zukunftsweg

Auch die NiederländerInnen haben haben im vergangenen Jahr 1,1 Millionen Räder gekauft. Diese Zahl hat auch insofern Neuheitswert, als die Hälfte davon E-Bikes waren. Generell stellten die Branchenverbände RAI Vereniging und Bovag einen Anstieg der Fahrradverkaufszahlen von 9% im Vergleich zu 2019 fest, für E-Bikes macht dieser jedoch 30% aus.

Aus Deutschland meldet der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) für das Jahr 2020 einen Anstieg von 17 Prozent in der Zahl der verkauften Fahrräder. Teilweise waren die Lager ausverkauft, nachgefragt wurden alle Fahrradkategorien von der Freizeitvariante zum Kinderrad und vom Cargo-Bike bis zum E-Bike. In Deutschland wurden laut ZIV 2020 nochmals 43,4 Prozent mehr E Bikes verkauft als im Jahr 2019. BranchenvertreterInnen rechnen damit, dass in rund zwei Jahren jedes zweite Fahrrad ein E-Bike sein wird.

Für Österreich kann ebenfalls eine deutliche Zunahme an elektrisch unterstützten Fahrrädern, von Mountain- bis  Cargobike, erwartet werden. Der Großhändler Sport 2000 bestätigte, dass ein Viertel aller 2020 verkauften Fahrräder mit E-Motor ausgestattet waren. Diesen Trend hat auch das Klimaschutzministerium (BMK) erkannt: Auch 2021 gibt es Förderungen für E-Fahrrädern und E-Transporträdern und Transporträdern in der Höhe von bis zu 1.000 Euro. Darüber hinaus wurde der Mehrwertsteuersatz für Fahrrad-Reparaturleistungen zu Jahresbeginn von 20 auf 10 Prozent gesenkt. Dazu Bundesministerin Leonore Gewessler: „Mit der klimaaktiv mobil Fahrradoffensive werden auch 2021 seitens des Bundes bis zu 40 Millionen Euro investiert. Eine Win-Win-Situation: Wir setzen wichtige Impulse für eine klimafreundliche Mobilität der Zukunft, Bewegung und beleben mit Klimaschutzinvestitionen unsere regionale Wirtschaft“.

BMK KTM Bosch

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler mit Heidemarie Paul von Bosch eBike Systems Österreich und Stefan Limbrunner, Geschäftsführer von KTM Fahrrad

Fotos: www.vaude.com | pd-f, Luka Gorjup, Gadermeier, BMK, Starbike Wien

Radkompetenz-Mitglieder in diesem Artikel:

Mehr von diesen Mitgliedern: