Erster pan-europäischer Masterplan zur Förderung des Radverkehrs beschlossen!

Erster pan-europäischer Masterplan zur Förderung des Radverkehrs beschlossen!

Von 17. bis 18. Mai 2021 fand in Wien und im virtuellen Raum die 5. MinisterInnenkonferenz des UNECE/WHO Pan-Europäischen Programms für Verkehr, Gesundheit und Umwelt (THE PEP) statt. Mit über 850 registrierten TeilnehmerInnen handelt es sich um die bis dato größte THE PEP MinisterInnenkonferenz seit Bestehen des Programms. Ein Ergebnis ist die „Wiener Deklaration“ und der erste länderübergreifende Masterplan für Radverkehr. Österreich wird ein pan-Europäisches Kompetenzzentrum für Aktive Mobilität einrichten.

Unter dem Motto „Eine bessere Zukunft bauen – Die Weichen stellen für eine neue, saubere, sichere, gesunde und integrative Mobilität“ lud Österreich zur Konferenz ein. Über 850 TeilnehmerInnen aus 41 Ländern, darunter 46 MinisterInnen und StaatssekretärInnen, berieten über Chancen und Möglichkeiten umweltbewusster und gesunder Mobilität. (Presseaussendung)

Wiener Deklaration mit Pan-Europäischem Masterplan Radfahren

Zentrales Element und Ziel der diesjährigen Konferenz war die Verabschiedung der „Wiener Deklaration“. Die „Wiener Deklaration“ enthält insbesondere auch den ersten Pan-Europäischen Masterplan zur Förderung des Radverkehrs. Dieser auf Initiative Österreichs und Frankreichs erstellte Masterplan setzt über Ländergrenzen hinweg wegweisende Impulse im Bereich der Aktiven Mobilität. So soll bis 2030 der Radverkehr in der pan-europäischen Region verdoppelt werden. Dabei waren die Radkompetenz-Mitglieder BMK – klimaaktiv mobil und Verracon federführend beteiligt. Der Pan-Europäischer Masterplan Radfahren ist hier zum download erhältlich: PDF

Als weitere Bestandteile der Wiener Deklaration sind Empfehlungen für umweltfreundlichen und gesunden nachhaltigen Verkehr, politische Empfehlungen für Eco-Driving, Schlussfolgerungen und Empfehlungen des Handbuchs für nachhaltigen Verkehr und Stadtplanung, sowie Fakten und Zahlen zum Stand des gesunden und umweltfreundlichen Verkehrs enthalten.

Erster pan-europäischer Masterplan zur Förderung des Radverkehrs beschlossen!

Leonore Gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz (BMK) bei der Konferenz

„Mit der Verkehrswende schaffen wir unsere Klimaziele. Aktive Mobilität wirkt sich nicht nur positiv auf das Klima aus, auch die gesundheitlichen Aspekte und viele neue Green Jobs, die dabei entstehen, liegen auf der Hand. Deshalb unterstützen wir mit großer Freude die Wiener Deklaration und den Beschluss zum ersten Pan-Europäischen Masterplan zur Förderung des Radverkehrs“, so Leonore Gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. „Ich bin stolz, dass Österreich hier eine Vorreiterrolle einnimmt. Ganz in diesem Sinne gehen wir voran und werden in Österreich ein Pan-Europäisches THE PEP Kompetenzzentrum für Aktive Mobilität einrichten“, zeichnet die Bundesministerin den weiteren Weg.

Welche Ziele verfolgt der Masterplan?

Die THE PEP Mitgliedsstaaten setzen sich in Wien das Ziel, nationale Radverkehrsstrategien zu erstellen, den Ausbau der Infrastruktur für Aktive Mobilität voranzutreiben und das Radfahren auch in anderen Politikbereichen wie der Gesundheitspolitik und der Raumplanung stärker zu verankern. Neben dem Bedarf für die fahrradfreundliche Gestaltung der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen wird auch auf den verstärkten Ausbau der Infrastruktur für Aktive Mobilität hingewiesen. Dieser Ausbau sei voranzutreiben, die Qualitätsstandards der Infrastruktur sollen auf ein hohes Niveau gebracht werden. Ebenso soll das Radfahren auch in anderen Politikbereichen wie der Gesundheitspolitik und der Raumplanung stärker verankert und mitgedacht werden, um als gleichwertiges und nachhaltiges Transportmittel wahrgenommen zu werden. Die Verfügungstellung ausreichender Budgetmittel für die wirksame Förderung des Radverkehrs wird betont, um die Synergieeffekte zwischen Radverkehr, Gesundheit und Umwelt zu nutzen.

Die elf Empfehlungen des Masterplans im Detail

Das Kapitel 4 ab Seite 33 listet in elf Kapiteln alle Elemente auf, die für den Aufschwung des Radverkehrs generell herangezogen werden können und müssen. Die Ergebnisse werden von den Ambitionen der beteiligten Länder abhängen – die Empfehlungen selbst bilden jedenfalls eine umfassende Grundlage. So wird auch in der Einleitung festgehalten: “Each country can choose those most applicable to its needs based on its administrative system.” – Schwerpunkte sollen je nach den Rahmenbedingungen der Länder gewählt werden können.

1) Nationale Radverkehrspolitik

Entwicklung eines nationalen Radverkehrsplans: “A systematic plan, adopted internationally, will help national and local stakeholders streamline their efforts to promote cycling in order to address the aforementioned issues.” / Ausbildung und Vernetzung der wichtigsten Stakeholder / Etablierung eines nationalen Radbeauftragten / Nationale Kompetenzzentren oder Fahrradakademien schaffen

2) Verbesserung der regulativen Rahmenbedingungen

Adaption erfolgreicher Vorbilder aus anderen Nationen, die die Sicherheit von Radfahrenden und FußgängerInnen erhöhen / das Potential von E-Bikes und Transporträdern ausschöpfen / Gesetzgebungen und Richtlinien verbessern, falls sie den Radverkehr nicht ausreichend unterstützen / Getrennte Radinfrastruktur wertschätzen: „a divided infrastructure increases cyclists’ perception of safety and may attract more people to cycling.”

3) Benutzerfreundliche Radinfrastruktur

Ein konsistentes trans-europäisches Radverkehrsnetz erschaffen: “In many countries, existing design standards do not reflect cyclists´ needs or ensure a coherent, attractive cycling network; a trans-European cycling network with a consistent interlinked structure should be created.” / EuroVelo-Routen, nationale Routen und lokale Radwege verbinden / MIndestsandard schaffen: “ensure the coherence, directness, safety, comfort and attractiveness of cycling networks should be adopted at the highest possible level” und diese zur Voraussetzung für Fördergelder machen.

Wienzeile Radweg

4. Nachhaltige Förderung und Finanzierung

Investitionen in Radverkehr sollen gesichert werden: „the allocation of sufficient budgetary resources should be an integral part of the development of national cycling plans” / Kooperation mit internationalen Förderstellen / Berücksichtigung der positiven Kosten-Nutzen-Analyse von Radverkehsrmaßnahmen: „Considering the impact of and on cycling should be standard procedure in cost-benefit analyses of transport projects and should include transport, environment and health impacts.”

5. Inklusion von Radverkehrsplanung und Multimodalität

Richtlinien für Radverkehrsplanung und Design Standards erstellen, die es erlauben, flexibel auf die regionalen Umstände einzugehen / Radverkehr in der Raumordnung mitdenken und in Bauordnungen unterstützen / Komfortable Radmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln ermöglichen / Multimodalität durch hochwertiges Fahrradparken, Leihradsysteme und zuständige Agenturen stärken

Erster pan-europäischer Masterplan zur Förderung des Radverkehrs beschlossen!

6. Radfahren durch Anreize und Mobilitätsmanagement bewerben

Steuervorteile zur Änderung von Verhalten und einem höheren Ansehen des Radverkehrs / Ankaufförderungen für Fahrräder, E-Bikes und Transporträder für Gemeinden, Betriebe und Endkonsumenten / Radfahrkampagnen zur Bewerbung von Radfahren in Alltag und Freizeit / Mobilitätsmanagement mit sanften Maßnahmen und Informationen

7. Gesundheit und Sicherheit verbessern

Bewusstsein bei Gesundheitsberufen für die Vorteile des Radfahrens wecken und durch Bildung verbreiten / Verkehrssicherheit gesamtheitlich verstehen und politisch umsetzen

8. Verbesserte Radverkehrsstatistiken für Monitoring und Zielsetzung

Systematische Sammlung von statistischen Radverkehrsdaten / HEAT-Tool für die Berechnung von Gesundheitseffekten verwenden um Investitionen zu erhöhen

9. Radtourismus bewerben

Die Sparte Radtourismus trägt jährlich 44 Milliarden Euro zur Wirtschaftsleistung der EU bei / Nationale Koordinationsstellen für Radtourismus schaffen / Nationale Richtlinien für Radwegweisung einführen und umsetzen

Erster pan-europäischer Masterplan zur Förderung des Radverkehrs beschlossen!

10. Innovative Technologien einsetzen

Routenplanung, Navigation und Datensammlung mit Sensoren / Neue Fahrradmodelle, Technologien und Infrastrukturlösungen fördern / Offene Standards für Datenaustausch schaffen / Logistik der letzten Meile mit Fahrrädern

11. Radfahren als Pandemie-resiliente Verkehrsart fördern

Unvorhersehbare Einschnitte ins gesellschaftliche Leben wie jene der Covid-Pandemie durch widerstandsfähige Verkehrsgestaltung abfedern / teilweisen Ersatz des Öffentlichen Verkehrs durch Radverkehrslösungen ermöglichen / Verkehrsflächen fair umverteilen: „Redistribute road space fairly among all road users“

Erster pan-europäischer Masterplan zur Förderung des Radverkehrs beschlossen!

Jährlich 260 Mrd. Euro volkswirtschaftlicher Nutzen bei Umsetzung

Die Wiener Deklaration fordert eine klare pan-europäische Strategie und stellt damit die Weichen für die Transformation hin zu klimaneutraler, gesundheitsfördernder, effizienter und sicherer Mobilität. Eine Verdoppelung des Radverkehrs in der THE PEP-Region würde Berechnungen zufolge bis zur Zielerreichung 2030 etwa 8 Mio. Tonnen weniger CO2 bedeuten und die Luftverschmutzung und die Kosten des Verkehrslärms reduzieren. Ebenso würden dadurch europaweit auch jährlich 30.000 frühzeitige Todesfälle aufgrund von Bewegungsmangel verhindert werden. Durch die Reduktion der Krankenstandstage und Bewegung als Gesundheitsvorsorge werden jährliche Einsparungen von 85 Mrd. Euro erwartet und auch die volkswirtschaftlichen Kosten von Autounfällen würde sich jährlich um 7,9 Mrd. Euro reduzieren.

Auch auf Beschäftigungsseite sind die Positiveffekte deutlich auszumachen. Die Radverkehrswirtschaft sichert in Pan-Europa 750.000 Arbeitsplätze. Bei einer Verdopplung des Radverkehrs in der EU werden 400.000 neue Arbeitsplätze speziell im Infrastrukturbereich geschaffen und 3,5 Mrd. Umsatzzuwachs in der Radverkehrswirtschaft erwartet. Insgesamt beträgt bei Zielerreichung 2030 der volkswirtschaftliche Nutzen des Radverkehrs in Europa 260 Mrd. Euro pro Jahr.

Österreich wird pan-Europäisches Kompetenzzentrums für Aktive Mobilität einrichten

Aufbauend auf diesem Know-how und in konsequenter Fortführung der Forderungen der Wiener Deklaration, wird Österreich die Federführung beim Aufbau eines internationalen „THE PEP Kompetenzzentrum für Aktive Mobilität“ zur Unterstützung des Kapazitätsaufbaus, des Austauschs bewährter Praktiken und von Umsetzungsinitiativen in den THE PEP Mitgliedstaaten übernehmen.

Über THE PEP – Transport Health Environment Pan European Programme

THE PEP ist ein einzigartiges Dreisektoren-Programm der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Europa und der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE), das die Verkehrs-, Gesundheits- und Umweltsektoren in 56 Ländern miteinander verknüpft. Das alle 5 Jahre stattfindende hochrangige MinisterInnentreffen setzt sich zum Ziel, die sektorübergreifende Zusammenarbeit auf höchster Ebene in den Bereichen Verkehr, Gesundheit und Umwelt auf gesamteuropäischer Ebene zu fördern und so vorwärtsgewandte Meilensteine für eine umweltfreundliche und gesundheitsbewusste Mobilität der Zukunft zu setzen. Die 5. THE PEP High-level Konferenz in Wien wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie online abgehalten.

Österreich ist eines der federführenden Länder in THE PEP und hat aktuell den Vorsitz in THE PEP inne.

Weiterführende Links und Informationen:

Konferenzwebseite THE PEP Vienna 2021: thepepvienna2021.org
Website des THE PEP Sekretariats (EN, FR, RU): thepep.unece.org
Wiener Deklaration: PDF
Pan-Europäischer Masterplan Radfahren: PDF

Fotos: Peter Burgstaller, Christian Fürthner, BMK, VELLO, Stadt Berlin

Veröffentlicht am: 3. Juni 2021Kategorien: Förderer & Initiativen

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Von 17. bis 18. Mai 2021 fand in Wien und im virtuellen Raum die 5. MinisterInnenkonferenz des UNECE/WHO Pan-Europäischen Programms für Verkehr, Gesundheit und Umwelt (THE PEP) statt. Mit über 850 registrierten TeilnehmerInnen handelt es sich um die bis dato größte THE PEP MinisterInnenkonferenz seit Bestehen des Programms. Ein Ergebnis ist die „Wiener Deklaration“ und der erste länderübergreifende Masterplan für Radverkehr. Österreich wird ein pan-Europäisches Kompetenzzentrum für Aktive Mobilität einrichten.

Unter dem Motto „Eine bessere Zukunft bauen – Die Weichen stellen für eine neue, saubere, sichere, gesunde und integrative Mobilität“ lud Österreich zur Konferenz ein. Über 850 TeilnehmerInnen aus 41 Ländern, darunter 46 MinisterInnen und StaatssekretärInnen, berieten über Chancen und Möglichkeiten umweltbewusster und gesunder Mobilität. (Presseaussendung)

Wiener Deklaration mit Pan-Europäischem Masterplan Radfahren

Zentrales Element und Ziel der diesjährigen Konferenz war die Verabschiedung der „Wiener Deklaration“. Die „Wiener Deklaration“ enthält insbesondere auch den ersten Pan-Europäischen Masterplan zur Förderung des Radverkehrs. Dieser auf Initiative Österreichs und Frankreichs erstellte Masterplan setzt über Ländergrenzen hinweg wegweisende Impulse im Bereich der Aktiven Mobilität. So soll bis 2030 der Radverkehr in der pan-europäischen Region verdoppelt werden. Dabei waren die Radkompetenz-Mitglieder BMK – klimaaktiv mobil und Verracon federführend beteiligt. Der Pan-Europäischer Masterplan Radfahren ist hier zum download erhältlich: PDF

Als weitere Bestandteile der Wiener Deklaration sind Empfehlungen für umweltfreundlichen und gesunden nachhaltigen Verkehr, politische Empfehlungen für Eco-Driving, Schlussfolgerungen und Empfehlungen des Handbuchs für nachhaltigen Verkehr und Stadtplanung, sowie Fakten und Zahlen zum Stand des gesunden und umweltfreundlichen Verkehrs enthalten.

Erster pan-europäischer Masterplan zur Förderung des Radverkehrs beschlossen!

Leonore Gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz (BMK) bei der Konferenz

„Mit der Verkehrswende schaffen wir unsere Klimaziele. Aktive Mobilität wirkt sich nicht nur positiv auf das Klima aus, auch die gesundheitlichen Aspekte und viele neue Green Jobs, die dabei entstehen, liegen auf der Hand. Deshalb unterstützen wir mit großer Freude die Wiener Deklaration und den Beschluss zum ersten Pan-Europäischen Masterplan zur Förderung des Radverkehrs“, so Leonore Gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. „Ich bin stolz, dass Österreich hier eine Vorreiterrolle einnimmt. Ganz in diesem Sinne gehen wir voran und werden in Österreich ein Pan-Europäisches THE PEP Kompetenzzentrum für Aktive Mobilität einrichten“, zeichnet die Bundesministerin den weiteren Weg.

Welche Ziele verfolgt der Masterplan?

Die THE PEP Mitgliedsstaaten setzen sich in Wien das Ziel, nationale Radverkehrsstrategien zu erstellen, den Ausbau der Infrastruktur für Aktive Mobilität voranzutreiben und das Radfahren auch in anderen Politikbereichen wie der Gesundheitspolitik und der Raumplanung stärker zu verankern. Neben dem Bedarf für die fahrradfreundliche Gestaltung der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen wird auch auf den verstärkten Ausbau der Infrastruktur für Aktive Mobilität hingewiesen. Dieser Ausbau sei voranzutreiben, die Qualitätsstandards der Infrastruktur sollen auf ein hohes Niveau gebracht werden. Ebenso soll das Radfahren auch in anderen Politikbereichen wie der Gesundheitspolitik und der Raumplanung stärker verankert und mitgedacht werden, um als gleichwertiges und nachhaltiges Transportmittel wahrgenommen zu werden. Die Verfügungstellung ausreichender Budgetmittel für die wirksame Förderung des Radverkehrs wird betont, um die Synergieeffekte zwischen Radverkehr, Gesundheit und Umwelt zu nutzen.

Die elf Empfehlungen des Masterplans im Detail

Das Kapitel 4 ab Seite 33 listet in elf Kapiteln alle Elemente auf, die für den Aufschwung des Radverkehrs generell herangezogen werden können und müssen. Die Ergebnisse werden von den Ambitionen der beteiligten Länder abhängen – die Empfehlungen selbst bilden jedenfalls eine umfassende Grundlage. So wird auch in der Einleitung festgehalten: “Each country can choose those most applicable to its needs based on its administrative system.” – Schwerpunkte sollen je nach den Rahmenbedingungen der Länder gewählt werden können.

1) Nationale Radverkehrspolitik

Entwicklung eines nationalen Radverkehrsplans: “A systematic plan, adopted internationally, will help national and local stakeholders streamline their efforts to promote cycling in order to address the aforementioned issues.” / Ausbildung und Vernetzung der wichtigsten Stakeholder / Etablierung eines nationalen Radbeauftragten / Nationale Kompetenzzentren oder Fahrradakademien schaffen

2) Verbesserung der regulativen Rahmenbedingungen

Adaption erfolgreicher Vorbilder aus anderen Nationen, die die Sicherheit von Radfahrenden und FußgängerInnen erhöhen / das Potential von E-Bikes und Transporträdern ausschöpfen / Gesetzgebungen und Richtlinien verbessern, falls sie den Radverkehr nicht ausreichend unterstützen / Getrennte Radinfrastruktur wertschätzen: „a divided infrastructure increases cyclists’ perception of safety and may attract more people to cycling.”

3) Benutzerfreundliche Radinfrastruktur

Ein konsistentes trans-europäisches Radverkehrsnetz erschaffen: “In many countries, existing design standards do not reflect cyclists´ needs or ensure a coherent, attractive cycling network; a trans-European cycling network with a consistent interlinked structure should be created.” / EuroVelo-Routen, nationale Routen und lokale Radwege verbinden / MIndestsandard schaffen: “ensure the coherence, directness, safety, comfort and attractiveness of cycling networks should be adopted at the highest possible level” und diese zur Voraussetzung für Fördergelder machen.

Wienzeile Radweg

4. Nachhaltige Förderung und Finanzierung

Investitionen in Radverkehr sollen gesichert werden: „the allocation of sufficient budgetary resources should be an integral part of the development of national cycling plans” / Kooperation mit internationalen Förderstellen / Berücksichtigung der positiven Kosten-Nutzen-Analyse von Radverkehsrmaßnahmen: „Considering the impact of and on cycling should be standard procedure in cost-benefit analyses of transport projects and should include transport, environment and health impacts.”

5. Inklusion von Radverkehrsplanung und Multimodalität

Richtlinien für Radverkehrsplanung und Design Standards erstellen, die es erlauben, flexibel auf die regionalen Umstände einzugehen / Radverkehr in der Raumordnung mitdenken und in Bauordnungen unterstützen / Komfortable Radmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln ermöglichen / Multimodalität durch hochwertiges Fahrradparken, Leihradsysteme und zuständige Agenturen stärken

Erster pan-europäischer Masterplan zur Förderung des Radverkehrs beschlossen!

6. Radfahren durch Anreize und Mobilitätsmanagement bewerben

Steuervorteile zur Änderung von Verhalten und einem höheren Ansehen des Radverkehrs / Ankaufförderungen für Fahrräder, E-Bikes und Transporträder für Gemeinden, Betriebe und Endkonsumenten / Radfahrkampagnen zur Bewerbung von Radfahren in Alltag und Freizeit / Mobilitätsmanagement mit sanften Maßnahmen und Informationen

7. Gesundheit und Sicherheit verbessern

Bewusstsein bei Gesundheitsberufen für die Vorteile des Radfahrens wecken und durch Bildung verbreiten / Verkehrssicherheit gesamtheitlich verstehen und politisch umsetzen

8. Verbesserte Radverkehrsstatistiken für Monitoring und Zielsetzung

Systematische Sammlung von statistischen Radverkehrsdaten / HEAT-Tool für die Berechnung von Gesundheitseffekten verwenden um Investitionen zu erhöhen

9. Radtourismus bewerben

Die Sparte Radtourismus trägt jährlich 44 Milliarden Euro zur Wirtschaftsleistung der EU bei / Nationale Koordinationsstellen für Radtourismus schaffen / Nationale Richtlinien für Radwegweisung einführen und umsetzen

Erster pan-europäischer Masterplan zur Förderung des Radverkehrs beschlossen!

10. Innovative Technologien einsetzen

Routenplanung, Navigation und Datensammlung mit Sensoren / Neue Fahrradmodelle, Technologien und Infrastrukturlösungen fördern / Offene Standards für Datenaustausch schaffen / Logistik der letzten Meile mit Fahrrädern

11. Radfahren als Pandemie-resiliente Verkehrsart fördern

Unvorhersehbare Einschnitte ins gesellschaftliche Leben wie jene der Covid-Pandemie durch widerstandsfähige Verkehrsgestaltung abfedern / teilweisen Ersatz des Öffentlichen Verkehrs durch Radverkehrslösungen ermöglichen / Verkehrsflächen fair umverteilen: „Redistribute road space fairly among all road users“

Erster pan-europäischer Masterplan zur Förderung des Radverkehrs beschlossen!

Jährlich 260 Mrd. Euro volkswirtschaftlicher Nutzen bei Umsetzung

Die Wiener Deklaration fordert eine klare pan-europäische Strategie und stellt damit die Weichen für die Transformation hin zu klimaneutraler, gesundheitsfördernder, effizienter und sicherer Mobilität. Eine Verdoppelung des Radverkehrs in der THE PEP-Region würde Berechnungen zufolge bis zur Zielerreichung 2030 etwa 8 Mio. Tonnen weniger CO2 bedeuten und die Luftverschmutzung und die Kosten des Verkehrslärms reduzieren. Ebenso würden dadurch europaweit auch jährlich 30.000 frühzeitige Todesfälle aufgrund von Bewegungsmangel verhindert werden. Durch die Reduktion der Krankenstandstage und Bewegung als Gesundheitsvorsorge werden jährliche Einsparungen von 85 Mrd. Euro erwartet und auch die volkswirtschaftlichen Kosten von Autounfällen würde sich jährlich um 7,9 Mrd. Euro reduzieren.

Auch auf Beschäftigungsseite sind die Positiveffekte deutlich auszumachen. Die Radverkehrswirtschaft sichert in Pan-Europa 750.000 Arbeitsplätze. Bei einer Verdopplung des Radverkehrs in der EU werden 400.000 neue Arbeitsplätze speziell im Infrastrukturbereich geschaffen und 3,5 Mrd. Umsatzzuwachs in der Radverkehrswirtschaft erwartet. Insgesamt beträgt bei Zielerreichung 2030 der volkswirtschaftliche Nutzen des Radverkehrs in Europa 260 Mrd. Euro pro Jahr.

Österreich wird pan-Europäisches Kompetenzzentrums für Aktive Mobilität einrichten

Aufbauend auf diesem Know-how und in konsequenter Fortführung der Forderungen der Wiener Deklaration, wird Österreich die Federführung beim Aufbau eines internationalen „THE PEP Kompetenzzentrum für Aktive Mobilität“ zur Unterstützung des Kapazitätsaufbaus, des Austauschs bewährter Praktiken und von Umsetzungsinitiativen in den THE PEP Mitgliedstaaten übernehmen.

Über THE PEP – Transport Health Environment Pan European Programme

THE PEP ist ein einzigartiges Dreisektoren-Programm der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Europa und der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE), das die Verkehrs-, Gesundheits- und Umweltsektoren in 56 Ländern miteinander verknüpft. Das alle 5 Jahre stattfindende hochrangige MinisterInnentreffen setzt sich zum Ziel, die sektorübergreifende Zusammenarbeit auf höchster Ebene in den Bereichen Verkehr, Gesundheit und Umwelt auf gesamteuropäischer Ebene zu fördern und so vorwärtsgewandte Meilensteine für eine umweltfreundliche und gesundheitsbewusste Mobilität der Zukunft zu setzen. Die 5. THE PEP High-level Konferenz in Wien wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie online abgehalten.

Österreich ist eines der federführenden Länder in THE PEP und hat aktuell den Vorsitz in THE PEP inne.

Weiterführende Links und Informationen:

Konferenzwebseite THE PEP Vienna 2021: thepepvienna2021.org
Website des THE PEP Sekretariats (EN, FR, RU): thepep.unece.org
Wiener Deklaration: PDF
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Fotos: Peter Burgstaller, Christian Fürthner, BMK, VELLO, Stadt Berlin

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