Ambitionierter Masterplan Radverkehr für Graz

Masterplan

Mit dem „Masterplan Radoffensive 2030“ soll Graz zu einer der Radhauptstädte Europas werden. Das Ziel der Stadtregierung: bis zum Jahr 2030 rund 200 Kilometer neue Radrouten, Abstellanlagen und ergänzende Einrichtungen mit einer Gesamtinvestition von 100 Millionen Euro schaffen. Im Modal Split soll der Radverkehrsanteil mittelfristig von rund 20 % auf 30 % gesteigert werden. Radkompetenz-Mitglied verkehrplus hat mitgeplant.

Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) stellte den Plan am 19. August gemeinsam mit Verkehrsstadträtin Elke Kahr (KPÖ), Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) und Verkehrslandesrat Anton Lang (SPÖ) vor – der Masterplan ist auch finanziell eine Landessache und wirkt über die Stadtgrenzen hinaus. Schon im Herbst 2019 wurde verkündet, dass Land Steiermark und Stadt Graz bis zum Jahr 2030 100 Millionen Euro in eine „Radverkehrsoffensive Großraum Graz“ investieren, Nun liegt der Plan dafür vor, acht Jahre bleiben für die Umsetzung.

Kopf hinter dem ambitionierten Masterplan ist der Brüsseler Städteplaner und Architekt Stefan Bendiks, der auch in Graz tätig ist. Sein Büro Artgineering hat die Gesamtkoordination der sechs beteiligten steirischen VerkehrsplanerInnen übernommen und ist verantwortlich für die übergeordnete Netz- und Systemplanung. In Summe waren mehr als 50 ExpertInnen mit der Erarbeitung des Masterplans befasst. Auch zwei Radkompetenz-Mitglieder konnten dabei mitwirken: der Planungssektor im Grazer Zentrum wurde mit der Expertise von Radkompetenz-Mitglied verkehrplus bearbeitet, zusätzliches Consulting und Datenermittlung kam von den Bike Citizens.

Masterplan soll Radtauglichkeit für Alle schaffen

Um sowohl die Fahrradfreundlichkeit der Stadt Graz und Umgebung als auch den Radverkehrsanteil zu erhöhen, wurde ein ganzheitlicher Ansatz gewählt. Zielgruppe des Masterplans sind nicht nur die bereits Radfahrenden, sondern alle, die in Graz und Umgebung wohnen, arbeiten oder zu Gast sind. Deutlich wird dies auch bei der Berücksichtigung des breiten NutzerInnenspektrums. Alle Menschen sollen die Möglichkeit haben auf das Fahrrad um- oder aufzusteigen. Dies erfordert eine qualitative Radinfrastruktur die für alle NutzerInnengruppen Möglichkeiten bietet.

Die Zielgruppen für Radverkehrsanlagen im Masterplan (Seite 22):

Gruppen

Die Zuordnung von Radinfrastruktur-Typen und NutzerInnengruppe (Seite 23):

Radfahrer

Die Wertehaltung der Radoffensive als Grundlage des Masterplans wurde in vier Ebenen gegliedert:

  1. Ein ganzheitlicher Anforderungskatalog definiert hohe Qualitätskriterien.
  2. Alle Menschen aller Altergruppen bilden die Zielgruppe, auch für die schwächsten VerkehrsteilnehmerInnen muss ein sicheres Angebot geschaffen werden.
  3. Es wird angebotsorientiert und zukunftsfähig geplant, was auch die Umverteilung von Verkehrsflächen beinhaltet.
  4. Für diese Planung zählt die Perspektive der Radfahrenden.

Kreuzung

Qualitätskriterien nach niederländischem Vorbild

Mit aktuellen Erkenntnissen aus der internationalen Radverkehrsplanung wird ein Anforderungskatalog für die Qualitätskriterien für Radverkehrsanlagen und eine klare Netzwerkhierarchie für Graz entwickelt. Unter Berücksichtigung der fünf verkehrstechnischen Planungsprinzipien (Zusammenhang, Direktheit, Komfort, Attraktivität und Verkehrssicherheit), denen noch drei räumliche Kriterien (Integration der Fahrradanlagen in die Umgebung, das Erleben der Radfahrenden und der sozioökonomische Mehrwert von Radverkehr) hinzugefügt wurden, soll nach dem Vorbild niederländischer Städte hochwertige, von einer breiten Zielgruppe genützte, Radinfrastruktur geschaffen werden.

Im umfassenden Maßnahmen-Katalog des Masterplans werden die Gestaltungsgrundsätze detailreich aufbereitet. Von der Dimensionierung der Radinfrastruktur  – das Mindestmaß orientiert sich an Transporträdern – über Qualitätsstufen und Netzhierarchien von Radverkehrsanlagen, der Nutzung von Vorrangstraßen zum Lückenschluss im Radwegenetz, bis zur farbigen Markierung von Radverkehrsanlagen. Demnach sollen bestehende und neu aufgewertete Radverkehrsanlagen im A-Netz (ausgenommen bei gemischter Führung) zukünftig mit einer blauen, flächigen Markierung schnell sichtbar gemacht werden.

Vorgeschlagene farbige Hervorhebung von Radverkehrsanlagen (Seite 69):

Markierung

Netzplanung in drei Kategorien: ABC

Auch bei der Netzplanung setzt der Grazer Masterplan neue Maßstäbe. Demnach sind für die Umsetzung unterschiedlicher Kategorien von Radrouten (A-, B- und C-Netz) drei Qualitätsstufen, ausgeführte Breiten (Querschnittsform), mögliche Reisegeschwindigkeiten und Vorrangregelungen an Knotenpunkten entscheidend. Aber je nach Umfeld, ob urban (eng verbaut), periurban (vorstädtisch) und rural (ländlich) finden sich differenzierte Prinzipien. Im A-Netz ist vorrangig vom Fuß- und Kfz-Verkehr zu trennen, wobei in urbanen Zonen in Ausnahmefällen auch Begegnungsfälle bzw. Mischformen möglich sind.

Die Netzhierarchien in unterschiedlichem Umfeld (Seite 55):

Ambitionierter Masterplan Radverkehr für Graz

In Qualitätsstufe I im A-Netz sind im beispielhaften Straßenquerschnitt, neben Fahrstreifen für den MIV, Grünstreifen mit Bäumen, großzügigen Sicherheitsabständen und Mindestgehsteigbreiten von 2,0 Metern dann Zweirichtungsradwege mit Breiten von 4,0 Meter möglich.

Beispielhafter Straßenquerschnitt im A-Netz in Qualitätsstufe I (Seite 57):

Ambitionierter Masterplan Radverkehr für Graz

Sicherheit durch Infrastruktur

Bei Radfahrstreifen im A-Netz werden Breiten von 2 Metern plus 0,5-0,75 m Sicherheitsstreifen angestrebt. Diese Ausführung bietet auch die Möglichkeit, andere RadfahrerInnen zu überholen. Außerdem ist eine geschützte Ausführung als Protected Bike Lane mit Sicherheitsstreifen möglich.

Radfahrstreifen in Fahrtrichtung des Kfz (Seite 99):

Ambitionierter Masterplan Radverkehr für Graz

Eine weitere Maßnahme stellt die Umsetzung von Superblocks und modalen Filtern zur Kfz-Verkehrsberuhigung dar. Ohne größere bauliche Maßnahmen können so Verkehrsfilter zur raschen Verkehrsberuhigung in Wohn- und Stadtquartieren sowie zur Aufwertung des Radverkehrs und des öffentlichen Raumes beitragen. Bei der Gestaltung von Kreuzungen mit Lichtsignalanlagen auf A-Routen mit baulich getrennten Radverkehrsanlagen wird erstmals in einem Masterplan die geschützte Krezung, wie sie in den Niederlanden bereits Standard ist empfohlen. Dies stellt auch ein zentrales Element in der Radkompetenz-Fahrradmodellstadt dar.

Jürgen Sorger von verkehrplus betont die Bedeutung dieser Maßnahmen: „Wir müssen die Kreuzungen anders und vorausschauend denken: mehr Fahrräder, größere Fahrräder wie Familienfahrräder und schnellere Fahrräder wie E-Bikes brauchen mehr Platz zum Queren und Aufstellen! Die prognostizierten positiven Effekte der Grazer Radoffensive werden vor allem durch diese hochqualitativen Kreuzungen erzeugt.“

Zusammenfassend liegt für Graz nun ein wegweisender Masterplan vor, der mit seinem Maßnahmen-Katalog tief in die Werkzeugkiste der modernen Radverkehrsplanung greift. Bislang sind 22 Teilstücke auf diversen Haupt- und Nebenrouten des Masterplans so weit durchgeplant, dass nach Einreichung und Genehmigung durch das Straßenamt mit der baulichen Umsetzung begonnen werden kann. Bei ambitionierter Umsetzung könnte Graz tatsächlich zu einer der Radhauptstädte Europas werden.

Masterplaner Stefan Bendiks von Artgineering beschreibt die Hürden auf diesem Weg so: „Größte Herausforderung ist wahrscheinlich die konkrete Umsetzung, und das sowohl bei Politik wie auch vor allem bei den Behörden. Hier sind es der Mut und die Entschlossenheit der jeweiligen Entscheidungsträger, auf die wir als Experten unsere Hoffnungen setzen müssen. Und ja – im Detail geht es dabei auch oft um den Wegfall von Parkplätzen, Abbiegespuren und anderen räumlichen Privilegien, die wir dem Auto in den letzten Jahrzehnten großzügig eingeräumt haben.“

Vergleich des Radverkehrsnetzes

Das derzeitiges Bestandsnetz baulicher Radinfrastruktur (Radwege und Radfahrstreifen) und Hauptradrouten in der Stadt und im Grazer Umland …

Netzplan

… und die geplanten Haupt- und Nebenrouten des Masterplans. Die Erwartungshaltung ist also jetzt hoch!

Netzplan

Der gesamte Masterplan ist in der Radkompetenz Wissens-Datenbank nachzulesen oder hier auf der Website der Stadt Graz abrufbar: „Masterplan Radoffensive 2030. Wertehaltung, Planungsgrundsätze, Gestaltungskonzept, Maßnahmen-Katalog, Factsheets“, Stadt Graz, Land Steiermark, Artgineering (2021)

Veröffentlicht am: 1. September 2021Kategorien: Förderer & Initiativen, Planung & ConsultingSchlagwörter: , , ,

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Mit dem „Masterplan Radoffensive 2030“ soll Graz zu einer der Radhauptstädte Europas werden. Das Ziel der Stadtregierung: bis zum Jahr 2030 rund 200 Kilometer neue Radrouten, Abstellanlagen und ergänzende Einrichtungen mit einer Gesamtinvestition von 100 Millionen Euro schaffen. Im Modal Split soll der Radverkehrsanteil mittelfristig von rund 20 % auf 30 % gesteigert werden. Radkompetenz-Mitglied verkehrplus hat mitgeplant.

Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) stellte den Plan am 19. August gemeinsam mit Verkehrsstadträtin Elke Kahr (KPÖ), Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) und Verkehrslandesrat Anton Lang (SPÖ) vor – der Masterplan ist auch finanziell eine Landessache und wirkt über die Stadtgrenzen hinaus. Schon im Herbst 2019 wurde verkündet, dass Land Steiermark und Stadt Graz bis zum Jahr 2030 100 Millionen Euro in eine „Radverkehrsoffensive Großraum Graz“ investieren, Nun liegt der Plan dafür vor, acht Jahre bleiben für die Umsetzung.

Kopf hinter dem ambitionierten Masterplan ist der Brüsseler Städteplaner und Architekt Stefan Bendiks, der auch in Graz tätig ist. Sein Büro Artgineering hat die Gesamtkoordination der sechs beteiligten steirischen VerkehrsplanerInnen übernommen und ist verantwortlich für die übergeordnete Netz- und Systemplanung. In Summe waren mehr als 50 ExpertInnen mit der Erarbeitung des Masterplans befasst. Auch zwei Radkompetenz-Mitglieder konnten dabei mitwirken: der Planungssektor im Grazer Zentrum wurde mit der Expertise von Radkompetenz-Mitglied verkehrplus bearbeitet, zusätzliches Consulting und Datenermittlung kam von den Bike Citizens.

Masterplan soll Radtauglichkeit für Alle schaffen

Um sowohl die Fahrradfreundlichkeit der Stadt Graz und Umgebung als auch den Radverkehrsanteil zu erhöhen, wurde ein ganzheitlicher Ansatz gewählt. Zielgruppe des Masterplans sind nicht nur die bereits Radfahrenden, sondern alle, die in Graz und Umgebung wohnen, arbeiten oder zu Gast sind. Deutlich wird dies auch bei der Berücksichtigung des breiten NutzerInnenspektrums. Alle Menschen sollen die Möglichkeit haben auf das Fahrrad um- oder aufzusteigen. Dies erfordert eine qualitative Radinfrastruktur die für alle NutzerInnengruppen Möglichkeiten bietet.

Die Zielgruppen für Radverkehrsanlagen im Masterplan (Seite 22):

Gruppen

Die Zuordnung von Radinfrastruktur-Typen und NutzerInnengruppe (Seite 23):

Radfahrer

Die Wertehaltung der Radoffensive als Grundlage des Masterplans wurde in vier Ebenen gegliedert:

  1. Ein ganzheitlicher Anforderungskatalog definiert hohe Qualitätskriterien.
  2. Alle Menschen aller Altergruppen bilden die Zielgruppe, auch für die schwächsten VerkehrsteilnehmerInnen muss ein sicheres Angebot geschaffen werden.
  3. Es wird angebotsorientiert und zukunftsfähig geplant, was auch die Umverteilung von Verkehrsflächen beinhaltet.
  4. Für diese Planung zählt die Perspektive der Radfahrenden.

Kreuzung

Qualitätskriterien nach niederländischem Vorbild

Mit aktuellen Erkenntnissen aus der internationalen Radverkehrsplanung wird ein Anforderungskatalog für die Qualitätskriterien für Radverkehrsanlagen und eine klare Netzwerkhierarchie für Graz entwickelt. Unter Berücksichtigung der fünf verkehrstechnischen Planungsprinzipien (Zusammenhang, Direktheit, Komfort, Attraktivität und Verkehrssicherheit), denen noch drei räumliche Kriterien (Integration der Fahrradanlagen in die Umgebung, das Erleben der Radfahrenden und der sozioökonomische Mehrwert von Radverkehr) hinzugefügt wurden, soll nach dem Vorbild niederländischer Städte hochwertige, von einer breiten Zielgruppe genützte, Radinfrastruktur geschaffen werden.

Im umfassenden Maßnahmen-Katalog des Masterplans werden die Gestaltungsgrundsätze detailreich aufbereitet. Von der Dimensionierung der Radinfrastruktur  – das Mindestmaß orientiert sich an Transporträdern – über Qualitätsstufen und Netzhierarchien von Radverkehrsanlagen, der Nutzung von Vorrangstraßen zum Lückenschluss im Radwegenetz, bis zur farbigen Markierung von Radverkehrsanlagen. Demnach sollen bestehende und neu aufgewertete Radverkehrsanlagen im A-Netz (ausgenommen bei gemischter Führung) zukünftig mit einer blauen, flächigen Markierung schnell sichtbar gemacht werden.

Vorgeschlagene farbige Hervorhebung von Radverkehrsanlagen (Seite 69):

Markierung

Netzplanung in drei Kategorien: ABC

Auch bei der Netzplanung setzt der Grazer Masterplan neue Maßstäbe. Demnach sind für die Umsetzung unterschiedlicher Kategorien von Radrouten (A-, B- und C-Netz) drei Qualitätsstufen, ausgeführte Breiten (Querschnittsform), mögliche Reisegeschwindigkeiten und Vorrangregelungen an Knotenpunkten entscheidend. Aber je nach Umfeld, ob urban (eng verbaut), periurban (vorstädtisch) und rural (ländlich) finden sich differenzierte Prinzipien. Im A-Netz ist vorrangig vom Fuß- und Kfz-Verkehr zu trennen, wobei in urbanen Zonen in Ausnahmefällen auch Begegnungsfälle bzw. Mischformen möglich sind.

Die Netzhierarchien in unterschiedlichem Umfeld (Seite 55):

Ambitionierter Masterplan Radverkehr für Graz

In Qualitätsstufe I im A-Netz sind im beispielhaften Straßenquerschnitt, neben Fahrstreifen für den MIV, Grünstreifen mit Bäumen, großzügigen Sicherheitsabständen und Mindestgehsteigbreiten von 2,0 Metern dann Zweirichtungsradwege mit Breiten von 4,0 Meter möglich.

Beispielhafter Straßenquerschnitt im A-Netz in Qualitätsstufe I (Seite 57):

Ambitionierter Masterplan Radverkehr für Graz

Sicherheit durch Infrastruktur

Bei Radfahrstreifen im A-Netz werden Breiten von 2 Metern plus 0,5-0,75 m Sicherheitsstreifen angestrebt. Diese Ausführung bietet auch die Möglichkeit, andere RadfahrerInnen zu überholen. Außerdem ist eine geschützte Ausführung als Protected Bike Lane mit Sicherheitsstreifen möglich.

Radfahrstreifen in Fahrtrichtung des Kfz (Seite 99):

Ambitionierter Masterplan Radverkehr für Graz

Eine weitere Maßnahme stellt die Umsetzung von Superblocks und modalen Filtern zur Kfz-Verkehrsberuhigung dar. Ohne größere bauliche Maßnahmen können so Verkehrsfilter zur raschen Verkehrsberuhigung in Wohn- und Stadtquartieren sowie zur Aufwertung des Radverkehrs und des öffentlichen Raumes beitragen. Bei der Gestaltung von Kreuzungen mit Lichtsignalanlagen auf A-Routen mit baulich getrennten Radverkehrsanlagen wird erstmals in einem Masterplan die geschützte Krezung, wie sie in den Niederlanden bereits Standard ist empfohlen. Dies stellt auch ein zentrales Element in der Radkompetenz-Fahrradmodellstadt dar.

Jürgen Sorger von verkehrplus betont die Bedeutung dieser Maßnahmen: „Wir müssen die Kreuzungen anders und vorausschauend denken: mehr Fahrräder, größere Fahrräder wie Familienfahrräder und schnellere Fahrräder wie E-Bikes brauchen mehr Platz zum Queren und Aufstellen! Die prognostizierten positiven Effekte der Grazer Radoffensive werden vor allem durch diese hochqualitativen Kreuzungen erzeugt.“

Zusammenfassend liegt für Graz nun ein wegweisender Masterplan vor, der mit seinem Maßnahmen-Katalog tief in die Werkzeugkiste der modernen Radverkehrsplanung greift. Bislang sind 22 Teilstücke auf diversen Haupt- und Nebenrouten des Masterplans so weit durchgeplant, dass nach Einreichung und Genehmigung durch das Straßenamt mit der baulichen Umsetzung begonnen werden kann. Bei ambitionierter Umsetzung könnte Graz tatsächlich zu einer der Radhauptstädte Europas werden.

Masterplaner Stefan Bendiks von Artgineering beschreibt die Hürden auf diesem Weg so: „Größte Herausforderung ist wahrscheinlich die konkrete Umsetzung, und das sowohl bei Politik wie auch vor allem bei den Behörden. Hier sind es der Mut und die Entschlossenheit der jeweiligen Entscheidungsträger, auf die wir als Experten unsere Hoffnungen setzen müssen. Und ja – im Detail geht es dabei auch oft um den Wegfall von Parkplätzen, Abbiegespuren und anderen räumlichen Privilegien, die wir dem Auto in den letzten Jahrzehnten großzügig eingeräumt haben.“

Vergleich des Radverkehrsnetzes

Das derzeitiges Bestandsnetz baulicher Radinfrastruktur (Radwege und Radfahrstreifen) und Hauptradrouten in der Stadt und im Grazer Umland …

Netzplan

… und die geplanten Haupt- und Nebenrouten des Masterplans. Die Erwartungshaltung ist also jetzt hoch!

Netzplan

Der gesamte Masterplan ist in der Radkompetenz Wissens-Datenbank nachzulesen oder hier auf der Website der Stadt Graz abrufbar: „Masterplan Radoffensive 2030. Wertehaltung, Planungsgrundsätze, Gestaltungskonzept, Maßnahmen-Katalog, Factsheets“, Stadt Graz, Land Steiermark, Artgineering (2021)

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