Österreichweite Studie: Potentiale der Radverkehrssteigerung?

Frauen mit Rad

Das Institut für Höhere Studien (IHS) wurde von Radkompetenz-Mitglied klimaaktiv mobil mit einer Studie beauftragt, eine repräsentative Erhebungen zu Potentialen der Radverkehrssteigerung in der österreichischen Bevölkerung nach der Theorie der Verhaltensökonomie durchzuführen und sie mit Ergebnissen aus der TeilnehmerInnen-Schar der Aktion „Österreich radelt“ zu vergleichen. Wir legen die wichtigsten Erkenntnisse der repräsentativen Befragung dar. Kurz zusammengefasst: die zukünftige Radfahrerin ist weiblich, gut gebildet, hat Kinder und lebt nicht in großen Städten. Worauf stützt sich dieses Erkenntnis?

Repräsentative Studie mit 1.500 ÖsterreicherInnen

Die WissenschaftlerInnen des IHS, Dr. Katharina Gangl, Dr. Florian Spitzer und Anna Walter MSc, haben unter Mitarbeit von Michael Keinprecht „Verhaltensökonomische Maßnahmen für Österreich radelt“ auf Basis von Umfrage- und Interviewergebnissen erarbeitet. Dafür wurde eine repräsentative Umfrage durch Karmasin Research durchgeführt, die vom IHS ausgewertet wurde. Die Stichprope dafür umfasste 1.512 Menschen. Dem wurde eine Stichprobe von 2.738 TeilnehmerInnen der Aktion „Österreich radelt“ (ÖR) gegenübergestellt, um Unterschiede feststellen zu können.

Österreichweite Studie: Potentiale der Radverkehrssteigerung?

Die Zusammensetzung der repräsentativen Stichprobe im Vergleich zu jener TeilnehmerInnen-Gruppe von „Österreich radelt“, die bei der offenen Befragung teilnahm. Signifikant ist auch der erwartbare Unterschied der Fahrradnutzung: Schon in der repräsentativen Stichprobe radeln immerhin 47,2% im Sommer täglich, aber nur 12,3% auch im Winter. Unter den ÖR-TeilnehmerInnen radeln 76,5% im Sommer täglich,  34,6 % radeln sogar im Winter täglich.

Rückschlüsse auf Mobilitätsverhalten

Das Ziel war, Rückschlüsse auf Mobilitätsverhalten im Alltag und die Intention, bei ÖR mitzumachen, ziehen zu können. Welche Zielgruppen sprechen auf das Thema, mehr Rad zu fahren, positiv an? Wo kann also Werbung für mehr umweltfreundliche Mobilität per Fahrrad am besten ansetzen? Zum Mobilitästverhalten wurde z.B. abgefragt:

  • Wie häufig nutzen Sie bei Ihren täglichen Wegen die folgenden Verkehrsmittel?
  • Wie viel Zeit verbringen Sie in der kalten/warmen Jahreszeit an einem typischen Tag mit dem Radfahren?
  • Im Vergleich zu bisher, wie häufig möchten Sie in Zukunft das Fahrrad für Alltagswege nutzen?

Die Ergebnisse brachten Unterschiede zwischen den Stichproben zu Tage, in den Zielgruppenanalysen „Nicht-RadlerInnen versus RadlerInnen“ und „motivierte WenigfahrerInnen versus VielfahrerInnen“. Neben soziodemographische Determinanten wie Geschlecht, Alter, Einkommen, Berufstätigkeit, Kinder, Ortsgröße, und Region wurden Faktoren wie Werte, Bewusstsein, Sicherheit, Information und soziale Normen abgefragt:

Österreichweite Studie: Potentiale der Radverkehrssteigerung?

Die Bereitschaft zum Umstieg aufs Fahrrad

Immerhin 73% der ÖsterreciherInnen könne als RadfahrerInne gezählt werden, die täglich bis monatlich Rad fahren. 27% fahren jedoch nie Rad. Nicht-RadlerInnen haben laut der Ergebnisse der Befragung eher geringere Bildung, kommen aus Orten mit mehr als 100.000 Einwohnern, sind nicht erwerbstätig und sind entweder im Jugendlichenalter oder über 70 Jahre alt.

Österreichweite Studie: Potentiale der Radverkehrssteigerung?

Aus dieser Gruppe der Nicht-RadlerInnen wollen jedoch 82,6% nichts an ihrem Radfahrverhalten ändern. Rund 24% sind demzufolge nicht erreichbar für Veränderungen, 3% der Nicht-RadlerInnen schon. Da diese Zahl in der Gesamtrelation sehr gering ist, ist die Hauptzielgruppe für effiziente Motivation zu Radverkehrssteigerng die Gruppe der motivierten WenigfahrerInnen:

Österreichweite Studie: Potentiale der Radverkehrssteigerung?

Wenn man die Gruppe der motivierten WenigfahrerInnen betrachtet, stellt diese immerhin 20% der Bevölkerung dar. Diese fahren seltener als monatlich Rad, möchten aber gerne öfter. In dieser Zielgruppe sind eher Frauen motivierbar. Die nachstehende Tabelle zeigt, dass am ehesten die Altersgruppe der 35-44jährigen mit Universitätsabschluss in Kleinstädten zu mehr Radfahren bewegbar wären, bei „Österreich radelt“ teilzunehmen:

Österreichweite Studie: Potentiale der Radverkehrssteigerung?

Hintergrundinformation zur Studie

Zur Analyse des IHS herangezogen wurden:

  • Literaturrecherche
  • Analyse der Entscheidungsumfelds
  • ExpertInnen-Interviews im Umfeld von Österreich radelt
  • Quantitative Befragung: Repräsentative Stichprobe und ÖR TeilnehmerInnen

Daraufhin folgte die Entwicklung von Maßnahmenvorschlägen für „Österreich radelt“ basierend auf Interviews, Befragung & Literatur.  Determinanten aus der Literatur und internationale Best Practices für Radfahren sind z.B.:

  • Infrastruktur (Aziz et al., 2018)
  • Werte (de Kruijf et al., 2018)
  • Bewusstsein (Yang et al., 2010)
  • Sicherheit (Monsere et al., 2014)
  • Information (Ben-Elia & Ettema, 2011)
  • Soziale Normen (TPB, Nobelt et al., 2014)
  • Kontrolle (TPB, Nobelt et al., 2014)

Die Studie wurden von klimaaktiv mobil, der Initiative des Klimaschutzministeriums, beauftragt. Grafiken: IHS. Foto: Radmodellregion Wels-Umland, W+K Fotografie

Veröffentlicht am: 1. Juni 2021Kategorien: Förderer & Initiativen, Forschung & ProjekteSchlagwörter: ,

Radkompetenz-Mitglieder in diesem Artikel:

Mehr von diesen Mitgliedern:

Diesen Artikel teilen:

Österreichweite Studie: Potentiale der Radverkehrssteigerung?

Diesen Artikel teilen:

Frauen mit Rad

Das Institut für Höhere Studien (IHS) wurde von Radkompetenz-Mitglied klimaaktiv mobil mit einer Studie beauftragt, eine repräsentative Erhebungen zu Potentialen der Radverkehrssteigerung in der österreichischen Bevölkerung nach der Theorie der Verhaltensökonomie durchzuführen und sie mit Ergebnissen aus der TeilnehmerInnen-Schar der Aktion „Österreich radelt“ zu vergleichen. Wir legen die wichtigsten Erkenntnisse der repräsentativen Befragung dar. Kurz zusammengefasst: die zukünftige Radfahrerin ist weiblich, gut gebildet, hat Kinder und lebt nicht in großen Städten. Worauf stützt sich dieses Erkenntnis?

Repräsentative Studie mit 1.500 ÖsterreicherInnen

Die WissenschaftlerInnen des IHS, Dr. Katharina Gangl, Dr. Florian Spitzer und Anna Walter MSc, haben unter Mitarbeit von Michael Keinprecht „Verhaltensökonomische Maßnahmen für Österreich radelt“ auf Basis von Umfrage- und Interviewergebnissen erarbeitet. Dafür wurde eine repräsentative Umfrage durch Karmasin Research durchgeführt, die vom IHS ausgewertet wurde. Die Stichprope dafür umfasste 1.512 Menschen. Dem wurde eine Stichprobe von 2.738 TeilnehmerInnen der Aktion „Österreich radelt“ (ÖR) gegenübergestellt, um Unterschiede feststellen zu können.

Österreichweite Studie: Potentiale der Radverkehrssteigerung?

Die Zusammensetzung der repräsentativen Stichprobe im Vergleich zu jener TeilnehmerInnen-Gruppe von „Österreich radelt“, die bei der offenen Befragung teilnahm. Signifikant ist auch der erwartbare Unterschied der Fahrradnutzung: Schon in der repräsentativen Stichprobe radeln immerhin 47,2% im Sommer täglich, aber nur 12,3% auch im Winter. Unter den ÖR-TeilnehmerInnen radeln 76,5% im Sommer täglich,  34,6 % radeln sogar im Winter täglich.

Rückschlüsse auf Mobilitätsverhalten

Das Ziel war, Rückschlüsse auf Mobilitätsverhalten im Alltag und die Intention, bei ÖR mitzumachen, ziehen zu können. Welche Zielgruppen sprechen auf das Thema, mehr Rad zu fahren, positiv an? Wo kann also Werbung für mehr umweltfreundliche Mobilität per Fahrrad am besten ansetzen? Zum Mobilitästverhalten wurde z.B. abgefragt:

  • Wie häufig nutzen Sie bei Ihren täglichen Wegen die folgenden Verkehrsmittel?
  • Wie viel Zeit verbringen Sie in der kalten/warmen Jahreszeit an einem typischen Tag mit dem Radfahren?
  • Im Vergleich zu bisher, wie häufig möchten Sie in Zukunft das Fahrrad für Alltagswege nutzen?

Die Ergebnisse brachten Unterschiede zwischen den Stichproben zu Tage, in den Zielgruppenanalysen „Nicht-RadlerInnen versus RadlerInnen“ und „motivierte WenigfahrerInnen versus VielfahrerInnen“. Neben soziodemographische Determinanten wie Geschlecht, Alter, Einkommen, Berufstätigkeit, Kinder, Ortsgröße, und Region wurden Faktoren wie Werte, Bewusstsein, Sicherheit, Information und soziale Normen abgefragt:

Österreichweite Studie: Potentiale der Radverkehrssteigerung?

Die Bereitschaft zum Umstieg aufs Fahrrad

Immerhin 73% der ÖsterreciherInnen könne als RadfahrerInne gezählt werden, die täglich bis monatlich Rad fahren. 27% fahren jedoch nie Rad. Nicht-RadlerInnen haben laut der Ergebnisse der Befragung eher geringere Bildung, kommen aus Orten mit mehr als 100.000 Einwohnern, sind nicht erwerbstätig und sind entweder im Jugendlichenalter oder über 70 Jahre alt.

Österreichweite Studie: Potentiale der Radverkehrssteigerung?

Aus dieser Gruppe der Nicht-RadlerInnen wollen jedoch 82,6% nichts an ihrem Radfahrverhalten ändern. Rund 24% sind demzufolge nicht erreichbar für Veränderungen, 3% der Nicht-RadlerInnen schon. Da diese Zahl in der Gesamtrelation sehr gering ist, ist die Hauptzielgruppe für effiziente Motivation zu Radverkehrssteigerng die Gruppe der motivierten WenigfahrerInnen:

Österreichweite Studie: Potentiale der Radverkehrssteigerung?

Wenn man die Gruppe der motivierten WenigfahrerInnen betrachtet, stellt diese immerhin 20% der Bevölkerung dar. Diese fahren seltener als monatlich Rad, möchten aber gerne öfter. In dieser Zielgruppe sind eher Frauen motivierbar. Die nachstehende Tabelle zeigt, dass am ehesten die Altersgruppe der 35-44jährigen mit Universitätsabschluss in Kleinstädten zu mehr Radfahren bewegbar wären, bei „Österreich radelt“ teilzunehmen:

Österreichweite Studie: Potentiale der Radverkehrssteigerung?

Hintergrundinformation zur Studie

Zur Analyse des IHS herangezogen wurden:

  • Literaturrecherche
  • Analyse der Entscheidungsumfelds
  • ExpertInnen-Interviews im Umfeld von Österreich radelt
  • Quantitative Befragung: Repräsentative Stichprobe und ÖR TeilnehmerInnen

Daraufhin folgte die Entwicklung von Maßnahmenvorschlägen für „Österreich radelt“ basierend auf Interviews, Befragung & Literatur.  Determinanten aus der Literatur und internationale Best Practices für Radfahren sind z.B.:

  • Infrastruktur (Aziz et al., 2018)
  • Werte (de Kruijf et al., 2018)
  • Bewusstsein (Yang et al., 2010)
  • Sicherheit (Monsere et al., 2014)
  • Information (Ben-Elia & Ettema, 2011)
  • Soziale Normen (TPB, Nobelt et al., 2014)
  • Kontrolle (TPB, Nobelt et al., 2014)

Die Studie wurden von klimaaktiv mobil, der Initiative des Klimaschutzministeriums, beauftragt. Grafiken: IHS. Foto: Radmodellregion Wels-Umland, W+K Fotografie

Radkompetenz-Mitglieder in diesem Artikel:

Mehr von diesen Mitgliedern: