E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Lastenrad

Fast ein Drittel des innerstädtischen Verkehrs geht auf Gütertransport und Zustellungen zurück. Deshalb ist insbesondere die sogenannte „letzte Meile“ prädestiniert für den klimafreundlichen Transport auf Lastenrädern. Dies belegt eine neue Studie der Umweltorganisation Possible und der Active Travel Academy der University of Westminster, in der sich zeigte dass E-Lastenräder im Londoner Stadtzentrum deutlich schneller liefern als herkömmliche Kleintransporter. Auch Wien und Innsbruck widmen sich dem Thema.

Studienergebnisse: fast low-carbon freight

In Großbritannien hat sich laut der Studie die Zahl der mit Lieferwagen zurückgelegten Kilometer in den letzten 25 Jahren verdoppelt, dies führte zur Verschlechterung der Qualität des öffentlichen Raumes, zu höherer Luftverschmutzung und zu mehr Verkehrsunfällen. In Großstädten wie London wird der Platz knapp. Gerade für Gütertransport und Logistik stehen oft wenige Flächen zur Verfügung. Die Zustellung per Lastenrad bietet hier eine schnelle und umweltfreundliche Lösung. E-Lastenräder brauchen weniger Platz als die derzeitigen Zustellfahrzeuge und fahren zudem ohne Verbrennungsmotor, sind also klimaschonend, leise und platzsparend.

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Routenvergleich Lastenrad – Kleintransporter an einem Tag (S. 27 der Studie zu The Promise of Low-Carbon Freight)

In der Studie berechneten WissenschafterInnen rund um Leitautorin Ersilia Verlinghieri anhand von GPS-Daten von „Pedal Me“, einem Transportradunternehmen, das Lieferungen im Stadtzentrum von London durchführt, wie lange ein Lieferwagen für die gleichen Fahrten gebraucht hätte. Berücksichtigt wurden dabei unter anderem Unterschiede der Geschwindigkeit, der Ladekapazität und der Zeit zum Entladen der Fahrzeuge. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass E-Transporträder den dichten Verkehr leichter durchqueren und weniger Zeit für die Parkplatzsuche aufwenden müssen, damit können sie Lieferungen bis zu 60 % schneller durchführen. Während die E-Lastenräder durchschnittlich zehn Pakete pro Stunde lieferten, kam die Modellberechnung herkömmlicher Lieferwägen nur auf sechs Lieferungen in der gleichen Zeit.

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Erstaunliche Ergebnisse: Transpotrad und Lieferwagen legen die selbe Distanz zurück (oben links) aber die Geschwindigkeit des Rades ist im Schnitt deutlich höher (unten links) und die tägliche Einsatzzeit der RadbotInnen ist kürzer (unten rechts).

Schadstoffe deutlich reduziert

Ebenso reduzieren E-Lastenräder die gesamten CO2-Emissionen um etwa ein Drittel im Vergleich zu elektrischen Kleintransportern, und um 90 % im Vergleich zu herkömmlichen Diesel-Lieferwägen, die heute immer noch die überwiegende Mehrheit der Lieferungen durchführen. Wenn Lastenräder nur 10 % der derzeit von herkömmlichen Lieferwagen in London zurückgelegten Kilometer ersetzen würden, könnten sie jährlich mehr als 133.000 Tonnen CO2 und 190.000 Kilogramm Stickoxide einsparen. So würden 1,6 Millionen Lieferwagenkilometer täglich vermieden, 32.000 Lieferwägen würden aus den Straßen Londons verschwinden und durch Transporträder ersetzt werden.

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Ökobilanz der CO2-Emissionen, verursacht durch unterschiedliche Zustellfahrzeuge (Seite 17). Den höchsten CO2-Ausstoß bei E-Transporträdern verursacht die Nahrung der FahrerInnen. Dieser „Kraftstoff“-Ausstoß liegt deutlich unter jenem von E-Lieferwägen.

Vergleichbare Studien zeigten, dass mehr als die Hälfte aller mit Lieferwägen transportierten Waren in Städten auch mit Lastenrädern abgewickelt werden könnten. Dies ist aber auch stark von der Infrastruktur, die das Potential von Lastenrädern aufgreift, abhängig. Wie der Routenvergleich zeigt, ermöglichen gut ausgebaute Radverkehrsnetze kurze Wege für Lastenräder. London sei laut der Studie in dieser Hinsicht schon auf einem guten Weg. Auch Subventionen für Lastenräder, Steuerermäßigungen für die Anschaffung für Betriebe oder die Unterstützung von Infrastruktur wie Ladestationen und speziellen Umweltzonen, könnten helfen Lastenräder stärker zu etablieren, so die StudienautorInnen.

Pilotprojekte in Österreich

Die Studie aus London hat gezeigt, wie schnelle und umweltfreundliche Zustellung mit Lastenrädern in der Stadt funktionieren kann. Auch in Österreich wird bereits untersucht, ob und wie sich der Zustellverkehr auf der sogenannten „letzten Meile“ auch klimaschonend per Lastenrad erledigen ließe.

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Umschlagplatz Stadlauer U-Bahn Station im Test von RemiHub.

Im Wiener Forschungsprojekt RemiHub – der Name bildet ein Akronym aus Straßenbahn-Remise und Logistikhub – wird seit 2018 die Nutzbarkeit von ÖV-Betriebsflächen für nachhaltige City-Logistik erforscht. Dem Projektteam bestehend aus tbw research, TU Wien – Forschungsbereich Verkehrssystemplanung, Wiener Linien und Heavy Pedals Lastenrad GmbH geht es um eine Verlagerung der vormals außerhalb der Stadt gelegenen Paketumschlagsflächen an geeignete, am Öffentlichen Verkehr multimodal angebundene und geteilt genutzte Standorte im Stadtgebiet (CityHubs). Mit dieser Standortverlagerung wird gleichzeitig die Distanz zu den EndkundInnen verringert und die Zustellung per Transportrad für die Paketlogistik optimiert.

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Die Schaffung innerstädtischer Güterumschlagsflächen und Verkürzung der Letzten Meile in der Zustellung – ein zentrales Element von RemiHub.

Innsbruck steigt testweise um

In der Innsbrucker Innenstadt läuft soeben ein vierwöchiger Pilotversuch unter dem Titel „Inns’paket„, der von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) finanziert und vom Arbeitsbereich Intelligente Verkehrssysteme am Institut für Infrastruktur der Uni Innsbruck geleitet wird. Im vom Land Tirol und Stadt Innsbruck unterstützten Projekt wird die emissionsfreie, ganztägige Zustellung im Zentrumsbereich mit Transporträdern in Kooperation mit der Zustellfirma DPD und der Tiroler Supermarktkette MPreis untersucht.

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Der zu ändernde Ist-Zustand in Innbruck im Bild. Der Innsbrucker Pilotversuch soll bis zum 17. September laufen, danach wird evaluiert inwieweit eine Zustellung mit Lastenrädern in Innsbruck breiter ausgerollt werden könnte.

Als wichtiges Thema bei Effizienzvergleichen dieser Art bieten sich auch die Arbeitsbedingungen des Lieferpersonals an, deren Status als regulär Angestellte wie bei Wiens Transportradfirma bis zu SubunternehmerInnen wie bei internationalen Paketdiensten reichen kann und dementsprechend Kosten und soziale Standards hebt oder senkt.

Die gesamte Studie ist bereits hier in der Radkompetenz Wissens-Datenbank nachzulesen:
Ersilia Verlinghieri, Irena Itova, Nicolas Collignon, Rachel Aldred (2021): The Promise of Low-Carbon Freight. Benefits of cargo bikes in London.

 

 

 

Veröffentlicht am: 29. August 2021Kategorien: Forschung & ProjekteSchlagwörter: , ,

Radkompetenz-Mitglieder in diesem Artikel:

Mehr von diesen Mitgliedern:

Diesen Artikel teilen:

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Diesen Artikel teilen:

Lastenrad

Fast ein Drittel des innerstädtischen Verkehrs geht auf Gütertransport und Zustellungen zurück. Deshalb ist insbesondere die sogenannte „letzte Meile“ prädestiniert für den klimafreundlichen Transport auf Lastenrädern. Dies belegt eine neue Studie der Umweltorganisation Possible und der Active Travel Academy der University of Westminster, in der sich zeigte dass E-Lastenräder im Londoner Stadtzentrum deutlich schneller liefern als herkömmliche Kleintransporter. Auch Wien und Innsbruck widmen sich dem Thema.

Studienergebnisse: fast low-carbon freight

In Großbritannien hat sich laut der Studie die Zahl der mit Lieferwagen zurückgelegten Kilometer in den letzten 25 Jahren verdoppelt, dies führte zur Verschlechterung der Qualität des öffentlichen Raumes, zu höherer Luftverschmutzung und zu mehr Verkehrsunfällen. In Großstädten wie London wird der Platz knapp. Gerade für Gütertransport und Logistik stehen oft wenige Flächen zur Verfügung. Die Zustellung per Lastenrad bietet hier eine schnelle und umweltfreundliche Lösung. E-Lastenräder brauchen weniger Platz als die derzeitigen Zustellfahrzeuge und fahren zudem ohne Verbrennungsmotor, sind also klimaschonend, leise und platzsparend.

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Routenvergleich Lastenrad – Kleintransporter an einem Tag (S. 27 der Studie zu The Promise of Low-Carbon Freight)

In der Studie berechneten WissenschafterInnen rund um Leitautorin Ersilia Verlinghieri anhand von GPS-Daten von „Pedal Me“, einem Transportradunternehmen, das Lieferungen im Stadtzentrum von London durchführt, wie lange ein Lieferwagen für die gleichen Fahrten gebraucht hätte. Berücksichtigt wurden dabei unter anderem Unterschiede der Geschwindigkeit, der Ladekapazität und der Zeit zum Entladen der Fahrzeuge. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass E-Transporträder den dichten Verkehr leichter durchqueren und weniger Zeit für die Parkplatzsuche aufwenden müssen, damit können sie Lieferungen bis zu 60 % schneller durchführen. Während die E-Lastenräder durchschnittlich zehn Pakete pro Stunde lieferten, kam die Modellberechnung herkömmlicher Lieferwägen nur auf sechs Lieferungen in der gleichen Zeit.

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Erstaunliche Ergebnisse: Transpotrad und Lieferwagen legen die selbe Distanz zurück (oben links) aber die Geschwindigkeit des Rades ist im Schnitt deutlich höher (unten links) und die tägliche Einsatzzeit der RadbotInnen ist kürzer (unten rechts).

Schadstoffe deutlich reduziert

Ebenso reduzieren E-Lastenräder die gesamten CO2-Emissionen um etwa ein Drittel im Vergleich zu elektrischen Kleintransportern, und um 90 % im Vergleich zu herkömmlichen Diesel-Lieferwägen, die heute immer noch die überwiegende Mehrheit der Lieferungen durchführen. Wenn Lastenräder nur 10 % der derzeit von herkömmlichen Lieferwagen in London zurückgelegten Kilometer ersetzen würden, könnten sie jährlich mehr als 133.000 Tonnen CO2 und 190.000 Kilogramm Stickoxide einsparen. So würden 1,6 Millionen Lieferwagenkilometer täglich vermieden, 32.000 Lieferwägen würden aus den Straßen Londons verschwinden und durch Transporträder ersetzt werden.

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Ökobilanz der CO2-Emissionen, verursacht durch unterschiedliche Zustellfahrzeuge (Seite 17). Den höchsten CO2-Ausstoß bei E-Transporträdern verursacht die Nahrung der FahrerInnen. Dieser „Kraftstoff“-Ausstoß liegt deutlich unter jenem von E-Lieferwägen.

Vergleichbare Studien zeigten, dass mehr als die Hälfte aller mit Lieferwägen transportierten Waren in Städten auch mit Lastenrädern abgewickelt werden könnten. Dies ist aber auch stark von der Infrastruktur, die das Potential von Lastenrädern aufgreift, abhängig. Wie der Routenvergleich zeigt, ermöglichen gut ausgebaute Radverkehrsnetze kurze Wege für Lastenräder. London sei laut der Studie in dieser Hinsicht schon auf einem guten Weg. Auch Subventionen für Lastenräder, Steuerermäßigungen für die Anschaffung für Betriebe oder die Unterstützung von Infrastruktur wie Ladestationen und speziellen Umweltzonen, könnten helfen Lastenräder stärker zu etablieren, so die StudienautorInnen.

Pilotprojekte in Österreich

Die Studie aus London hat gezeigt, wie schnelle und umweltfreundliche Zustellung mit Lastenrädern in der Stadt funktionieren kann. Auch in Österreich wird bereits untersucht, ob und wie sich der Zustellverkehr auf der sogenannten „letzten Meile“ auch klimaschonend per Lastenrad erledigen ließe.

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Umschlagplatz Stadlauer U-Bahn Station im Test von RemiHub.

Im Wiener Forschungsprojekt RemiHub – der Name bildet ein Akronym aus Straßenbahn-Remise und Logistikhub – wird seit 2018 die Nutzbarkeit von ÖV-Betriebsflächen für nachhaltige City-Logistik erforscht. Dem Projektteam bestehend aus tbw research, TU Wien – Forschungsbereich Verkehrssystemplanung, Wiener Linien und Heavy Pedals Lastenrad GmbH geht es um eine Verlagerung der vormals außerhalb der Stadt gelegenen Paketumschlagsflächen an geeignete, am Öffentlichen Verkehr multimodal angebundene und geteilt genutzte Standorte im Stadtgebiet (CityHubs). Mit dieser Standortverlagerung wird gleichzeitig die Distanz zu den EndkundInnen verringert und die Zustellung per Transportrad für die Paketlogistik optimiert.

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Die Schaffung innerstädtischer Güterumschlagsflächen und Verkürzung der Letzten Meile in der Zustellung – ein zentrales Element von RemiHub.

Innsbruck steigt testweise um

In der Innsbrucker Innenstadt läuft soeben ein vierwöchiger Pilotversuch unter dem Titel „Inns’paket„, der von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) finanziert und vom Arbeitsbereich Intelligente Verkehrssysteme am Institut für Infrastruktur der Uni Innsbruck geleitet wird. Im vom Land Tirol und Stadt Innsbruck unterstützten Projekt wird die emissionsfreie, ganztägige Zustellung im Zentrumsbereich mit Transporträdern in Kooperation mit der Zustellfirma DPD und der Tiroler Supermarktkette MPreis untersucht.

E-Transporträder bis zu 60 % schneller

Der zu ändernde Ist-Zustand in Innbruck im Bild. Der Innsbrucker Pilotversuch soll bis zum 17. September laufen, danach wird evaluiert inwieweit eine Zustellung mit Lastenrädern in Innsbruck breiter ausgerollt werden könnte.

Als wichtiges Thema bei Effizienzvergleichen dieser Art bieten sich auch die Arbeitsbedingungen des Lieferpersonals an, deren Status als regulär Angestellte wie bei Wiens Transportradfirma bis zu SubunternehmerInnen wie bei internationalen Paketdiensten reichen kann und dementsprechend Kosten und soziale Standards hebt oder senkt.

Die gesamte Studie ist bereits hier in der Radkompetenz Wissens-Datenbank nachzulesen:
Ersilia Verlinghieri, Irena Itova, Nicolas Collignon, Rachel Aldred (2021): The Promise of Low-Carbon Freight. Benefits of cargo bikes in London.

 

 

 

Radkompetenz-Mitglieder in diesem Artikel:

Mehr von diesen Mitgliedern: